Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Militärische Ehren und wütende Demonstranten

Kanzlerin Merkel lobt Reformanstrengungen

Proteste vor dem Parlamentsgebäude in Athen
Proteste vor dem Parlamentsgebäude in Athen (picture alliance / dpa / Orestis Panagiotou)

Beim Besuch der Bundeskanzlerin in Athen demonstrierten Angela Merkel und Regierungschef Antonis Samaras Harmonie. Ganz anders sah es auf den Straßen der griechischen Hauptstadt aus, wo Zehntausende gegen Merkel protestierten.

Medienberichten zufolge versammelten sich auf dem Syntagma-Platz vor dem Parlament rund 40.000 Demonstranten. Gewerkschaften und die radikale Linke hatten zu der Protestkundgebung aufgerufen, die weitgehend friedlich verlief und auf der auch der deutsche Linken-Chef Bernd Riexinger sprechen wollte - die Rede wurde dann aber aus unbekannten Gründen abgesagt. "Die Politik ist insgesamt nicht in Ordnung", sagte Riexinger im Deutschlandfunk. "Wir verschonen in der Tat die Millionäre und Milliardäre, während hier die armen Leute nicht mehr wissen, wie sie überleben sollen", so Riexinger. Er forderte ein funktionierendes Steuersystem und Vermögensabgaben für Milliardäre.

7000 Polizisten im Einsatz

Es kam auch zu gewaltsamen AusschreitungenEs kam auch zu gewaltsamen Ausschreitungen (picture alliance / dpa / Orestis Panagiotou)Die Bundeskanzlerin wurde am Mittag am Flughafen von Ministerpräsident Antonis Samaras mit militärischen Ehren empfangen. Große Teile des Stadtzentrums waren gesperrt. Rund 7000 Polizisten waren wegen Merkels Besuch im Einsatz. Am Rande einer friedlichen Kundgebung kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, die Tränengas und Schlagstöcke einsetzte. Mehrere Personen wurden festgenommen.

Ob die Polizisten morgen noch Arbeit haben, wissen sie nicht, denn der gesamte Staatsdienst soll rigoros verkleinert werden. Dass dieser Spar- und Reformkurs eingehalten wird, dafür wollte Merkel bei Regierungschef Antonis Samaras und Staatspräsident Karolos Papoulias werben.

Deutschland unterstützt Griechenland bei Verwaltungsaufbau

Harmoniedemonstration in schwierigen Zeiten: Bundeskanzlerin Merkel und der griechische Regierungschef SamarasHarmoniedemonstration in schwierigen Zeiten: Bundeskanzlerin Merkel und der griechische Regierungschef Samaras (picture alliance / dpa / Thanassis Stavrakis Pool)Nach dem Treffen mit Samaras lobte Merkel die griechischen Reformanstrengungen. Ein großes Stück des Weges sei zurückgelegt. Den griechischen Bürgern werde viel abverlangt, ohne Einschnitte würden die Probleme aber noch dramatischer. Merkel versprach, dass Deutschland auf dem schwierigen Weg "ein guter Partner und Freund" sein werde und sagte: "Ich wünsche mir, dass Griechenland in der Eurozone bleibt".

Zugleich sagte sie Griechenland weitere finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von Reformen zu. Dabei gehe es um den Aufbau der regionalen Verwaltung und um Verbesserungen im Gesundheitswesen. Die zwei unter deutscher Betreuung stehenden EU-Projekte könnten mit einem Volumen von 30 Millionen Euro starten.

Samaras zeigte sich überzeugt, dass sein Land mit europäischer Hilfe die Krise überwinden könne. Er sei sicher, dass die Eurogruppe seinem Land helfen werde. Griechenland werde keine weitere finanzielle Unterstützung verlangen. Samaras sagte aber auch, er habe der Bundeskanzlerin deutlich gemacht, dass das griechische Volk für diese Reformen blute. Merkel bezeichnete er als "einen Freund dieses Landes" - sie habe ihren Respekt für die Opfer des griechischen Volkes ausgedrückt.

Proteste gegen Sparkurs und Reformen

"Frau Merkel get out" - "Frau Merkel raus" fordern diese Demonstranten in Athen"Frau Merkel get out" - "Frau Merkel raus" fordern diese Demonstranten in Athen (picture alliance / dpa / Simela Pantzartzi)Viele Griechen jedoch haben die Kanzlerin zur Persona non grata erklärt. Merkel wird auf Protestplakaten mit Hitler verglichen, die griechische Liebesgöttin Aphrodite zeigt ihr den Stinkefinger.

