Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel stellt sich hinter Schavan

Kritik am Plagiatsverfahren der Universität Düsseldorf

Enge CDU-Vertraute: Annette Schavan und Angela Merkel (dpa / Wolfgang Kumm)
Enge CDU-Vertraute: Annette Schavan und Angela Merkel (dpa / Wolfgang Kumm)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hält ihrer Bildungsministerin Annette Schavan die Treue, will aber auch "in Ruhe" mit ihr reden. Inzwischen sind auch aus der FDP Rücktrittsforderungen zu hören. Doch auch an der Vorgehensweise der Universität Düsseldorf gibt es Kritik.

Der Deutsche Philologenverband wirft der Heinrich-Heine-Universität "hochgradiges Versagen" vor. "Unabhängig vom endgültigen Ausgang im Rechtsstreit um die Aberkennung des Doktortitels muss man nach Abschluss des universitären Überprüfungsverfahrens feststellen, dass dabei unentschuldbare, ja katastrophale Fehler gemacht wurden", schreibt der Verband auf seiner Internetseite. Dazu zähle unter anderem, dass die Vertraulichkeit nicht gewahrt und kein externer Gutachter hinzugezogen worden sei. Ein interner Bericht der Hochschule war im Herbst an die Öffentlichkeit gelangt.

Der Deutsche Hochschulverband nahm die Universität hingegen in Schutz. "Wir können nicht erkennen, dass das Prüfverfahren rechtswidrig war. Es wurde unseres Erachtens sehr sorgfältig durchgeführt", sagte Verbandssprecher Matthias Jaroch. Es sei auch nicht vorgeschrieben, in solch einem Fall externe Gutachter zu Rate zu ziehen. Gestern hatte der Hochschulverband Schavan bereits zum Rücktritt aufgefordert.

Zwischen Rückhalt und Rücktritt

Die Ministerin befindet sich momentan auf einer Reise in Südafrika, um die Kooperation mit Deutschland im Forschungsbereich zu stärken. Dort hatte sie gestern erklärt, gegen die Aberkennung ihres Doktortitels juristisch vorgehen zu wollen. Zu einem möglichen Rücktritt äußerte sich Schavan nicht. Am Freitagabend wird sie in Berlin zurück erwartet.

Bis dahin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Verhandlungen über den EU-Haushalt beschäftigt. Nachdem Schavan in Berlin gelandet sei, werde "Gelegenheit sein, in Ruhe miteinander zu reden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Dass Merkel über ihren Sprecher ausrichten ließ, sie habe "volles Vertrauen" in Schavan, wird in Berlin nicht als Jobgarantie verstanden. Solche Bekundungen hatten schon Karl-Theodor zu Guttenberg und Franz-Josef Jung wenige Tage vor ihren Rücktritten von der CDU-Vorsitzenden erhalten. Bei Guttenberg war es gar "vollstes Vertrauen", wie Blogger Sascha Lobo anmerkt.

Gerade im Fall Guttenberg legte Schavan selbst sehr hohe Maßstäbe an. "Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich", hatte die Bildungsministerin seinerzeit der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. "Jedenfalls weiß ich, dass, wer viele Jahre an seiner Doktorarbeit sitzt, sich darin auch verirren kann." Der FDP-Politiker Thomas Hacker hält aufgrund dieser Äußerungen einen Rücktritt für unausweichlich. "Wenn ich die Messlatte für andere sehr hoch setze, wie sie es getan hat, dann muss ich die Messlatte auch für mich selbst so ansetzen", sagte Hacker im Deutschlandfunk.

Mögliche Nachfolgekandidaten

Armin Laschet auf dem Weg zur Vorstandssitzung in Düsseldorf (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)Armin Laschet, CDU-Landesvorsitzender in NRW (picture alliance / dpa / Rolf Vennenbernd)Bei den Christdemokraten wird dem Vernehmen nach bereits über einen möglichen Nachfolger geredet, der das Bundesbildungsministerium bis zur Bundestagswahl im Herbst führen wird. Die CDU in Nordrhein-Westfalen beansprucht dann nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeigers" zumindest ein Mitspracherecht über den Posten, nachdem Norbert Röttgen entlassen wurde. Dessen Nachfolger als CDU-Landesvorsitzender, Armin Laschet, ist demnach im Gespräch. Schon Röttgens Ministerposten hatte damals der Saarländer Peter Altmaier übernommen. Nun sei der mitgliederstarke NRW-Landesverband wieder am Zug.

