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Militärschlag des Westens gegen Syrien rückt näher

Weißes Haus: Obama entscheidet diese Woche

Bald im Visier der USA? Soldaten der syrischen Armee, hier während einer Patrouille nahe Damaskus (picture alliance / dpa / Sana / Handout)
Bald im Visier der USA? Soldaten der syrischen Armee, hier während einer Patrouille nahe Damaskus (picture alliance / dpa / Sana / Handout)

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff bei Damaskus bringen sich Amerikaner, Briten und Franzosen für einen Militäreinsatz in Stellung. Die UNO sorgt sich um die syrische Zivilbevölkerung.

Die US-Armee stehe zum Angriff bereit und warte auf den Befehl von Präsident Barack Obama, sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel gestern in Washington. Noch in dieser Woche werde eine Entscheidung fallen, kündigte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, an. Allerdings ziele ein Militäreinsatz nicht auf einen Umsturz ab - es gehe allein um eine Reaktion auf den Giftgasangriff. Washington sieht das Assad-Regime in der Verantwortung für den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz nahe Damaskus.

Die wahrscheinlichste Variante eines Militärschlags ist nach Angaben aus US-Regierungskreisen ein Angriff mit Mittelstrecken-Raketen auf militärische Ziele in Syrien - etwa Waffenlager, Kommandozentralen sowie Radaranlagen und Kommunikationseinrichtungen. Abgefeuert werden könnten sie von vier US-Zerstörern im östlichen Mittelmeer. Ausgenommen bleiben dürften aber die Lager für chemische Kampfstoffe, um eine großflächige Freisetzung der Gifte zu verhindern.

USA: Beweise noch diese Woche

Die US-Regierung will noch diese Woche offiziell genaue Beweise dafür vorlegen, dass syrische Truppen für den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff mit Hunderten Toten am Mittwoch nahe Damaskus verantwortlich waren. Parallel ist dort weiterhin ein Team von UNO-Inspekteuren unterwegs, um Beweise zu sammeln und Zeugen zu befragen.

Großbritannien, Frankreich und die Türkei wollen Washington nach eigenem Bekunden unterstützen - vor Donnerstag werden Angriffe allerdings nicht erwartet. Der britische Premierminister David Cameron hat das Parlament für diesen Tag zu einer Sondersitzung zusammengerufen. Er hält eine militärische Antwort auf den Giftgasangriff für dringend notwendig - doch in der Opposition herrscht Skepsis, berichtet unser Korrespondent Jochen Spengler aus London.

Frankreich und Türkei: "bereit"

Versammlung der Arabischen Liga im Juni 2013 (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)Sieht das Assad-Regime in der Verantwortung: Die Arabische Liga (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)Auch Frankreichs Präsident François Hollande signalisierte Unterstützung und kündigte an, sein Land sei bereit, "jene zu bestrafen, die Unschuldige mit Gas getötet haben". Der französische Verteidigungsrat tritt heute in Paris zusammen.

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu erklärte, sein Land sei bereit, auch ohne UN-Mandat in einer Allianz gegen Assad "seinen Platz einzunehmen". Wie unser Korrespondent Thomas Bormann berichtet, sieht die Regierung in Ankara den wachsenden Einfluss militanter Kurden im Norden Syriens mit Sorge - sie fürchtet, aus dem Chaos könne ein neuer Kurdenstaat erwachsen.

Die 22 Staaten der Arabischen Liga machten die syrische Regierung ebenfalls für die Giftgasattacke verantwortlich und forderten, die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Bei dem Angriff sollen vorige Woche hunderte Menschen getötet worden sein. Die syrische Opposition schätzt die Opferzahl sogar auf 1300. Die UNO-Inspekteure haben sich bislang noch nicht mit Erkenntnissen dazu gemeldet.

UNHCR: Syrien "am Rand des Abgrunds"

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen stellt sich angesichts möglicher Militärschläge gegen Syrien auf steigende Flüchtlingszahlen ein. UNHCR-Chef Antonio Guterres rief in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP alle Nachbarstaaten auf, ihre Grenzen für Flüchtlinge weiter offen zu halten. Syrien stehe "am Rand des Abgrunds". Laut UNO sind seit Ausbruch des Bürgerkriegs im Frühjahr 2011 rund 100.000 Menschen getötet worden.


Mit den Vorbereitungen für einen Syrien-Einsatz befassen sich auch die Kommentare in der aktuellen Presseschau.So lautet die Einschätzung des "Tages-Anzeigers" aus Zürich:

"Die Rhetorik der Amerikaner, Briten und Franzosen lässt wenig Raum für Zweifel. Es ist einer dieser Momente, in denen es kaum ein Zurück gibt. Der Westen steuert auf eine militärische Intervention gegen Syriens Regime zu. Die Militärs gehen die Optionen durch, und die Politiker müssen das skeptische Publikum auf eine Kehrtwende gegenüber Syrien vorbereiten."

Mehr zum Thema auf dradio.de:
Obama erwägt offenbar kurzen Militärschlag gegen Syrien - US-Medien: Zweitägige Angriffe mit Marschflugkörpern möglich
Westliche Staaten erwägen Militärschlag gegen Assad - Russland warnt vor Intervention in Syrien
Chronologie: Bürgerkrieg in Syrien - Eckpunkte des Aufstands

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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