Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mit Tempo 300 von Peking in den Süden

China nimmt neue Rekordbahn in Betrieb

Ende einer 2300 Kilometer langen Fahrt in Kanton (Guangzhou) (picture alliance / dpa)
Ende einer 2300 Kilometer langen Fahrt in Kanton (Guangzhou) (picture alliance / dpa)

Die längste Schnellzugstrecke der Welt verläuft seit heute in China. Nun kann man von Peking aus das 2300 Kilometer entfernte Kanton in acht Stunden erreichen. Bisher brauchten Reisende dafür 22 Stunden.

Bahnfahren in China ruft bei europäischen Besuchern gleichermaßen Kopfschütteln und Bewunderung hervor: In den Hauptbahnhöfen der größten chinesischen Städte herrscht ein Betrieb, gegen den die deutsche Rush-Hour zu einem Sonntagsspaziergang verblasst. Auch frischer Grüntee und intensiv riechendes Gemüse als Reiseproviant sind anderswo eher ungewöhnlich.

Seit heute kommt eine bemerkenswerte Bahn dazu. 2298 Kilometer sind es von der Hauptstadt Peking im Norden Chinas in die Millionenstadt Kanton (Guangzhou) an der Südküste. Wer die komplette Strecke mit dem Zug zurücklegen will, schafft das jetzt in acht Stunden – fast drei Mal so schnell wie bisher. Teile der Schnellstrecke waren schon in Betrieb, nun ist die längste zusammenhängende Hochgeschwindigkeitstrasse der Welt komplett. Eine Fahrkarte für die zweite Klasse kostet 865 Yuan, umgerechnet rund 105 Euro. Fünf Stopps legt der Zug unterwegs ein.

Mao-Symbolik zur Eröffnung

"Ich war vorher noch nie hier", erzählt ein Fahrgast, als der Premierenzug Shaoshan erreicht. Der Reisende ist begeistert, das mittelchinesische Städtchen ist der Geburtstort von Mao Zedong und als solcher ein bedeutendes Touristenziel. Dass Shaoshan einen Bahnhof bekommen hat, ist kein Zufall - ebenso wenig wie der Eröffnungstermin, der 26. Dezember. Mao, der von 1943 bis 1976 Vorsitzender Kommunistischen Partei Chinas war, wurde 1893 an diesem Tag geboren.

Schaffner im ersten Zug Peking-Kanton, auf der längsten Schnellstrecke der Welt (picture alliance / dpa)Alle eingestiegen? Der Zugführer sieht während eines Zwischenstopps nach dem Rechten. (picture alliance / dpa)Erst vor fünf Jahren hat China begonnen, ein Hochgeschwindigkeitsnetz auf der Schiene zu entwickeln. Bis zum Jahr 2020 will das Land insgesamt 50.000 schnelle Bahnkilometer in alle Himmelsrichtungen anbieten, berichtet die staatliche Zeitung "China Daily".

Skandale um die Bahn

Dieser Rekordjagd steht allerdings manche Kontroverse gegenüber. Das gesamte Projekt wird von Korruptionsskandalen überschattet. Auch hinter die Sicherheit setzen Kritiker manches Fragezeichen. Im Juli 2011 stießen zwei Schnellzüge bei Wenzhou zusammen, 40 Menschen starben, 200 wurden verletzt. Zur Eröffnung der Strecke Peking-Kanton betonten die Behörden, dass man zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen habe.

Den ersten großen Test im Regelbetrieb muss die neue Linie im Februar 2013 bestehen. Dann finden die chinesischen Neujahrsfeiern statt, was traditionell eine Völkerwanderung auslöst. Hunderte Millionen Menschen werden für ihre Familienbesuche das Land durchqueren – viele von ihnen mit dem Zug.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 18:10 Uhr Informationen am Abend

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 18:00 Uhr Update

Aus unseren drei Programmen

Nachruf auf Walter ScheelEin zielstrebiger Liberaler

Alt-Bundespräsident Walter Scheel am 6.9.2011 in Bad Krozingen vor seinem Porträtbild (dpa / picture alliance / Patrick Seeger)

Mit der Neuausrichtung der FDP schaffte er die Grundlage für die erste sozialliberale Koalition in Deutschland. Als Bundespräsident sang er unbeschwert in populären TV-Shows "Hoch auf dem gelben Wagen". Jetzt ist Walter Scheel im Alter von 97 Jahren gestorben − ein Nachruf von Martin Steinhage.

Ökonom zum Haushaltsüberschuss"Abbau der Staatsverschuldung schafft Luft"

Roland Tichy (Journalist) in der ARD-Talkshow Günther Jauch (imago/Müller-Stauffenberg)

Bereits im ersten Halbjahr gibt es ein Milliarden-Plus in der Staatskasse. Der Ökonom Roland Tichy warnte davor, dass die Steuereinnahmen auch schnell zurückgehen könnten, wenn die Konjunktur schwächer werde − deswegen gebe es für die Mehreinnahmen nur zwei Verwendungsmöglichkeiten.

Ampelkoalition in Rheinland-PfalzTraum- oder Fehlstart für Rot-Gelb-Grün?

Seit 100 Tagen regiert in Rheinland-Pfalz Rot-Gelb-Grün.  (imago/Peters)

Am 18. Mai formierte sich die erste Ampel-Koalition in einem deutschen Flächenland. Ein Renommierprojekt sollte es werden. Doch schon zu Anfang der 100 Tage-Schonfrist leistete sich die rot-gelb-grüne Koalition von Malu Dreyer einen dicken Patzer.

Loyalitätsdebatte"In zweiter und dritter Generation haben wir Probleme mit klarem Bekenntnis zu Deutschland"

Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak. (imago stock&people)

Der Vorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, hat den Loyalitäts-Appell der Bundeskanzlerin an die Deutschtürken begrüßt. "Wer hier lebt, muss sich zu unserer Gesellschaft bekennen", sagte Ziemiak im DLF. Er vermisse dieses Bekenntnis insbesondere von türkischstämmigen Bürgern der zweiten und dritten Einwanderergeneration.

"Abbruchjäger" bei EbaySpekulation auf vorzeitig beendete Auktionen

Ein Computernutzer klickt sich durch Angebote auf der Online-Auktionsseite ebay. (dpa / Inga Kjer)

Die sogenannten "Abbruchjäger" auf Ebay handeln rechtsmissbräuchlich, hat der BGH entschieden. Doch es bleibe nach wie vor unklar, wie man einen "normalen" Schnäppchenjäger vom Abbruchjäger unterscheidet, sagt der IT-Anwalt Christian Solmecke.

Vorsorge für den NotfallTrinkwasser sollte immer im Haus sein

Ein Mann schiebt einen vollgepackten Einkaufswagen. (picture alliance / dpa / Patrick Seeger)

Im Konzept für den Zivilschutz in Deutschland empfiehlt die Bundesregierung jedem Bürger, sich einen Notvorrat an Lebensmitteln zuzulegen. Zwar sind Stromausfälle oder Versorgungsengpässe in Deutschland selten. Doch Katastrophenschutz-Experten raten Bürgern schon seit langem, sich vorsichtshalber für solche Fälle zu wappnen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Walter Scheel  Ehemaliger Bundespräsident 97-jährig gestorben | mehr

Kulturnachrichten

Kirche hält historischen Bücherschatz zurück  | mehr

Wissensnachrichten

Roboter  Künstlicher Krake ist ein Softie | mehr