Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Merkel wirbt bei Polen um Vertrauen

Zweitägiger Besuch im Nachbarland

Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski begrüßt Merkel auf dem Flughafen in Warschau. (AP)
Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski begrüßt Merkel auf dem Flughafen in Warschau. (AP)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei ihrem Polen-Besuch Entschädigungsforderungen deutscher Vertriebener eine klare Absage erteilt. "Die Klagen der so genannten Preußischen Treuhand haben keinerlei Unterstützung meiner Bundesregierung. Sie werden sie auch nie bekommen", sagte sie bei einer Rede an der Universität Warschau.

Merkel plädierte dafür, den Vertriebenen und Flüchtlingen aller Nationen ein würdevolles Gedenken zu ermöglichen und versicherte, dass es dabei keine Umdeutung der Geschichte geben werde: "Es kann keine Umdeutung der Geschichte durch Deutschland geben, und ich füge hinzu: Es wird auch keine Umdeutung der Geschichte geben."

Angesichts der Spannungen im deutsch-polnischen Verhältnis hatte Merkel unmittelbar nach ihrer Ankunft zu der zweitägigen Reise am Freitagmittag in Warschau um Vertrauen geworben. Mit dem Besuch wolle sie als Regierungschefin und EU-Ratspräsidentin ein Zeichen setzen, wie wichtig Polens Rolle in Europa sei, sagte Merkel nach einem rund halbstündigen Treffen mit Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski. Kaczynski lobte Klarheit und Entschlossenheit, mit der Merkel die anstehenden Fragen angesprochen habe, und sagte: "Wenn der weitere Verlauf so aussehen wird wie diese 30 Minuten, bin ich überzeugt, dass es ein sehr guter Besuch sein wird."

Marek Prawda, polnischer Botschafter in Deutschland (Bettina Straub / Deutschlandradio)Marek Prawda, Botschafter in Berlin. (Bettina Straub / Deutschlandradio)Der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda, sprach im Deutschlandradio Kultur von "Kommunikationsstörungen" zwischen beiden Ländern. Der Besuch Merkels sei ein Signal, "dass wir uns besser verstehen sollen, dass wir zueinander mehr Vertrauen gewinnen, dass wir auf dieser Basis über die Zukunft Europas sprechen können", sagte Prawda. Dass Merkel in Begleitung ihres Ehemannes komme, sei eine "menschliche private Ebene", die in dieser Phase der deutsch-polnischen Beziehungen wichtig sei.
(Interview mit Marek Prawda zum Nachhören, MP3)

Zu den gravierendsten Streitpunkten zwischen beiden Ländern zählt neben der Vertriebenenpolitik die deutsch-russische Ostseepipeline. Zudem will Merkel über das Raketenabwehrsystem sprechen, das die USA in Polen und Tschechien stationieren wollen.

Der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker sagte dazu im Deutschlandfunk, ein solcher Raketenschild sei keine bilaterale Angelegenheit. Die EU dürfe sich nicht auseinander dividieren lassen, weder in Sicherheitsfragen durch die USA noch in Energiefragen durch Russland. (Interview mit Richard von Weizsäcker zum Nachhören, MP3)

Der Direktor der Konrad-Adenauer-Stiftung in Warschau, Stephan Raabe, sagte im Deutschlandfunk, es gebe von polnischer Seite ein großes Misstrauen der Bundesrepublik gegenüber. Die scharfen Angriffe von der Regierung in Warschau spiegelten aber nur die Meinung eines kleinen Teils der Bevölkerung wider. Es gebe kaum ein Volk, das zu Europa und auch zum europäischen Verfassungsvertrag so positiv eingestellt sei wie die Polen. (Interview mit Stephan Raabe zum Nachhören, MP3)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:21 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

SPD-Kanzlerkandidat"Am 25. September heißt der Bundeskanzler Martin Schulz"

Forum Politik "Der Kampf ums Kanzleramt" Moderation Michaela Kolster (phoenix) und Stephan Detjen (Deutschlandfunk) mit Gast SPD Spitzenkandidat Martin Schulz im Atrium der Deutschen Bank am 17.8.207 in Berlin, Deutschland.  (Christian Marquardt )

In Hinblick auf seine Chancen bei der anstehenden Bundestagswahl hat sich der SPD-Kanzlerkandidat optimistisch gegeben. Auch wenn Angela Merkel von vielen immer noch für unschlagbar gehalten werden, glaube er an einen Sieg. Auch, weil die SPD das differenzierteste Wahlprogramm habe.

Künstlerkolonie AhrenshoopJetzt kommen auch die Touristen

Ein Strandkorb am Strand von Ahrenshoop,vor einem Haus mit Reetdach und malerischer Strandkulisse. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Das 650-Seelendorf Ahrenshoop war Rückzugsort während des Nationalsozialismus, Treffpunkt von anerkannten und etablierten Künstlern und ab den 60er-Jahren zunehmend Heimat der Unangepassten. Jetzt kommen die Touristen.

BildungsmonitorAlte Gewinner und Verlierer

Eine Lehrerin steht mit einer Schülerin und einem Schüler an einer Tafel und schreibt eine 1. (dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)

Wenn es um Bildung geht, dann macht niemand den Ländern Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg etwas vor. Das belegt der neueste "Bildungsmonitor" anhand von 93 Indikatoren wie Schulabbrecherquote und Verfügbarkeit von Ganztagsschulen. Seit ein paar Jahren gibt es nur noch geringe Verbesserungen.

Start-up-Szene in Ramallah"Wir wollen Palästina aufbauen"

Die junge Start-up-Unternehmerin Laila Akel sitzt vor ihrem Laptop in einem Café. (Philipp Eins)

Wer als junger Digital-Unternehmer in Palästina startet, kämpft mit vielen Nachteilen: Kein schnelles mobiles 3G-Internet, kein Online-Bezahldienst PayPal und wenig Unterstützung der Regierung. Trotzdem wächst die Start-up-Szene im Westjordanland.

Reihe: GerechtigkeitMinigehalt trifft Millionenbonus

Eine Frau mit Sonnenbrille läuft vorbei an einem Bettler in der Brienner Straße in der Münchner Innenstadt. (picture-alliance/ dpa / Markus C. Hurek)

Die einen verdienen 15 Millionen Euro im Jahr, andere kommen mit drei Minijobs kaum über die Runden. Solche Einkommens- und Vermögensunterschiede tun einer Gesellschaft gut, sagen neoliberale Wirtschaftswissenschaftler. Aber ist das gerecht?

Die Sonne und ihre RätselDer Stern, von dem wir leben

Die Abensonne färbt den Himmel rot. (Jason Blackeye / Unsplash)

Seit Jahrmilliarden ermöglicht sie mit ihrem Licht und ihrer Wärme das Leben auf der Erde. Noch immer rätseln Astronomen, was genau in der Sonne vor sich geht. Unklar ist auch, wieso sie alle elf Jahre besonders aktiv ist - mit weitreichenden Folgen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Spanien  Polizei erschießt fünf Terroristen | mehr

Kulturnachrichten

"Widerrede" von Martin Roth erscheint posthum | mehr

 

| mehr