Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel setzt auf neue Gaskraftwerke

Bundeskanzlerin und Vertreter der Energiebranche diskutieren über Atomkraft-Alternativen

Von der Atom- zur Sonnenenergie: Probleme der Energiewende werden heute im Kanzleramt besprochen (AP)
Von der Atom- zur Sonnenenergie: Probleme der Energiewende werden heute im Kanzleramt besprochen (AP)

Die Energiewende läuft nicht wie geplant. Deshalb traf sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch mit Vertretern der großen Energiekonzerne und wollte von ihnen wissen, wie der Atomausstieg 2022 konkret umgesetzt werden kann.

Als Schlüssel zur Energiewende wird offenbar die Errichtung weiterer Gaskraftwerke gesehen. Möglichst rasch will die Kanzlerin geklärt wissen, wie viele neue dieser Kraftwerke nötig sind, um den Atomausstieg bis 2022 zu schaffen. "Die Gespräche waren getragen von einem Geist, dass alle die Energiewende wollen und gemeinsam nach Lösungen suchen", verlautete anschließend aus Regierungskreisen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) waren an den Gesprächen nicht beteiligt.

Im Mittelpunkt standen der Zubaubedarf an konventionellen Kraftwerken sowie die Gestaltung des Strommarktes, damit sich die Kraftwerke bei immer mehr Wind- und Solarenergie auch rechnen. Und auch in punkto Benzinpreise will die Bundesregierung Klarheit schaffen.

Neben der Zukunft des Kraftwerkebaus steht auch der Netzausbau auf der Agenda. "Ich möchte mir, bevor wir Anfang Juni den ersten Entwurf des Netzplans bekommen, einen Überblick verschaffen", sagte Merkel dem "Hamburger Abendblatt". Sie sei zwar mit der Geschwindigkeit der Energiewende "im Großen und Ganzen" zufrieden. Offene Fragen gebe es aber etwa bei dem geplanten massiven Ausbau der Windenergieparks im Meer. In der Branche der erneuerbaren Energien zogen zuletzt dunkle Wolken auf. Mehrere deutsche Solarfirmen meldeten Insolvenz an. Der Motor der Energiewende geriet ins Stocken.

Wirtschaft fordert Klarheit

Michael Vassiliadis, neu gewählter Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) spricht auf einer Pressekonferenz beim offiziellen Kongress der Gewerkschaft in Hannover. (AP)Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) (AP)Wirtschaft und Oppostion kritisieren die bisherigen Anstrengungen bei der Energiewende. Es fehlten "klare Rahmenbedingungen", sagte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, im Deutschlandfunk. Bei der Frage, "hat man einen Masterplan, wie wir dieses anspruchsvolle Projekt denn wirklich umsetzen wollen", sei bisher nicht sehr viel getan worden.

Beim Ausbau der Kraftwerke gebe es große Zurückhaltung. Neue Kraftwerke seien aber notwendig, um den Zeitraum bis zu einer umfassenden Versorgung aus erneuerbaren Energien zu füllen. Die betriebenen Gas- und Kohlekraftwerke seien außerdem "sehr, sehr alt" und müssten "irgendwann vom Netz gehen", sagte Vassiliadis. "Wir sehen eben keine Neubauten im erforderlichen Umfang."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert eine bessere Steuerung der Stromproduktion. DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann kritisierte eine Verschwendung von Ressourcen und Geldern durch ungesteuertes Wachstum im Bereich der erneuerbaren Energien. 2011 sei der Anteil der Wind- und Solarenergie um 20 Prozent gestiegen, aber ohne jede regionale Koordination, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Versorgungssicherheit "gefährdet"

Winfried Kretschmann, Grüne (picture alliance / dpa)Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Grüne (picture alliance / dpa)Der Atomausstieg und die Stilllegung konventioneller Kraftwerke könnten die Versorgungssicherheit in "relevantem Umfang gefährden", warnte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in einem Brief an Merkel (CDU), aus dem der "Mannheimer Morgen" zitierte. "Ich bin der festen Überzeugung, dass der Strommarkt in seiner derzeitigen Ausgestaltung nicht geeignet ist, die Herausforderungen der Energiewende zu meistern."

