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Möglicher Kompromiss zur East Side Gallery

Investor verteidigt erneuten Teilabriss

An der East Side Gallery wurden vier Mauersegmente entfernt. (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)
An der East Side Gallery wurden vier Mauersegmente entfernt. (dpa / picture alliance / Rainer Jensen)

Im Streit um die East Side Gallery zeichnet sich ein möglicher Kompromiss ab. Die beiden Investoren könnten sich einen bestehenden Durchbruch teilen und so einen weiteren Abriss verhindern. Den Abriss vom Mittwoch verteidigte Investor Maik Uwe Hinkel jedoch.

Nachdem der Senat erklärt habe, nicht über Ersatzgrundstücke zu verhandeln, habe man tätig werden müssen, erklärte Maik Uwe Hinkel von der Investmentfirma Living Bauhaus. Am Mittwoch waren in seinem Auftrag vier weitere Mauersegmente der East Side Gallery entfernt worden, um eine Baustellenzufahrt zu dem Gelände am Spreeufer zu schaffen, wo ein Appartementhochhaus und ein Wohnblock entstehen sollen. Die Mauerteile sollen später wieder an ihren Standort zurückgesetzt werden.

Hinkel versuchte den Eindruck zu zerstreuen, dass er Politik und kritische Öffentlichkeit vor vollendete Tatsachen stellen wollte. "Es war keine Nacht-und-Nebel-Aktion", sagte er dem Berliner Radiosender 104.6 RTL. Dass die Arbeiten vorher nicht angekündigt wurden, begründete er mit den vorangegangenen Protesten. Jedoch sei er davon ausgegangen, dass bei einer Beteiligung von 250 Polizisten sämtliche exekutive Stellen informiert würden, sagte der Investor des Hochhauses. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und der Bürgermeister des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), hatten die Aktion als "Affront" bezeichnet.

Investoren könnten sich einen Durchbruch teilen

Unterdessen zeichnet sich ein möglicher Kompromiss ab. Demnach könnte unter bestimmten Voraussetzungen auf weitere Durchbrüche für den Bau zweier Wohnhäuser verzichtet werden, sagte ein Sprecher von Living Bauhaus der Nachrichtenagentur AFP. Statt weitere Lücken in die East Side Gallery zu schlagen, würde mit dem neuen Plan ein bereits bestehender Durchbruch um sechs Meter erweitert und von den zwei Investoren geteilt. "Wir sind grundsätzlich bereit zu diesem Kompromiss unter dem Vorbehalt, dass er technisch und statisch umsetzbar ist", sagte er. Living Bauhaus will die notwendige Umplanung jetzt prüfen lassen. Dies könne mehrere Wochen in Anspruch nehmen, sagte der Firmensprecher.

Die derzeit rund fünf Meter breite Lücke, die nach dem neuen Plan um sechs Meter erweitert werden soll, führt laut Schulz zum sogenannten Oststrand an der Spree. Ein bereits genehmigter, etwa 22 Meter breiter, zusätzlicher Durchbruch solle nach dem neuen Plan wegfallen.

"Stadtentwicklungspolitische Fehlentscheidungen"

Der Sprecher der "Clubcommission Berlin", ein Zusammenschluss von Berliner Club-, Party- und Kulturereignisveranstaltern, und Mitinitiator der Kundgebung, Lutz Leichsenring, hatte dem Senat eine ungenügende Bereitschaft vorgehalten, "stadtentwicklungspolitische Fehlentscheidungen der Vergangenheit zu korrigieren". Zu der Aktion wird auch der Vorsitzende der Künstlerinitiative East Side Gallery, Kani Alavi, erwartet, auf dessen Idee das Kunstwerk zurückgeht. Alavi will aus Protest das Bundesverdienstkreuz zurückgeben, das er 2011 für sein Engagement zum Erhalt der Galerie erhalten hatte.

Rund 200 Gegner des Bauprojektes versammelten sich am Donnerstag vor dem Roten Rathaus, um für den Erhalt des Kunstwerks zu demonstrieren. Sie bauten dazu gegenüber dem Amtssitz von Wowereit bemalte Styropor-Mauerteile auf. Auf Transparenten hieß es "East Side Gallery retten" oder "Immobilienhaie zu Fischmehl".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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