Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel soll seit 2002 abgehört worden sein

Bericht über geheime NSA-Liste

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schreibt eine Nachricht auf ihrem Mobiltelefon (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schreibt eine Nachricht auf ihrem Mobiltelefon (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nach einem Medienbericht möglicherweise schon seit mehr als zehn Jahren vom US-Geheimdienst NSA abgehört. "Der Spiegel" berichtet von einer geheimen Datei, in der die Nummer eingetragen ist. US-Präsident Barack Obama soll den Lauschangriff indirekt zugegeben haben.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" beziehen sich auf das Telefonat von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama am vergangenen Mittwoch. Merkel hatte Obama angerufen, nachdem die Überwachung ihres CDU-Parteihandys öffentlich geworden war. In dem Gespräch gab Obama den Berichten zufolge den Lauschangriff indirekt zu, indem er sagte, er habe davon nichts gewusst und hätte ihn sonst sofort gestoppt. Zudem soll sich Obama bei Merkel entschuldigt haben. "Der Spiegel" beruft sich auf Informationen aus dem Kanzleramt, die FAS nennt keine Quelle. Ein Sprecher der Bundesregierung lehnte eine Stellungnahme zu dem Zeitungsbericht ab.

Bisher hatte das Weiße Haus nach Merkels Anruf in einer schriftlichen Stellungnahme nur erklärt: "Der Präsident versicherte der Kanzlerin, dass die Vereinigten Staaten die Kommunikation von Kanzlerin Merkel nicht überwachen und nicht überwachen werden." Eine Ausspähaktion in der Vergangenheit ließ ein Sprecher auch auf Nachfrage offen.

Ruf nach Konsequenzen

Der Celler Jurist Harald Range wird neuer Generalbundesanwalt in Karlsruhe (picture alliance / dpa / Peter Steffen)Generalbundesanwalt Harald Range (picture alliance / dpa / Peter Steffen)Linksfraktionschef Gregor Gysi forderte, den US-Whistleblower Edward Snowden als Zeugen zu hören. Der frühere NSA-Mitarbeiter hatte mit seinen Informationen die Affäre ins Rollen gebracht. Gysi sagte der "Rheinischen Post", Snowden müsse nach der Vernehmung ein sicherer Aufenthaltsort in Deutschland gewährt werden. Generalbundesanwalt Harald Range hält das jedoch derzeit für nicht möglich. "Wir können keine Zeugen vernehmen in diesem Stadium des Verfahrens, wo wir noch kein Ermittlungverfahren haben", sagte Range bei einer Veranstaltung in Karlsruhe. "Wir können uns nur Auskünfte einholen, und das tun wir." Snowden hält sich zur Zeit an einem unbekannten Ort in Russland auf, das ihm vorläufiges Asyl gewährt.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte der FAS, er wolle wissen, wer abgehört worden sei und wie weit die Abhörmaßnahmen zurückreichten. "Und wir erwarten auch Antworten auf die heikelsten Frage: Waren solche Aktivitäten der überspannte Ehrgeiz eines außer Kontrolle geratenen Geheimdienstes? Oder hat das Weiße Haus davon gewusst?"

Deutschland und Brasilien bereiten offenbar eine UNO-Resolution vor, in der es um den Schutz von Privatsphäre und Menschenrechte geht. Sie wollen sich nach Angaben aus Diplomatenkreisen dafür einsetzen, dass elektronische Kommunikation nicht länger ausgespäht wird. Das Papier werde allerdings schon länger vorbereitet. Auch Brasiliens Präsident Dilma Roussef soll von der NSA abgehört worden sein.


Mehr zum Thema auf dradio.de

"Ich finde die Sache äußerst peinlich" - Ehemaliger US-Botschafter in Berlin hält Obama in der Ausspähaffäre für überfordert
Naive Empörung - Über Lauschen und Belauschen im Funkverkehr
Forschung Aktuell - Klassisch belauscht - Normale Abhörmethoden reichten für Merkels Parteihandy

 

Letzte Änderung: 31.10.2013 23:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Klassik-Pop-et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:05 Uhr Im Gespräch

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Endlich Samstag

Aus unseren drei Programmen

Hassmails und MorddrohungenLokalpolitiker im Fadenkreuz

Facebook-Symbole und darüber steht Hass gesprüht. (Imago / Ralph Peters)

Übergriffe auf Kommunalpolitiker nehmen zu. Meist haben die Attacken einen rechtsradikalen Hintergrund, stehen in Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik. Die alarmierende Zahl des Bundesinnenministeriums: Mehr als 800 Übergriffe auf Mandatsträger gab es allein seit Beginn dieses Jahres.

Heiner Geißler über CDU/CSU-Vorstoß"Dieser Aufruf liegt völlig daneben"

Der langjährige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler (picture-alliance / dpa / Peter Steffen)

Die CSU und Sachsens CDU haben einen "Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur" verfasst. Damit wollen sie reagieren auf "gesellschaftlicher Unruhe". Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler kritisiert Aussagen dieses Papiers: Es fordere, Gesinnungen statt Werte hochzuhalten.

Regierungsbericht zum Stand der Einheit"Mehrheit der Ostdeutschen ist nicht fremdenfeindlich"

Rund eine Million Menschen feierten in der Nacht zum 3.10.1990 in Berlin - wie hier vor dem Reichstagsgebäude - die wiedergewonnene deutsche Einheit. (Wolfgang Kumm, dpa picture-alliance)

Im Regierungsbericht zum Stand der deutschen Einheit ist von einer Zunahme der rechtsextremen Überfälle die Rede. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Iris Gleicke, betonte, dass die Mehrheit der Ostdeutschen nicht ausländerfeindlich sei. Doch das sei leider "eine zum Teil schweigende Mehrheit."

Deutsche BankAmerika will sich offenbar "der letzten deutschen Bank entledigen"

Der Ökonom Max Otte (dpa / picture-alliance / Erwin Elsner)

Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist erstmals in der Unternehmensgeschichte unter zehn Euro gerutscht. Der Finanzwissenschaftler Max Otte sagte im Deutschlandfunk, die Probleme der Bank seien zum Teil ein Ergebnis von internationalem Druck, vor allem aus den USA. Die Vereinigten Staaten übten "Erpressungsmacht" aus.

ESA-SONDE ROSETTAEin Weltraumabenteuer in drei Akten

Zwölf Jahre war Raumsonde Rosetta für uns im All. Endlich erreicht sie nach sieben Milliarden Kilometern den Kometen Tschuri - und wird ihre Arbeit für immer beenden. Aber bis zum letzten Moment, soll sie uns mit Bildern und Informationen versorgen.

Bestsellerautor Bernhard Schlink"Ich schreibe sogar gerne Einkaufszettel"

Bernhard Schlink am 16. Juni 2016 bei einer Lesung in Barcelona (dpa / picture alliance / Marta Perez)

Mit "Der Vorleser" wurde Bernhard Schlink vor über 20 Jahren auf einen Schlag berühmt. Der Bestsellerautor spricht mit uns über seine Liebe zum Schreiben und seine Zeit als Student während der 68er-Bewegung.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Wiedervereinigung  Thierse und Schorlemmer sehen noch Defizite | mehr

Kulturnachrichten

Literaturnobelpreis-Bekanntgabe erst am 13. Oktober  | mehr

Wissensnachrichten

Raumsonde  Rosettas letztes Bild | mehr