Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mindestens ein Deutscher unter den Toten der Costa Concordia

Hoffnung auf Überlebende des Schiffsunglücks schwindet

Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" liegt in Schräglage nahe der Insel Giglio vor der toskanischen Küste. (picture alliance / dpa / Peter Mayer)
Das Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" liegt in Schräglage nahe der Insel Giglio vor der toskanischen Küste. (picture alliance / dpa / Peter Mayer)

Mindestens ein Deutscher ist bei der Schiffskatastrophe vor der Küste Italiens getötet worden. Taucher haben indes fünf weitere Leichen aus dem Rumpf des havarierten Luxusliners geborgen. Die Zahl der Toten steigt damit auf elf.

Auch die Zahl der Vermissten korrigierten die italienischen Behörden. Offiziell sind 28 Passagiere vermisst, darunter mindestens zwölf Deutsche, berichtete Stefan Troendle im Deutschlandfunk. Ob diese Passagiere noch an Bord sind, ist bisher unklar.

Die Rettungsarbeiten gehen seit dem Morgen weiter. Kampfschwimmer der italienischen Marine haben Löcher in die Außenhaut der Costa Concordia gesprengt. Hunderte Helfer aus Italien sind seit dem Unglück von Freitagnacht im Einsatz. Zusätzlich werden sie inzwischen von 20 holländischen Mitarbeitern einer Sicherheitsfirma unterstützt. Die Hoffnung, Überlebende zu finden, schwindet mit jeder Stunde. Dennoch könnten Menschen in Luftblasen überlebt haben. Das Schiff liege auf der rechten Seite und ist um 90 Grad gedreht, sagte Stefan Troendle im Deutschlandfunk. Hindernisse wie Teppiche oder Mobiliar behinderten die Rettungskräfte, hinzu komme das kalte Wasser, sodass die Taucher maximal eine Stunde an der Unglücksstelle suchen könnten. Viele Bereiche seien noch gar nicht erreichbar, da sie durch geschlossene Querwände versperrt seien. Die Helfer arbeiten ununterbrochen im Schichteinsatz.

Kapitän wollte Koch eine Freude machen

Inzwischen sei auch der Grund für das so nahe Manövrieren ans Ufer der Insel Giglio bekannt, so Troendle weiter. Nach italienischen Zeitungsberichten hätte der Kapitän dem Oberkellner, der von der Insel Giglio stammt, eine Freude machen wollen. Dieser sei sogar eigens auf die Brücke gerufen worden. Dieser habe noch eine Warnung ausgesprochen, dass man mit dem 300 Meter langen Luxusliner viel zu nah an den Felsen vorbeifahre.

Der Kapitän Francesco Schettini soll heute verhört werden. Der Mann sitzt in Untersuchungshaft. Ihm wird fahrlässige Tötung, Herbeiführung eines Schiffbruchs und das vorzeitige Verlassen des Unglücksschiffs vorgeworfen. Der ermittelnde Staatsanwalt Francesco Verusio bezeichnete bereits gestern die Lage des Kapitän als "ziemlich schwierig".

Angst vor Umweltkatastrophe

Neben der menschlichen Tragödie könnte sich auch eine Naturkatastrophe anbahnen. Die Tanks des langen Luxusliners sind mit rund 2400 Tonnen Dieselkraftstoff gefüllt. Sollten diese austreten, könnte das verheerende Auswirkung für die Küste der Provinz Grosseto haben. Das italienische Umweltministerium Corrado Clini hält vorsorglich Ölabsaugschiffe vor Ort bereit. Sobald die Suche nach Vermissten abgeschlossen sei, soll der noch in den Tank verbliebene Treibstoff abgepumpt werden, sagte Tilmann Kleinjung im Deutschlandradio Kultur. Ferner macht Clini Druck auf die Redereien. Er wolle bis morgen wissen, wie die Unternehmen sich den weiteren Umgang mit dem Treibstoff vorstellen. Dieses sei auch notwendig, da mit schlechterem Wetter gerechnet werde, so Carsten Kühntopp im Deutschlandfunk. Sollen in dieser Region große Mengen Öl austreten, könnte der Tourismus zunichte gemacht werden.

Unionspolitikerin fordert schärfere Sicherheitsmaßnahmen

Eine Möglichkeit, Schiffsunfälle wie bei der havarierten Costa Concordia zu vermeiden, sei die Reedereien zu mehr Sicherheit zu zwingen, sagte Marlene Mortler im Deutschlandfunk. Die tourismuspolitische Sprecherin der Union sagte weiter, dass es um Qualifikation des Führungspersonals gehe.

Kreuzfahrtwettbewerb wird härter

Die Havarie des Luxusliners Costa Concordia wird den US-Konzern Carnival rund 400 Millionen Euro kosten. Das Unternehmen, dem weitere 100 Kreuzfahrtschiffe gehören, wird von Branchenexperten zwar eine gute Sicherheitsbilanz bescheinigt, dennoch wird der Untergang den Umsatz des Konzerns bremsen, sagte Sabrina Fritz im Deutschlandradio Kultur.