Griechenland steckt das fünfte Jahr in Folge in einer tiefen Rezession. Als Ausweg soll das Mitglied der Eurozone noch mehr Geld einsparen, neben dem Stellenabbau im öffentlichen Dienst auch bei Renten und Beamtenbesoldung. Das neue Sparpaket hat ein Volumen von 13,5 Milliarden Euro. Nur wenn dies umgesetzt wird, bekommt Athen die nächste Tranche eines Notkredits. Das Geld kommt von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds (IWF), der sogenannten Gläubigertroika.

Krichbaum (CDU): Griechenland hat 50 Milliarden Steueraußenstände

Griechenland müsse "seine Hausaufgaben abarbeiten", sagte der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum (CDU), im Deutschlandfunk. "Es kann nicht sein, dass Geld nach Griechenland fließt, wenn die ihm eigentlich zustehenden Steuern nicht eingetrieben werden." Das Bundesfinanzministerium habe seine Hilfe angeboten, eine funktionierende Steuerverwaltung aufzubauen. Griechenland habe derzeit Steueraußenstände von mehr als 50 Milliarden Euro. Das Land habe jahrelang über seine Verhältnisse gelebt habe, was sich nun räche, sagte Krichbaum. Die Demonstrationen gegen Merkel in Athen dürften nicht überbewertet werden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:07 Uhr Konzertmomente

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EU-Gipfel in Brüssel"Putin will russisches Reich wieder"

Der FDP-Spitzenkandidat für die Europawahl, Alexander Graf Lambsdorff

Für Wladimir Putin sei die russische Reichsidee nach wie vor sehr lebendig, sagte der Vizepräsident des Europaparlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), im DLF. Mit seinem Vorgehen wolle Putin das russische Imperium wieder errichten.

Christin HenkelDie Erfinderin des Kla-ka-sons

Sie kommt aus Thüringen, hat keine Angst vor C-Dur - dafür aber auch keine Lust auf den typisch deutschen Betroffenheitspop. Christin Henkel ist die Erfinderin des Kla-ka-sons, des Klavier-kabarettistischen-Chansons. Und sie singt und plaudert bei DRadio Wissen.

KrimFreie Betten, günstige Preise

Im Juni 2014 baden Touristen auf der Krim im Schwarzen Meer.

Seit die Krim zum russischen Staatsgebiet gehört, bleiben die Touristen aus der Ukraine weg. Die russischen Gäste fühlen sich dafür umso wohler. In den Hotels möchte aber keiner über Politik sprechen.

FDP in OstdeutschlandEine Partei, die keiner mehr braucht

Der neue FDP-Chef Christian Lindner direkt nach seiner Wahl.

Wenn am Sonntag der Sächsische Landtag neu gewählt wird, muss die FDP fürchten, auch im letzten Bundesland ihre Regierungsverantwortung zu verlieren. Die Partei vermittle den Eindruck, nicht mehr gebraucht zu werden, kommentiert Dirk Birgel von den Dresdner Neuesten Nachrichten im DLF.

Deutsch-polnisches VerhältnisBelastungsprobe Ukraine-Krise

Polens Präsident Komorowski im Gespräch mit Margarete Wohlan

Die deutsch-polnischen Beziehungen waren noch nie so gut wie heute. Doch die Ukraine-Krise könnte das gute Verhältnis stören. So erkennen polnische Publizisten in der Sicht auf die Ukraine-Krise eine zunehmende Spaltung zwischen Warschau und Berlin.

OasisAb nach oben

Unzählige Abende an den Lagerfeuern dieser Welt wären anders verlaufen, gäbe es da nicht die Band Oasis mit ihrem Dauerbrenner "Wonderwall". Heute vor 20 Jahren erscheint das Debütalbum "Definitely Maybe", das schnell die Charts erklimmt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU bereitet neue Sanktionen  gegen Moskau vor | mehr

Kulturnachrichten

Ukraine-Krise:  Gold von der Krim bleibt in Amsterdam | mehr

Wissensnachrichten

China  Online-Beziehungsservice liegt im Trend | mehr