Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Milliarden für Afghanistan bis zum Militärabzug

Deutschland sagt Kabul 430 Millionen Euro pro Jahr zu

Afghanistans Präsident Karsai und Außenminister Westerwelle bei der Geberkonferenz in Tokio (picture alliance / dpa / Everett Kennedy Brown)
Afghanistans Präsident Karsai und Außenminister Westerwelle bei der Geberkonferenz in Tokio (picture alliance / dpa / Everett Kennedy Brown)

Zehntausende NATO-Soldaten werden bis 2015 aus Afghanistan abgezogen. Bis dahin hat die internationale Staatengemeinschaft dem kriegsgeschundenen Land zugesagt, seinen Wiederaufbau mit mehr als 13 Milliarden Euro zu unterstützen. Das Geld ist an politische Bedingungen geknüpft.

Die Internationale Schutztruppe ISAF ist in Afghanistan mit mehr als 120.000 Soldaten im Einsatz. Im Stimmenkampf um seine Wiederwahl im Herbst versprach US-Präsident Barack Obama den Abzug von 23.000 Soldaten bis zum Ende des Sommers. Die Bundeswehr plant ihren kompletten Rückzug für Ende 2014, die Briten ein paar Monate später. Die ISAF-Mission war für Frieden angetreten. Doch davon ist das asiatische Land weit entfernt. Die Mission sei gescheitert, sagte Bundeswehr-General a.D. Harald Kujat, der dem NATO-Militärausschuss vorsaß.

Auf einer internationalen Geberkonferenz in Tokio hat die afghanische Regierung um Präsident Hamid Karsai nun massive Finanzhilfe zugesagt bekommen. Für die vier Jahre bis einschließlich 2015, wenn die letzten Kampftruppen das Land verlassen, sind insgesamt mehr als 16 Milliarden US-Dollar (derzeit 13 Milliarden Euro) vorgesehen. Deutschland beteiligt sich daran mit 430 Millionen Euro pro Jahr. Das ist die gleiche Summe wie bisher.

Bedingungen für Milliardenhilfe

In Kabul sind das Diplomatenviertel und das Parlament Ziele von Anschlägen geworden (picture alliance / dpa / Jalil Rezayee)Soldaten der internationalen ISAF-Truppe in Kabul (picture alliance / dpa / Jalil Rezayee)"Wir stellen nicht nur Gelder zur Verfügung für den Aufbau Afghanistans, sondern wir verlangen auch etwas", betonte Außenminister Gudio Westerwelle (FDP). Im Gegenzug für die Milliardenhilfe verpflichtet sich Kabul unter anderem zu einer besseren Regierungsführung, Finanzreformen, freien Wahlen in den Jahren 2014 und 2015 sowie einem verstärkten Kampf gegen Korruption und Drogen.

Der Anbau von Opium, das zu Heroin weiterverarbeitet wird, hatte sich während des Krieges in dem Land am Hindukusch zeitweise verdoppelt. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International belegt Afghanistan Platz 180 von 184 Ländern. Korruption unterlaufe die Effizienz der internationalen Hilfen, sagte Präsident Karsai vor den Delegierten aus 70 Geber- und Nachbarländern. Es bedürfe noch "viele Jahre" harter Arbeit, bevor Afghanistan Selbstständigkeit erreiche.

Neue diplomatische Marschroute

Die Geldgeber sprachen von einem "Paradigmenwechsel" bei der Entwicklungshilfe für das Land. "Die Fähigkeit der Internationalen Gemeinschaft, die Unterstützung für Afghanistan aufrecht zu erhalten, ist davon abhängig, ob die afghanische Regierung ihre Verpflichtungen als Teil dieser erneuerten Partnerschaft erfüllt", heißt es in der Abschlusserklärung. Die USA hatten Afghanistan zu einem wichtigen Verbündeten erklärt.

Die Konferenzteilnehmer bekannten sich erneut zu einem Friedensprozess mit den Taliban. Dafür müssten diese jedoch der Gewalt abschwören, sich zur afghanischen Verfassung bekennen und sich vom internationalen Terrorismus lossagen. Die Staatengemeinschaft trat der Befürchtung der Afghanen entgegen, nach 2014 alleine gelassen zu werden.

In der afghanischen Provinz Kandahar wurden unterdessen mindestens 14 Zivilisten durch zwei Sprengsätze getötet. Unter den Opfern sind nach Polizeiangaben Frauen und Kinder. Bei einem Anschlag auf einen Kontrollpunkt der Sicherheitskräfte in der Provinz Helmand wurden 20 Aufständische und fünf Polizisten getötet. Kandahar und Helmand sind Hochburgen der radikalislamischen Taliban.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Gottesdienst

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Aarhus-Projekt Dänemarks Umgang mit jungen Islamisten

Menschen erinnern am 14. Februar 2016 mit einer Lichterkette an die Anschläge vor einem Jahr in Kopenhagen. (dpa / picture alliance / Claus Bech)

Dialog und harte Hand - so beschreibt der Bürgermeister der dänischen Stadt Aarhus das erfolgreiche Projekt, Syrien-Rückkehrern die Chance zu geben, zurück in ein normales Leben zu finden. Gemeinsam mit muslimischen Mentoren geht die Polizei mit den islamistischen Extremisten in den Dialog.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

Kritik zum Katholikentag"Die christlichen Kirchen werden massiv privilegiert"

Teilnehmer der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) haben sich am 24.05.2016 in der Kongresshalle in Leipzig (Sachsen) versammelt. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)

Staat und Kirche müssten konsequenter getrennt werden, fordert der konfessionslose Jurist Maximilian Steinhaus anlässlich des Katholikentages. Die Gesellschaft sei so vielfältig, dass der Staat die unterschiedlichen Weltanschauungen gar nicht gerecht fördern könne.

LandwirtschaftAntibiotika kurbeln Produktion von Treibhausgasen an

Rinder in einem Stall in Deutschland. (imago stock&people)

Antibiotika werden in der Landwirtschaft nicht nur bei Krankheiten von Nutztieren verabreicht, sondern auch als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt. Forscher warnen immer wieder davor, dass so antibiotikaresistente Krankheitserreger entstehen. Aber es gibt wohl noch einen weiteren Nebeneffekt.

TV in Russland Sex, Klatsch und viel Propaganda

 Russlands prominente Sex-Beraterin im Fernsehen: Anfisa Chekhova. (imago)

Das russische Fernsehen ist weitgehend unter staatsnaher Kontrolle. Aber anders als zu Sowjetzeiten, als staatstragende Medien öde und langweilig waren, wird die Propaganda heute in beliebte Unterhaltung verpackt - die einen großen Teil der Bevölkerung erreicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

G7  EU dringt auf Schutz vor billigen Stahlimporten aus China | mehr

Kulturnachrichten

Architektur-Biennale beginnt für Fachpublikum  | mehr

Wissensnachrichten

Archäologie  Fernbeziehungen gab es schon vor 5000 Jahren | mehr