Der Tourismusexperte Bernhard Jans geht davon aus, dass es bei einer möglichen nachlassenden Nachfrage für Kreuzfahrten eine "Auffangstrategien der Reedereien" geben werde. Reedereien werden mit günstigeren Aktionen, mit besonderen Aktionen an den Markt gehen, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Dennoch glaubt er nicht, dass das Unglück der Costa Concordia nachhaltig ein Interesse an Kreuzfahrten abschwächen werde.

An Bord des Schiffes waren rund 3200 Passagiere und Besatzungsmitglieder. Das Unglück von Freitagnacht ist nicht der erste Zwischenfall des Luxusdampfers. 2008 hatte das Schiff bei der Einfahrt in den Hafen von Palermo die Hafenbefestigung gerammt und war leicht beschädigt worden.


Mehr zum Thema:

Schifffahrtsexperte analysiert Kreuzfahrthavarie vor italienischer Küste
Bergungsexperten befürchten Umweltkatastrophe vor Italiens Küste
Costa Concordia: Sechstes Opfer tot geborgen
Es geht um die Qualifikation des Führungspersonals an Bord
Wittig: Ein Kapitän trägt die "ultimative Verantwortung" für ein Schiff
Kreuzfahrtexperte: Keine großen Auswirkungen auf Branche erwartet

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EEG-Reformgipfel"Die Deckelung ist durch nichts gerechtfertigt"

Der baden-württembergische Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). (dpa-Bildfunk / Philip Schwarz)

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller schlägt vor, den Anteil der Erneuerbaren Energien bis 2025 auf 50 Prozent anzuheben. Der Grünen-Politiker sagte im DLF, auch die geplante Deckelung der Windkraft an Land sei fragwürdig. Ebenso müsse der Netzausbau besser vorankommen. Bund und Länder wollen heute Abend über den Ausbau von Ökostrom beraten.

Debatte um Gauland-Äußerungen Sich weltoffen geben, Vorurteile pflegen

Deutsche Fußballfans zeigen vor Spielbeginn ein Plakat mit der Aufschrift "Jerome zieh neben uns ein" beim Länderspiel Deutschland - Slowakei in der WWK-Arena in Augsburg (Bayern). (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Einige Leute führen zwar gerne große Worte von Weltoffenheit im Munde, entpuppen sich aber voller Vorurteile, wenn beispielsweise ein Flüchtlingsheim in ihrer Nachbarschaft gebaut werden soll. Mit diesem Phänomen beschäftigt sich der Soziologe Armin Nassehi.

NahrungsmittelFrisch oder abgepackt: Was ist leckerer?

Welche Dinge des alltäglichen Küchengebrauchs darf ich auch mal aus der Dose kaufen und welche nicht? Es gibt große Unterschiede, sagt unsere DRadio-Wissen-Küchenfee Tina Kießling.

Kritik am "Milchgipfel""Die Verbraucher können gar nichts tun"

Der stellvertretende Geschäftsführer der Organisation Foodwatch, Matthias Wolfschmidt, auf einem Bild aus dem Jahr 2012. (imago / Metodi Popow)

Millionenhilfen der Politik und im Laden die teurere Milch: Die Maßnahmen und Vorschläge der Bundesregierung brächten gar nichts, sagte Matthias Wolfschmidt von der Verbraucherorganisation Foodwatch im DLF. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt erwecke nur den Anschein, den Landwirten helfen zu wollen.

Nato und RusslandDer Westen schafft eine neue militärische Front

Die Teilnehmer des Außenminister-Treffens der NATO-Länder sitzen im NATO-Hauptquartier in Brüssel zusammen. (picture alliance / dpa / EPA)

Die Nato rücke immer dichter an die europäischen Grenzen Russlands. Dadurch breche sie Vereinbarungen mit Moskau und schaffe eine neue militärische Front wie zu Zeiten des Kalten Krieges, warnt der Hamburger Friedensforscher Reinhard Mutz.

Erster WeltkriegVor 100 Jahren begann die Schlacht am Skagerrak

Ein deutsches Großkampfschiff beim Abfeuern einer Breitseite während der legendären Schlacht von Skagerrak Mai/Juni 1916. (dpa)

Es war die schwerste Auseinandersetzung auf hoher See im Ersten Weltkrieg: Skagerrak-Schlacht – unter diesem Namen kennt man sie in Deutschland. Die Briten sprechen von der "Schlacht von Jütland". 8.500 Seeleute kamen damals ums Leben, vor allem Briten. Heute vor 100 Jahren fiel der erste Schuss. Zu den offiziellen Gedenkfeiern wird auch Bundespräsident Joachim Gauck reisen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Armut  Sozialverbände fordern Grundsicherung für Kinder | mehr

Kulturnachrichten

EuGH: Gema-Gebühren auch für Rehazentren  | mehr

Wissensnachrichten

Regel-Studienzeit  Offenbar kaum zu schaffen | mehr