Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Missbrauch bei der Organspende vermeiden"

Reaktionen auf Zahlen zum beschleunigten Vergabeverfahren

Ein Organspender-Ausweis (picture alliance / dpa - Daniel Karmann)
Ein Organspender-Ausweis (picture alliance / dpa - Daniel Karmann)

Das öffentliche Vertrauen in die Organ-Vergabepraxis leidet. "Es trifft die völlig Falschen", findet der Kölner Transplantationsmediziner Dirk Stippel mit Blick auf die Patienten, die auf Spenderorgane warten. Die Bundesärztekammer ruft zum Notgipfel.

Nach den gestern bekannt gewordenen Zahlen zur "beschleunigten Vergabepraxis" von Organen an der offiziellen Warteliste vorbei, steht in Sachen Organspende ein Gesprächsmarathon bevor. Bundesärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery hat laut "Bild"-Zeitung für morgen ein Treffen mit der Stiftung Organtransplantation und anderen Experten einberufen. Für nächste Woche habe man Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr eingeladen. Bahr selbst hatte nach dem Organspendeskandal von Regensburg und Göttingen für den 27. August ein Gespräch im Ministerium anberaumt.

Gegenprüfung bei Vergabe-Entscheidungen

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (picture alliance / dpa / Bodo Marks)Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (picture alliance / dpa / Bodo Marks)Die Zeit drängt, denn Vertrauen ist ein kostbares Gut, wenn es um dringend benötigte Organe geht. Ziel sei ein neues Prinzip, um Missbrauch zu vermeiden, erklärte Montgomery, die Kontrollen müssten verbessert werden.

An Vorschlägen mangelt es nicht: Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, sprach sich gegenüber der Zeitungen "WAZ" dafür aus, die Vergabe unter staatliche Kontrolle zu stellen. Der Ärztliche Direktor des Berliner Charité-Krankenhauses, Ulrich Frei, schlug vor, dass die Vergabe-Entscheidungen stets von Experten eines zweiten Zentrums überprüft werden sollten.

Hospizstiftung fragt nach Privatpatienten

Gestern kam heraus, dass Spenderorgane zunehmend nicht über die offizielle Warteliste, sondern im sogenannten beschleunigten Verfahren vergeben werden. Dem Gesundheitsministerium zufolge gilt dies derzeit für etwa jedes vierte Herz und jede dritte Leber.

Die Deutsche Hospiz Stiftung verlangte Aufklärung, ob vor allem Privatpatienten von dem Schnellverfahren profitierten. Politiker von SPD, Grünen und Linken forderten eine Untersuchung. Die Stiftung Eurotransplant, die für die Vermittlung gespendeter Organe an die Empfänger-Patienten zuständig ist, erklärte dagegen, ohne die geltende Praxis wären viele Organe verloren gegangen.

Transplantationsmediziner Stippel fordert öffentlich nachvollziehbares Verfahren

"Es trifft die völlig Falschen", sagte Dirk Stippel, Leiter des Transplantationszentrums an der Uniklinik Köln über die öffentliche Debatte, die durch die Zahlen ausgelöst wurde. Stippel befürchtet, dass nun die Organspendebereitschaft in Deutschland weiter abnimmt. Nur wenn man "ein Verfahren findet, was öffentlich nachvollziehbar ist", sei dieser Vertrauensverlust zu stoppen. Die bestehende Grundstruktur der Trennung zwischen DSO (zuständig für Organisation der Warteliste), Eurotransplant (zuständig für die Vermittlung in sieben Ländern) und den Transplantationszentren (zuständig für die Operation) hält er dabei für sinnvoll.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 06:10 Uhr Informationen am Morgen

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 06:05 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 07:00 Uhr Early Bird

Aus unseren drei Programmen

Samenspende vom gefallenen SohnEltern kämpfen für ihr Recht auf ein Enkelkind

Irit und Asher Shahar an Omris Grab (Igal Avidan)

Seit der Staatsgründung 1948 starben in Israel über 23.000 Soldaten. Deren Eltern nennt man dort "verwaist". Zwei dieser Hinterbliebenen kämpfen um ein Enkelkind von ihrem während des Militärdienstes gefallenen Sohnes.

Wunschlisten vor SondierungsgesprächenDie finanzielle Spielraum ist enger als gedacht

Zahlreiche verschiedene Geldscheine. (dpa/picture-alliance/Daniel Reinhardt)

Wenn jetzt über die Bildung einer Regierungskoalition verhandelt wird, dann geht es auch darum, welche Steuern vielleicht gesenkt werden oder wo Ausgaben erhöht werden können. Wenn alle Ideen umgesetzt würden, könnten die Kosten bei bis zu 180 Milliarden Euro liegen - so viel Geld gibt es aber nicht.

Literaturscouts in New YorkAuf der Suche nach dem nächsten Bestseller

Buchladen in Williamsburg, Brooklyn, New York (imago/UIG)

Was sich in den USA verkauft, funktioniert meist auf der ganzen Welt. Also schicken Verlage Literaturscouts besonders nach New York, dem Mekka der nordamerikanischen und internationalen Literatur. Die Scouts haben feine Spürnasen und sind vor allem eines: schnell.

EU-Türkei-Beziehungen"Es gibt nichts Wichtigeres, als die Gesprächskanäle offenzuhalten"

CDU-Politiker und MdB Detlef Seif spricht im Bundestag am Mikrofon (dpa/picture alliance/Michael Kappeler)

Der CDU-Europapolitiker Detlef Seif begrüßt die Kürzung von Zahlungen an die Türkei durch die EU. Gleichzeitig warnt er davor, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei komplett abzubrechen. Man müsse im Dialog bleiben.

Skulptur "Domestikator" vom Atelier van LieshoutEin Kunstwerk sorgt für Empörung

Die Skulptur "Domestikator" des Künstlers Joep van Lieshout (imago / Emeric Fohlen)

Eigentlich sollte die Skulptur "Domestikator" während der Pariser Kunstmesse FIAC vor dem Louvre zu sehen sein. Das Museum verbot dies. Die Holzplastik sei eine "brutale Vision", hieß es von Seiten des Museums. Ein Skandal?

PsychologieWie Du bestimmst, was Du träumst

Eine junge Frau schläft (imago/stock&people/Westend61)

Australische Psychologen haben herausgefunden, was man tun kann, um die Chancen für sogenannte Klarträume zu erhöhen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Sondierung  Caspary(CDU): "Testen, ob man Jamaika hinbekommt" | mehr

Kulturnachrichten

Berliner East Side Gallery braucht Bildungsprogramm  | mehr

 

| mehr