"Es hapert an allen Ecken und Enden, diese Energiewende ist ein Desaster", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier dem "Hamburger Abendblatt". "Das Ausstiegskonzept wurde mit heißer Nadel gestrickt, der Netzausbau kommt nicht in Gang und die Integration der erneuerbaren Energien misslingt."


Linktipp:

Energiewende rückwärts? Die Braunkohle erlebt eine Renaissance, berichtet Sina Fröhndrich in unserem Energie-Blog "Umsteigerland".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Nachspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Einhundert

Aus unseren drei Programmen

Le Pen und die Frauen"Es fehlen weibliche Rollenbilder bei den klassischen Parteien"

Marine Le Pen, Vorsitzende des rechtsextremen Front National, steht bei einem Kongress der Partei im südfranzösischen Frejus mit ausgebreiteten Armen auf der Bühne. (AFP / Franck Pennant)

Frauen seien in Frankreichs politischem Bild in den letzten Jahren kaum vorgekommen, sagte die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot im DLF. Marine Le Pen besetze Themen wie Lohngleichheit, Homo-Ehe und verspreche Frauen vor dem Islamismus zu schützen. Damit habe sie Erfolg - auch wenn ihre Politik sehr stark ins Emotionale und Symbolische gehe, so Guérot.

EingebundenFliegende Blätter gefangen

Die Buchseiten eines Liebesromans sind in Herzform geklappt. (picture alliance / dpa / Susannah V. Vergau)

Was wäre die Menschheit ohne ihre Bücher oder deren Vorläufer? Wahrscheinlich noch immer ein Haufen Höhlenbewohner, die ihre Tage mit Sammeln und Jagen verbringen. Wort, Sprache und Schrift haben die Welt verändert – und jetzt im 21. Jahrhundert verändert sich das Buch.

Europa und USA"Die Rechten bieten sich heute als Schutzmacht der kleinen Leute an"

Mehrere tausend Pegida-Anhänger demonstrieren am 16.10.2016 auf dem Theaterplatz in Dresden (Sachsen).  (dpa / Oliver Killig)

Die politische Rechte in Europa und den USA habe vor allem in den unteren gesellschaftlichen Schichten Anhänger gefunden, sagte der Soziologe Sighard Neckel im DLF. Das liege unter anderem daran, dass sich die Rechten als Schutzmacht der kleinen Leute anbieten würden und die linken Parteien aus dieser Rolle ausgetreten seien.

Saudi-ArabienDie Zeit nach dem Öl

Blick auf die King Abdullah Economic City (KAEC) in der Nähe von Jeddah in Saudi-Arabien. (AFP PHOTO / Omar Salem)

In King Abdullah Economic City wohnen etwa 7.000 Menschen. Die Stadt soll auf die Zeit nach dem Öl vorbereiten. Und sie steht für eine gesellschaftliche Modernisierung des Landes. Es gibt aber starke Kräfte, die das Projekt gefährden könnten.

BangkokDas Ende der Garküchen

Für die rund 15 Millionen Menschen in und um Bangkok sind die Garküchen ein Lebensmittelpunkt. Die thailändische Militärrjunta hält sie für unhygienisch und will sie abschaffen.

Krankheit und HeilungBefund und Befindlichkeit

ILLUSTRATION - Ein Stethoskop liegt am 01.04.2015 in Berlin auf einem Notenblatt der 4. Sinfonie in d-Moll von Robert Schumann.  (dpa / picture-alliance / Jens Kalaene)

Weltweit steigt die Zahl der therapieresistenten chronischen Krankheiten. Immer mehr Patienten wenden sich komplementären Heilverfahren zu. Sind Körper und Seele feiner verwoben als die Schulmedizin annimmt?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Parteitag in Köln  AfD wählt Spitzenduo und beschließt Wahlprogramm | mehr

Kulturnachrichten

"Welttag des Buches": 100 Verlage öffnen ihre Tore  | mehr

 

| mehr