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Milliardenschaden durch Hochwasser

Regierung und Opposition versprechen Flutopfern Hilfen

Ein Ferienhaus in Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern), während und vor der Flut (dpa / Jens Büttner)
Ein Ferienhaus in Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern), während und vor der Flut (dpa / Jens Büttner)

Versicherer schätzen, dass die Kosten des Hochwassers in Ost- und Süddeutschland höher liegen als bei der Jahrhundertflut an Elbe und Oder vor elf Jahren. Regierung und Opposition signalisieren umfassende finanzielle Hilfe.

Das Hochwasser an deutschen Flüssen könnte die Versicherungsbranche nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch bis zu drei Milliarden Euro kosten. Der volkswirtschaftliche Schaden dürfte sich insgesamt sogar auf rund zwölf Milliarden Euro belaufen, teilte das Unternehmen in Frankfurt mit. Davon müsse die Versicherungsbranche voraussichtlich 2,5 bis 3 Milliarden Euro tragen. Den Großteil der Belastungen erwartet Fitch bei den Versicherungen für Gebäude, Hausrat und Autos. Betroffene Unternehmen dürften zudem ihre Versicherungen gegen Betriebsausfälle in Anspruch nehmen.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet mit mehr Kosten als bei der Jahrhundertflut an Elbe und Oder im Jahr 2002. "Wir müssen davon ausgehen, dass der Schaden durchaus höher sein kann", sagte GDV-Präsident Alexander Erdland. Das Hochwasser 2002 hatte die Branche 1,8 Milliarden Euro gekostet.

Politik stellt Milliardenhilfe in Aussicht

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zufolge sind vor allem kleine und mittlere Firmen vom Hochwasser betroffen. Sie müssten sich aber keine Sorgen machen: Man könne immer mit der Hausbank über die Stundung von Kreditzinsen und Tilgungen reden. Zudem könnten geschädigte Firmen von Finanzhilfen der Staatsbank KfW profitieren. Rösler plädierte dafür, die Opfer des Hochwassers durch einen Fluthilfefonds zu unterstützen. Dieser solle zu gleichen Teilen von Bund und Ländern gefüllt werden, sagte er im Inforadio des RBB. Die genaue Höhe der Hilfszahlungen ließe sich aber erst beziffern, wenn das Hochwasser zurückgegangen sei.

Die Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland für die Hochwasser-Opfer schätzte der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, Burkhard Wilke, im Deutschlandfunk-Interview noch als ausbaufähig ein. Das Interesse sei noch relativ gering im Vergleich zum Jahr 2002. Damals kamen 350 Millionen Euro aus privaten Spenden zusammen - ein beträchtlicher Teil schon in den ersten Tagen. Wilke rät bei unbekannten Organisationen allerdings zur Vorsicht: "Sobald man die Organisation nicht kennt, ist der Blick auf www.dzi.de immer der richtige, sichere Weg." Dort gebe es eine Liste mit seriösen und unseriösen Spendenorganisationen.

Bereits gestern hatte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gefordert, ähnlich wie bei den Überschwemmungen 2002 einen Fluthilfefonds zu schaffen, den Bund und Länder jeweils zur Hälfte finanzieren sollten. Damals sei er mit sieben Milliarden Euro ausgestattet gewesen. Auch die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, forderte Bund, Länder und Gemeinden auf, Hilfe von mehreren Milliarden Euro aufzubringen.

Merkel zum dritten Mal im Hochwassergebiet

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auf einem Elbdeich (dpa / Axel Heimken)Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) auf einem Elbdeich (dpa / Axel Heimken)Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die gestern zum dritten Mal in die Hochwassergebiete gereist war, versprach unbürokratische Hilfe. Im brandenburgischen Wittenberge machte sie deutlich, dass der Bund es nicht bei 100 Millionen Euro Soforthilfe bewenden lasse: "Wir wissen natürlich, dass die Schäden in die Milliardenhöhe gehen werden." Für Donnerstag kündigte Merkel Gespräche mit den Ministerpräsidenten der betroffenen Länder an.

In Wittenberge zeigte sich die Bundeskanzlerin angetan vom Engagement der Freiwilligen. "Wenn so oft über unsere Jugendlichen mal das Gesicht verzogen wird, in solchen Tagen sieht man, das sind tolle junge Menschen und das Land steht zusammen." Steinbrück betonte indes, er sei bislang "sehr gezielt" nicht in die Hochwassergebiete gereist: "Die Menschen brauchen keinen Polittourismus." Wenn die Betroffenen das Ärgste überstanden hätten, werde er einen Weg finden, um mit ihnen über die bestmögliche Unterstützung zu sprechen.

Mehr Informationen auf dradio.de:

Hilfe für Hochwassergeschädigte vom Fiskus - Kosten können von der Steuer abgesetzt werden
"Dramatisches Wochenende" in Magdeburg -Zehntausende müssen vor dem Hochwasser fliehen
Elbhochwasser: Lauenburger Altstadt evakuiert - Schienensperrungen beeinträchtigen Bahnverkehr

Weiterführende Informationen:
Spendenkonten Hochwasser 2013

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:12 Uhr

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