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Ministerpräsidentin Kraft legt Sauerland indirekt Rücktritt nahe

Duisburger Oberbürgermeister weist Mitschuld erneut zurück

Gedenken an die Todesopfer bei der Loveparade (AP)
Gedenken an die Todesopfer bei der Loveparade (AP)

Die nordrhein-westfälische Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) hat den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) wegen des Unglücks bei der Loveparade indirekt zum Rücktritt aufgefordert. Letztlich müssten sich Sauerland und die Zuständigen in der Stadtspitze der politischen Verantwortung stellen, sagte Kraft der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post".

Sie habe den Eindruck, dass der Oberbürgermeister glaube, er würde Schuld eingestehen, wenn er die politische Verantwortung übernähme. Diesen Zusammenhang gebe es aber nicht.

Die SPD-Politikerin fügte hinzu, künftig müssten Städte, die wenig Erfahrung mit Großveranstaltungen hätten, intensive Beratung und Hilfe in Sicherheitsfragen erhalten.

Sauerland wies eine direkte Mitschuld an dem Unglück erneut von sich. Persönliche Verantwortung könne es nur geben, wenn es zu ungerechtfertigten Eingriffen in den Prozess gekommen wäre. Diese habe es aber nicht gegeben, sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Er habe keine einzige Genehmigung für die Veranstaltung unterschrieben, sagte Sauerland der "Bild-Zeitung". Dies sei auch gar nicht der Job des Bürgemeisters.

Zunächst wolle er wissen, warum 21 Menschen ihr Leben verloren hätten. Danach werde er über persönliche Konsequenzen entscheiden.

"Verantwortung tragen, glaube ich, alle Beteiligten"

Für Herbert Schmalstieg, über 30 Jahre Oberbürgermeister von Hannover, ist es unerträglich, wie die Verantwortung für das Unglück bei der Loveparade hin- und hergeschoben wird. Eine Stadt von der Größenordnung Duisburgs müsse die entsprechenden Fachleute, um ein Sicherheitskonzept richtig beurteilen zu können, unterstreicht der SPD-Politiker.

NRW-Innenminister gibt Veranstalter die Schuld

Die Massenpanik bei der Loveparade ist nach Ansicht des nordrhein-westfälischen Innenministers Ralf Jäger maßgeblich auf Fehler des Veranstalters zurückzuführen. Das Sicherheitskonzept sei nicht eingehalten worden, sagte der SPD-Politiker auf der Pressekonferenz in Düsseldorf. Die Ausrichter der Großveranstaltung in Duisburg hätten die Verantwortung für das Gelände übernommen und die Polizei erst dann um Hilfe gebeten, als die Lage außer Kontrolle geraten sei.

Der Polizeiinspekteur des Landes, Dieter Wehe, ergänzte, die Zahl der Ordner habe nicht ausgereicht und das Festivalgelände sei zu spät geöffnet worden. Ferner seien Veranstalter und Stadtverwaltung von der Polizei vorher bereits auf Sicherheitsbedenken hingewiesen worden.

Der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, erklärte, der vorläufige Bericht werfe viele Fragen auf. Zugleich sicherte er der Staatsanwaltschaft Unterstützung bei ihren Ermittlungen zu. Der Justiz seien sämtliche Server des Veranstalters sowie das vollständige Videomaterial der sechs Kameras im Tunnel- und im Eingangsbereich übergeben worden, erklärte Schaller. Außerdem kündigte er einen Hilfsfonds für die Angehörigen der 21 Toten an.

Trauerfeier ohne OB

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (AP)Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (AP) Sauerland wird auch nicht an der geplanten Gedenkveranstaltung teilnehmen. Er wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", sagte ein Sprecher der Duisburger Stadtverwaltung. Auch Sicherheitsbedenken sollen zu der Entscheidung geführt haben: Gegen Sauerland soll es mehrere Morddrohungen gegeben haben.

An der Trauerfeier in der Duisburger Salvatorkirche Kirche werden am Samstag auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Christian Wulff teilnehmen.


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NRW-Innenminister erhebt schwere Vorwürfe gegen Loveparade-Veranstalter - SPD-Politiker Jäger: Vorgaben des Sicherheitskonzeptes wurden nicht umgesetzt

Kölner Polizei übernimmt Loveparade-Ermittlungen - Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

"Das Gelände war völlig ungeeignet" - Innenexperte der FDP im Düsseldorfer Landtag erhebt schwere Vorwürfe

"Wir haben da keine belastenden Hinweise" - Vorsitzender der Polizeigewerkschaft NRW über Sicherheitswarnungen vor der Loveparade

"Man kann sich einfach nicht hundertprozentig absichern" - Evakuierungsfachmann Tim Meyer-König über Sicherheit bei Großveranstaltungen

"Das ist eine Zäsur für unser Land" - Innenpolitischer Sprecher der SPD über das Unglück von Duisburg

"Genauso denken, genauso fühlen" - Sozialpsychologin über die Anziehungskraft von Massenveranstaltungen

"Es ist ein sehr ignorantes Verhalten" - Traumatherapeutin kritisiert Reaktion der Duisburger Verantwortlichen auf Katastrophe bei Loveparade

Tobias Rapp: Loveparade wird niemandem fehlen - Musikjournalist über das Ende der Großveranstaltung

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:37 Uhr

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