Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel verkündet Kompromiss im Klimastreit

G8-Gipfel in Heiligendamm

Im Strandkorb: Die Staats- und Regierungschefs beim G8-Gipfel in Heiligendamm (AP)
Im Strandkorb: Die Staats- und Regierungschefs beim G8-Gipfel in Heiligendamm (AP)

Einigung im Klimastreit: Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel mitteilte, hätten sich die Staats- und Regierungschefs beim G8-Gipfel in Heiligendamm darauf verständigt, eine Halbierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2050 in Betracht zu ziehen.

"Das ist ein starkes Signal", sagte die deutsche Regierungschefin. Alle Teilnehmer hätten die Notwendigkeit verpflichtender Reduktionsziele anerkannt. Nun sei für die Umweltminister der Weg frei, bei der UNO-Klimakonferenz auf Bali Ende des Jahres über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen zu verhandeln. Ein Auseinanderbrechen der Staatengemeinschaft beim Klimaschutz sei verhindert worden. Nicht durchsetzen konnte sich Merkel aber mit ihrer Forderung nach konkreten Vereinbarungen.

Auch der italienische Regierungschef Romani Prodi, Großbritanniens Premier Tony Blair und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso Barroso werteten den Kompromiss als Durchbruch.

Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen verständigten sich die Gipfel-Teilnehmer auch auf eine stärkere Zusammenarbeit mit Schwellenländern wie China oder Indien. Ziel sei, die Rahmenbedingungen der Globalisierung gemeinsam zu gestalten. Einig sei man sich auch in der positiven Einschätzung der weltwirtschaftlichen Lage, hieß es weiter.
(Sabine Adler fasst die Ergebnisse zusammen, MP3-Audio)

Kritik an Vereinbarung

Bei den Oppositionsparteien im Bundestag stießen die Vereinbarungen dagegen auf Kritik. Der Grünen-Parteivorsitzende Reinhard Bütikofer sprach in Berlin von einem Triumph der Unverbindlichkeit. Die Linkspartei bezeichnete das Ergebnis als halbherzig. Ähnlich äußerte sich ein FDP-Sprecher, der das Fehlen konkreter Reduktionsziele kritisierte. Auch mehrere Umweltverbände lehnten das Ergebnis als unzureichend ab.

Annäherung im Raketenstreit

US-Präsident George W. Bush und sein russischer Kollege Wladimir Putin kamen am Rande des Gipfels zu einem Vier-Augen-Gespräch über das von den USA geplante Raketenabwehrsystem in Osteuropa zusammen. Putin schlug den USA anschließend vor, auf das Vorhaben zu verzichten und stattdessen gemeinsam ein Radarsystem in Aserbaidschan zu nutzen. Damit könne ganz Europa vor einer Bedrohung geschützt werden. Putin sagte, in diesem Fall würde er auch seine Drohung fallen lassen, russische Raketen auf Ziele in Europa zu richten. Bush nannte den Vorschlag eine interessante Idee.

Verletzte bei Protesten

Unterdessen setzten die G8-Gegner ihre Protestaktionen rund um Heiligendamm fort. Bei einer Aktion der Umweltschutzorganisation Greenpeace auf der Ostsee wurden mindestens drei Menschen verletzt. Die Demonstranten waren mit mehreren Schlauchbooten in die Sperrzone eingedrungen. Sicherheitskräfte rammten mit einem Schiff ein Greenpeace-Boot und überfuhren es. Dabei gingen vier Mann über Bord. An Land blockierten wieder zahlreiche Demonstranten Straßen und Kontrollpunkte, die Polizei setzte zeitweise Wasserwerfer ein.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch das Verbot eines für heute geplanten Sternmarsches bestätigt. Das Netzwerk Attac betonte, man werde sich daran halten, die Blockaden aber bis zum Gipfelende fortsetzen.

