Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mittelschicht in Deutschland schrumpft

Studie: Sozialer Aufstieg gelingt immer seltener

Menschen vor dem Kaufhof am Berliner Alexanderplatz (AP)
Menschen vor dem Kaufhof am Berliner Alexanderplatz (AP)

Deutschlands Mittelschicht wird immer kleiner. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Nur noch eine kleine Elite profitiere vom wachsenden Wohlstand, so die Forscher.

Seit 1997 sei der Anteil der Mittelschicht an der Gesamtbevölkerung in Deutschland von 65 auf 58 Prozent gesunken, heißt es in der Studie. Zur Mittelschicht gehören demnach 47,3 Millionen Menschen, rund 5,5 Millionen weniger als vor 15 Jahren.

Für das Schrumpfen der Einkommens-Mittelschicht machen die Forscher drei Ursachen aus: die Zunahme von Ein-Personen-Haushalten, die Steuerreform sowie die Arbeitsmarktreformen. Ein-Personen-Haushalten führten zu größerer Einkommensungleichheit, "da keine Ersparnisse durch gemeinsames Wirtschaften wie in größeren Haushalten erzielt werden". Während die oberen Einkommensschichten von der Senkung des Spitzensteuersatzes profitiert hätten, sei die Mittelschicht deutlich weniger entlastet worden. Zudem seien durch die Arbeitsmarktreformen zahlreiche unterdurchschnittlich bezahlte Jobs entstanden.

Mehr Abstiegs- als Aufstiegsmobilität

Laut Studie wächst die Mitte nicht mehr durch den Zustrom aus unteren Einkommensschichten. Zudem rutschen Menschen aus dem unteren Feld der Mittelschicht in einkommensschwache Bereiche ab. Zwar stiegen Mittelschichtler auch auf - allerdings überwiege "die Abstiegs- gegenüber der Aufstiegsmobilität", so die Forscher.

Wer einmal aus der Mittelschicht herausgefallen sei, dem falle die Rückkehr schwerer als vor Jahren. Die Unsicherheit in der Mittelschicht über die eigene Zukunft habe zugenommen. Große Sorgen machten sich heute 25 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe, im Jahr 2000 seien es nur 15 Prozent gewesen. Das Fazit der Forscher: "Immer weniger Menschen gelingt der Aufstieg aus den unteren Einkommen in die Mittelschicht. Und selbst eine gute Ausbildung ist heute kein Garant mehr für ein Leben in gesichertem Wohlstand."

Studie beruht auf sozioökonomischem Panel

Als Mittelschicht bezeichnen die von der Bertelsmann-Stiftung beauftragten Forscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Universität Bremen Haushalte mit 70 bis 150 Prozent des mittleren Einkommens. Die Studie beruht auf dem sogenannten sozioökonomisches Panel, für das jährlich 20.000 Erwachsene befragt werden.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hatte dagegen berichtet, Angst vor dem Abstieg sei meist unbegründet. Absinken in die Einkommensarmut sei selten und meist nur von kurzer Dauer. In Deutschland sei die Mittelschicht seit der Wiedervereinigung weitgehend stabil. Das IW zählt zur Mittelschicht Bezieher eines Einkommens von 60 bis 250 Prozent des mittleren Einkommens.


Mehr zum Thema:

Die Mittelschicht in Deutschland schrumpft seit 15 Jahren - Studie der Bertelsmann Stiftung: Sozialer Aufstieg gelingt immer seltener
Wie die Mittelschicht an ihrem eigenen Ast sägt - DASA-Symposium in Dortmund über die Entwicklung der Arbeitswelt
Mieterbund warnt vor den Folgen steigender Wohnkosten - Präsident Franz-Georg Rips fordert soziale Wohnungspolitik
Die ausgequetschte britische Mittelschicht - Schatzkanzler George Osborne dreht die Sparschraube weiter
Vom Preis des billigen Geldes - Inflationsangst und die reale Gefahr der Geldentwertung



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 07:50 Uhr Kulturpresseschau

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 07:30 Uhr Kakadu für Frühaufsteher

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

"Pelléas und Mélisande" in BochumGrandioser Auftakt der Ruhrtriennale

Barbara Hannigan als Mélisande und Leigh Melrose als Golaud (Ben van Duin/ Ruhrtriennale 2017)

Krzysztof Warlikowsky ist mit Claude Debussys Oper "Pelléas und Mélisande" eine großartige Eröffnung der Ruhrtriennale gelungen. Er zeigt die Tragödie mit radikaler Konsequenz und spannend wie einen Psychothriller.

BundestagswahlDie fiesen Tricks der Hacker

Eine Hand bedient eine Computermaus. (AFP / Robyn Beck)

Könnte es Hackern gelingen, die Bundestagswahl am 24. September zu stören oder zu manipulieren? Das haben Security-Spezialisten untersucht und gleich sieben Unsicherheitsfaktoren gefunden: Die Nutzung öffentlicher Leitungen und menschliche Nachlässigkeit sind nur zwei davon.

Vormarsch der künstlichen ExistenzMenschen könnten die neuen Affen sein

Menschenhand in Roboterhand am 24.04.2017 auf der Industriemesse in Hannover. (imago stock&people)

Viele Experten sind sich einig: Bald sind Roboter und Computer so weit entwickelt, dass sie die menschliche Intelligenz übertrumpfen könnten. Wir Menschen wären dann im Vergleich zu der intelligenten Technologie quasi auf dem Stand von Schimpansen.

Deutscher Film "Berliner Schule" – bewundert und verachtet

Der Kinofilm "Yella"  (picture alliance/dpa/Piffl Medien)

Zum Kinostart von Valeska Griesebachs "Western" wagen wir mit Kritikerin Katja Nicodemus und Produzent Florian Körner eine Bestandsaufnahme des Labels "Berliner Schule". Was bedeuteten Filme von Christian Petzold oder Christoph Hochhäusler für das deutsche Kino und warum wurde der Begriff so angefeindet?

US-Chefberater nicht mehr im Amt"Bannon war die radikale Spitze des Eisbergs"

Das Bild zeigt Steve Bannon, den Chefstrategen von US-Präsident Trump. (AFP / Jim Watson)

Vermutlich sei der ultranationalistische Chefstratege im Weißen Haus gefeuert worden, sagte Aspen-Institutsdirektor Rüdiger Lentz im Dlf. Es gebe zwar weiter Machtkämpfe, doch er habe den Eindruck, dass Pragmatiker wie Stabschef Kelly ihre Politik mehr zur Geltung bringen könnten.

Blender, Angeber, Machtmenschen "Narzissten verführen uns, aber sie sind auch verführbar"

(foto: AP Photo / Pablo Martinez Monsivais, Cover: Europa-Verlag)

Narzissten in Führungspositionen sind potenziell gefährlich, meint die Psychologin Bärbel Wardetzki. Weil sie reizbar, kränkbar und unberechenbar sind - wie Donald Trump. Für Kanzlerin Angela Merkel hat Wardetzki ein paar Tipps, wie man mit Trump umgehen sollte.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erdogan  Persönliche Attacke gegen Bundesaußenminister Gabriel | mehr

Kulturnachrichten

Bundesregierung will Auslieferung Akhanlis an Türkei verhindern  | mehr

 

| mehr