Mehr:

Klagen gegen Titelentziehung meist erfolglos - Professor für Wissenschaftsrecht zur Causa Schavan

Plagiatsaffäre: Schavan verliert Doktortitel - Opposition fordert Rücktritt der Ministerin

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 19:10 Uhr Sport am Sonntag

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 18:30 Uhr Hörspiel

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Ab 21

Aus unseren drei Programmen

Mexikos gescheiterter DrogenkriegZigtausende "Verschwundene"

Yesenia Carrera mit Foto ihres verschwundenen Sohnes. Seit fast drei Jahren lebt die 48-Jährige in quälender Ungewissheit. (Foto: Victoria Eglau - Deutschlandradio)

Über 10.000 Menschen sterben und verschwinden jedes Jahr als Folge des Drogenhandels in Mexiko - oft arbeiten Banden und Polizei Hand in Hand. Verzweifelte Angehörige werden von den Behörden vertröstet. Ein neues Gesetz soll nun helfen, das wirklich effizient nach Verschwundenen gesucht wird.

Jonathan Meese über "Bavid Dowie"-Ausstellung"Wir sind alle Yetis!"

Jonathan Meese, Daniel Richter und Tal R (Foto: Hanna Putz)

"Bavid Dowie" heißt die Ausstellung der drei Künstler Jonathan Meese, Daniel Richter und Tal R, die in Stade zu sehen ist. Ganz klar in Anspielung an David Bowie, doch der wird dort kaum auftauchen, sagt Meese. Vielmehr habe der Titel eine eigene Botschaft.

Aufschrei gegen KindesmissbrauchTürkisch, Teenager und schwanger

Eine türkische Flagge schwebt am 20.05.2017 beim Drachen-Festival in Istanbul (Can Merey/dpa)

Laut Oppositionspartei CHP soll der sexuelle Missbrauch an Kindern in der Türkei um 700 Prozent in den vergangenen zehn Jahren zugenommen haben. Ohne mutige Zeuginnen wie Icla Nergiz würden die meisten Fälle nicht bekannt. Sie hat Alarm geschlagen, nachdem allein in einem Krankenhaus innerhalb von fünf Monaten 115 minderjährige Mädchen entbunden hatten.

Historiker Tom Segev"Es ist nicht leicht, in Jerusalem zu leben"

Tom Segev, israelischer Historiker und Journalist (Dan Porges)

In Israel beginnt die Geschichtsschreibung erst 1980, meint Tom Segev. Zuvor habe es Ideologie, Mythologie und furchtbar viel Indoktrination gegeben. Der Historiker spricht auch darüber, warum er erwägt, seine Geburtsstadt Jerusalem zu verlassen.

US-Botschafter Grenell "Wer mit dem Iran Handel treibt, unterstützt Terrorismus"

US-Botschafter Richard Grenell bei einem Besuch in Hamburg (imago / Chris Emil Janßen)

Deutsche und Amerikaner hätten sehr viel mehr Gemeinsamkeiten, als man zugebe, sagte US-Botschafter Richard Grenell im Dlf mit Blick auf die jüngsten Spannungen. Sie stünden eigentlich immer auf der gleichen Seite. Das gelte auch für das Iran-Abkommen. Nicht einig sei man sich bei der Wahl der Mittel.

Rassismus-Ausstellung in Dresden"Selbst Rassisten sprechen heute nicht mehr von Rasse"

(Foto: Jan-Peter Kasper/FSU)

Rassismus verstecke sich heute hinter Begriffen wie Kultur, Ethnie oder Religion, meint die Dresdener Kulturwissenschaftlerin Susanne Illmer. Den Begriff "Rasse" würden selbst Rassisten nicht mehr benutzen. Das sei problematisch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

BAMF-Affäre  Früh gewusst, spät gehandelt | mehr

Kulturnachrichten

Mehr Schutz und Transparenz im Umgang mit Daten  | mehr

 

| mehr