Der Innenausschussvorsitzende des Landtags in Mecklenburg-Vorpommern, Norbert Nieszery, begrüßte die zurückhaltende Polizeistrategie zum G8-Gipfelauftakt und sprach sich gegen härtere Strafen für Steinewerfer aus. Die Blockaden der Zufahrtswege durch die Demonstranten seien ertragbar, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandradio Kultur.
(Text/ MP3-Audio)

Nach Ansicht von Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sind die Grünen nach wie vor Teil einer Protestbewegung. Die Grünen seien gleichzeitig eine parlamentarische Partei und eine Bewegungspartei, erklärte Fücks ebenfalls im Deutschlandradio Kultur.
(Text/ MP3-Audio)

Mit einem gemeinsamen Essen war der G8-Gipfel am Mittwoch offiziell eröffnetworden.


Programmtipp: Über die Lage rund um Heiligendamm und die politische Entwicklung unmittelbar vor dem G8-Gipfel informieren die Nachrichten- und Informationssendungen im Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur. dradio.de hat eine Auswahl von Beiträgen zum G8-Gipfel zusammengestellt.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Weltpolitik am Ostseestrand

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:23 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Radionacht Information

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Konflikte um Jerusalem"Religion ist potenziell gefährlich"

Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums in Berlin (Deutschlandradio / M. Hucht)

Juden, Christen und Muslime erheben Anspruch auf Jerusalem. Das führt oft zu Gewalt. Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums Berlin, plädiert für eine Unterordnung der Religion. Religionsführer müssten "das Primat der demokratischen Rechtsordnung anerkennen", sagte Schäfer im Dlf.

Europäisches Handgepäck (6/7)Zerbrechliche Bilder aus Paris

Ausstellung im Albert-Kahn-Museum in Paris (FRANCOIS GUILLOT / AFP)

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Bankier Albert Kahn einer der reichsten Männer Frankreichs - ein Kosmopolit und ein fanatischer Pionier der gerade entstehenden Farbfotografie. Er schickte Dutzende von Fotografen in alle Regionen der Welt, um die Vielfalt der menschlichen Kulturen zu dokumentieren.

Radikaler AvantgardistDieter Schnebel im Alter von 88 Jahren gestorben

Der Komponist Dieter Schnebel (imago / Stefan M Prager)

Er war Theologe und Musikwissenschaftler: Dieter Schnebel. Bekannt aber wurde Schnebel vor allem für seine Kompositionen und seine Lehre auf dem Feld der experimentellen Musik. Schnebel starb am Pfingstsonntag im Alter von 88 Jahren.

"Frankenstein" an der Staatsoper HamburgJenseits von Gruselromantik

Die Oper "Frankenstein" auf der Bühne im Theater auf Kampnagel. (dpa / Christian Charisius)

Mary Shelleys "Frankenstein" ist ein politisches Statement, eine Zukunftsvision, eine Schauergeschichte und ein Roadmovie. Auf Kampnagel hatte nun eine beeindruckende Opern-Adaption der Hamburger Staatsoper Premiere.

Prinzeninseln vor IstanbulZwischen Naturschutz, Tradition und Luxus-Tourismus

Zwei Pferde ziehen eine Kutsche mit Touristen einen von Bäumen gesäumten Weg entlang. (imago / Westend61)

Eine einstündige Schifffahrt entfernt von Istanbuls wuseligen Gassen, Shoppingcentern und immer neuen Baustellen liegen die neun Prinzeninseln. Dort gibt es jede Menge Natur, kleine Promenaden und prachtvolle Villen: ein Rückzugsort für reiche Großstädter und stadtmüde Touristen.

1978: Argentiniens Triumph und TrauerWM-Finale unweit des Folterzentrums

Der argentinische Junta-Chef, General Jorge Videla (2.v.r.), freut sich. Er überreicht bei der Siegerehrung am 25.06.1978 im River Plate-Stadion in Buenos Aires den WM-Pokal an Argentiniens Kapitän Daniel Passarella (r), der von seinem Teamgefährten Americo Gallego (Nr. 6) flankiert wird.  (dpa / picture-alliance)

Am 25. Juni 1978 gewann Argentinien die Fußball-WM im eigenen Land. Doch während die einen feierten, wurden andere unweit der Fußballstadien gefoltert. 30.000 Menschen fielen der Diktatur zum Opfer. Bis heute suchen Menschen nach ihren Angehörigen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Regierungsbildung  Der Neue in Italien | mehr

Kulturnachrichten

"LOVE": US-Künstler Robert Indiana gestorben | mehr

 

| mehr