Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mircea Cartarescu bekommt Internationalen Literaturpreis

Rumänischer Autor erhält Auszeichnung vom Berliner Haus der Kulturen der Welt

Schreibt Bücher von "seltener Intensität und Leuchtkraft": Mircea Cartarescu (Zsolnay Verlag, Heribert Corn)
Schreibt Bücher von "seltener Intensität und Leuchtkraft": Mircea Cartarescu (Zsolnay Verlag, Heribert Corn)

Der Internationale Literaturpreis ehrt ausländische zeitgenössische Autoren, deren Bücher in deutscher Erstübersetzung erscheinen. Die Jury wählte den Roman "Der Körper" von Mircea Cartarescu. Der Mittelteil einer überbordenden Trilogie führt in das Rumänien der 50er- und 60er-Jahre.

Der 600-seitige Roman "Der Körper" ist der Mittelteil einer mehrere Tausend Seiten umfassenden Trilogie unter dem Titel "Orbitor". Bereits der erste Teil "Die Wissenden" wurde im Deutschlandradio Kultur als ein "Drogenrausch" zum Lesen gelobt.

"Elektrisierendes Kunstwerk"

Dem rumänischen Autor Mircea Cartarescu sei mit "Der Körper" ein fulminanter Roman und ein sprachlich elektrisierendes Kunstwerk von seltener Intensität und Leuchtkraft gelungen, lobte die Jury, der unter anderen die Schriftstellerin Ilma Rakusa, der Schriftsteller Hans Christoph Buch und die Literaturkritikerin Claudia Kramatschek angehören.

Im Mittelpunkt der überbordenden Trilogie steht der mit dem Autor namensgleiche Erzähler Mircea, eine Art Alter Ego. Der "Körper" handelt vom Künstler als Kind und jungem Mann, der in Bukarest in der elterlichen Wohnung Unterschlupf findet, als das Haus, in dem er lebt, abgerissen wird. Mit der erzwungenen Rückkehr kehren auch die Erinnerungen an seine Kindheit in den 50er-/60er-Jahren zurück und an seine Eltern, insbesondere aber die Mutter, nach der schon der kleine Junge "unentwegt auf der Suche war", beschreibt es der Büchermarkt im Deutschlandfunk.

Krönung eines großen Oeuvres

Die Trilogie krönt das Werk des 1956 in Bukarest geborenen Autors Mircea Cartarescu, der als wichtigster zeitgenössischer Schriftsteller Rumäniens gilt. Er lehrt an der Universität seiner Heimatstadt rumänische Literatur. Neben seinen Romanen veröffentlichte er auch zahlreiche Gedicht- und Erzählbände. Furore machte unter anderem sein Roman "Travestie" über einen Hermaphroditen und der Erzählungsband "Warum wir die Frauen lieben".

Die Preisverleihung findet am 6. Juni im Haus der Kulturen der Welt in Berlin statt. Cartarescu erhält 25.000 Euro. Ausgezeichnet wurden auch die Übersetzer Gerhardt Csejka und Ferdinand Leopold für ihre gemeinsame deutsche Erstübersetzung von "Der Körper" mit insgesamt 10.000 Euro.

Auf der sechs Buchtitel umfassenden Shortlist für den Internationalen Literaturpreis standen außerdem Jaume Cabrés "Das Schweigen des Sammlers", Nedim Gürsels "Allahs Töchter", Tom McCarthys "K" , Péter Nádas' "Parallelgeschichten" und Téa Obrehts "Die Tigerfrau".

Im vergangenen Jahr ging der Preis an den russischen Schriftsteller Michail Schischkin für "Venushaar" und den Übersetzer Andreas Tretner.

Programmhinweis: In "Fazit – Kultur vom Tage" hören Sie ab 23.05 Uhr in Deutschlandradio Kultur ein Gespräch mit einem Mitglied der Jury des Internationalen Literaturpreises. Die Sendung wird ab 0.05 Uhr im Deutschlandfunk wiederholt.

Am Samstag, 2. Juni, hören Sie um 17.30 Uhr in Deutschlandradio Kultur eine Lesung aus dem preisgekrönten Buch "Körper".

Links bei dradio.de:

Zauber und Schrecken der Kindheit <br> Mircea Cartarescu: "Der Körper", Zsolnay Verlag, München 2011, 607 Seiten

Ein Drogenrausch zum Lesen <br> Mircea Cartarescu: "Die Wissenden", Paul Zsolnay Verlag, Wien 2007, 527 Seiten

Fratzen der Pubertät <br> Mircea Cărtărescu, "Travestie", Roman, 172 Seiten *

Strömende Traumsucht <br> Mircea Cartarescu: "Nostalgia - Erzählungen", Suhrkamp Verlag 2009, 416 Seiten

Liebe in vielgestaltiger Form <br> Mircea Cartarescu: "Warum wir die Frauen lieben", Geschichten. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008, 176 Seiten

Link zum Thema:

Haus der Kulturen der Welt: Internationaler Literaturpreis 2012



Büchermarkt 2011-11-16 - Sinn und Erkenntnis <br> Mircea Cartarescu: "Der Körper", Paul Zsolnay Verlag *

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Marktplatz

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Lesart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Zum Tod von Philip Roth"Ein wirklich großer amerikanischer Autor"

Philip Roth, hier eine Aufnahme von 2006, starb im Alter von 85 Jahren.  (imago/ZUMA Press)

Unlaublich viel Wut, Sex und komische Familienszenen: Die Romane des verstorbenen US-Autors Philip Roth seien hohe Literatur mit großem Unterhaltungswert gewesen, sagt unser Literaturkritiker Kolja Mensing.

Facebook-Chef vor EU-Parlament"Zuckerberg hat im Grunde genommen keine Frage beantwortet"

Der Grünen-Europapolitiker Jan Philipp Albrecht auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Münster (imago / Sven Simon)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg habe es bei der Befragung durchs EU-Parlament verpasst, Vertrauen der europäischen Bürger zurückzugewinnen, meint der grüne EU-Abgeordnete Jan-Philipp Albrecht - ein wichtiger Beleg dafür, dass die EU stärker auf Regulierung setzen sollte, sagte er im Dlf.

Zum Tag des GrundgesetzesWir brauchen eine neue Aufklärung!

Optische Täuschung: Zwei Hände halten jeweils einen Engel und einen Teufel, die mit Kreide auf eine Tafel gezeichnet sind. (imago/Photocase)

Der 23. Mai ist der Tag des Grundgesetzes. Ein guter Anlass, über demokratische Errungenschaften nachzudenken. Der Philosoph und Publizist Christian Schüle nimmt die politische Großwetterlage in Augenschein.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Deutsche Bank  Massiver Stellenabbau bestätigt | mehr

Kulturnachrichten

China: Keine Auskunft zu Liu Xia  | mehr

 

| mehr