Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mieterbund erwartet steigende Wohnkosten

Wirtschaftsforscher geben trübe Konjunkturaussichten

Mieterbund erwartet drastische Mieterhöhungen (dpa / Jens Kalaene)
Mieterbund erwartet drastische Mieterhöhungen (dpa / Jens Kalaene)

Die Mieten werden im Jahr 2013 erneut überproportional steigen. Davon geht der Deutsche Mieterbund aus. Zugleich rechnen Ökonomen wegen der Euro-Schuldenkrise nur noch mit schwachem Wirtschaftswachstum in Deutschland.

Für Millionen Mieter hält das neue Jahr nach Einschätzung des Deutschen Mieterbunds weiter steigende Wohnkosten bereit. "Wir müssen in den Ballungszentren und Universitätsstädten bei Neuverträgen mit Mietpreissteigerungen von durchschnittlich zehn Prozent rechnen", sagte Verbandsdirektor Lukas Siebenkotten. Bei den laufenden Mietverträgen dürfte der Aufschlag im Durchschnitt bei zwei bis drei Prozent liegen.

Die jüngst vom Bundestag beschlossenen Reform des Mietrechts werde 2013 zu einer Klagewelle vor den Gerichten führen, sagte Siebenkotten weiter. Die Neuerungen sehen unter anderem vor, dass Mieter bei energetischer Gebäudesanierung künftig Lärm, Dreck und Gerüste vor dem Fenster drei Monate lang ertragen müssen. "Was genau aber eine solche energetische Gebäudesanierung ist, wirft Abgrenzungsfragen auf, die ganz sicher viele Gerichte beschäftigen wird."

Die hohen Wohnkosten wachsen vielen Mietern ohnehin bereits über den Kopf: "Viele Haushalte müssen schon jetzt mehr als ein Drittel ihrer Konsumausgaben fürs Wohnen ausgeben - inklusive Betriebskosten", so Siebenkotten. Bei einkommensschwachen Haushalten seien es mehr als 45 Prozent. "Viele Menschen werden dadurch aus den Zentren an den Stadtrand verdrängt. Das wird nicht ohne gravierende soziale Folgen bleiben."

Ramsauer will gegenlenken

Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU) sprach sich in solchen Fällen grundsätzlich für staatliche Interventionen im Wohnungsmarkt aus: "Wo der Wohnungsmarkt überhitzt und zu sozialen Härten führt, muss die öffentliche Hand eingreifen", sagte der Minister der Zeitung "Die Welt". Er wolle auch die Förderung von Wohneigentum ausweiten.

Trübe Konjunkturaussichten wegen Eurokrise

Euroscheine in einem Spielzeug-Einkaufswagen (Stock.XCHNG / Vera Reis)Magere Wirtschaftprognose für 2013 (Stock.XCHNG / Vera Reis)Solche drohende Mietpreiserhöhungen fallen in eine Zeit, in der das Wirtschaftswachstum nach Einschätzung führender Forschungsinstitute nahezu stagniert. Ursache dafür sei vor allem die andauernde Unsicherheit wegen der europäischen Staatsschuldenkrise. Sie sei nicht gelöst, warnte der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph Schmidt. Der RWI-Präsident, der einer der Wirtschaftsweisen ist, erwartet "konjunkturell magere Zeiten" in Deutschland. Für den Jahresdurchschnitt 2013 prognostiziert er ein Wachstum von 0,3 Prozent.

"Die Euro-Krise wird uns auch im nächsten Jahr tagtäglich beschäftigen", sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar. "Die deutsche Wirtschaft kann sich der im Euroraum ausbreitenden Rezession nicht entziehen." Die Nachfrage aus den Euroländern sei bereits kräftig gesunken - und die "Verunsicherung durch die Eurokrise" bleibe bestehen. Der Konjunkturexperte des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Kai Carstensen, sagte, "es kann jederzeit zu einer erneuten Eskalation kommen". Carstensen befürchte, "dass wir in einem Jahr noch mehr Rettungsmechanismen etabliert sehen werden und Eigenverantwortung noch weniger gilt als bisher".

Hohes Pleitrisiko bei Logistik, Druck und Bau

Das insgesamt magere Wirtschaftswachstum wird einige Branchen hart treffen. Speditionen und Logistikunternehmen haben nach Einschätzung des Kreditversicherers Euler Hermes 2013 das größte Pleiterisiko. Voraussichtlich müssen demnach 22 von 1000 Unternehmen mit einer Insolvenz rechnen. Auf den Plätzen zwei und drei der Branchen mit dem höchsten Pleiterisiko 2013 liegen die Druckindustrie und das Baugewerbe.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 13:30 Uhr Länderreport

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Tarifeinheitsgesetz"Jetzt beginnt Kampf um Mitglieder"

Ex-Innenminister Gerhard Baum sitzt in einem Sessel in der Talkshow "Günther Jauch" im September 2013 (Imago/Müller-Stauffenberg)

Als verfassungswidrig bezeichnet Gerhard Baum das neue Gesetz zur Tarifeinheit. Künftig entscheide in Betrieben die Mehrheit, sagte der Ex-Bundesinnenminister, der als Anwalt die Pilotenvereinigung Cockpit vertritt. Kleinere Gewerkschaften könnten keinen Arbeitskampf mehr führen.

BuchhandelSelf-Publishing als Talentschmiede

Self-Publishing als Probebühne (©istock/shironosov)

Unternehmer-Autoren bringen Verlage durchaus ins Schwitzen, sagt Michael Döschner, der als Verlagsleiter für Elektronisches Publizieren beim Droemer Knaur Verlag die E-Book-Sparte ausgebaut hat.

Foodwatch-BerichtIch wollt, ich wär kein Huhn

Esst ihr gern Eier? Eine "1" steht für Freilandhaltung, die "2" für Bodenhaltung und die "O" für Bio-Haltung. Dass es den "O"-Hühnern am besten geht, sollte man denken. Stimmt aber leider nicht, sagt ein neuer Bericht der Organisation Foodwatch.

TarifeinheitsgesetzLinnemann fordert Streikankündigungfristen

Carsten Linnemann (CDU), Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, spricht in Köln beim Bundesparteitag der CDU (pa/dpa/Kappeler)

Carsten Linnemann von der Unions-Mittelstandsvereinigung kritisiert das geplante Tarifeinheitsgesetz. Es fehlten Rahmenbedingungen für Streiks - und eine Ankündigungsfrist. 

Grundrechte-Report 2015Massenüberwachung ist nicht abstrakt

Eine Überwachungskamera an der BND-Zentrale in Berlin. (imago/Ralph Peters)

Chaos-Computer-Club-Sprecherin Constanze Kurz fordert ein neues Nachdenken über die Arbeit der Geheimdienste. Massenüberwachung sei nicht abstrakt sondern konkret. Kurz stellt am Freitag den aktuellen Report über den Umgang mit den Grundrechten in Deutschland vor.

FinanzkriseVon Monstern und monströsen Organisationen

Finanzzentrum City of London mit 30 St Mary Axe Hochhaus (the Gherkin) (Daniel Kalker, dpa picture-alliance)

In "Unter Bankern" versucht der niederländische Autor Joris Luyendijk die Finanzwelt von innen heraus auszuleuchten. Die Gefahr einer neuen Krise sei nicht gebannt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundestag  Tarifeinheitsgesetz verabschiedet | mehr

Kulturnachrichten

Gurlitt-Erbe bringt Bern rote Zahlen  | mehr

Wissensnachrichten

Klimawandel  Antarktisches Inlandeis schmilzt viel schneller als erwartet | mehr