Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Monti gibt sein Amt auf

Italiens Regierungschef reicht Rücktritt offiziell ein

Mario Monti will noch vor dem regulären Ende seiner Amtszeit zurücktreten. (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
Mario Monti will noch vor dem regulären Ende seiner Amtszeit zurücktreten. (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)

Wie erwartet hat der italienische Regierungschef Mario Monti seinen Rücktritt erklärt - nun auch offiziell. Er macht damit den Weg für Neuwahlen frei. Ob Monti dabei erneut antreten wird, ist noch nicht bekannt.

Der italienische Ministerpräsident Mario Monti hat seinen Rücktritt erklärt. Er reichte ein entsprechendes Schreiben bei Präsident Giorgio Napolitano ein. Kurz zuvor hatte der parteilose Reformer im Parlament eine letzte Vertrauensabstimmung gewonnen: Die Abgeordneten votierten mit großer Mehrheit für den Staatshaushalt 2013. Es gab 309 Ja- und 55 Nein-Stimmen sowie fünf Enthaltungen.

Monti sagte rückblickend auf seine Amtszeit, das Land sei nun «verlässlicher» auf der internationalen Bühne. Seine 13 Monate an der Spitze der Regierung seien «schwer, aber faszinierend» gewesen. Der parteilose 69-Jährige hatte gegen die Schuldenkrise gekämpft und ein Programm zur Wiederankurbelung der Wirtschaft aufgelegt, das mit drastischen Kürzungen im Sozialbereich verbunden ist.

Monti hatte schon vor zwei Wochen angekündigt, dass er nur noch das Budget 2013 durchbringen und dann abtreten wolle, weil er für seine Reformpolitik keine Unterstützung mehr im Parlament habe. Die Partei des konservativen früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hatte dem Wirtschaftsprofessor die Unterstützung entzogen.

Spekulationen über Montis Zukunft

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi (picture alliance / dpa / Ettore Ferrari)Italiens ehemaliger Ministerpräsident Silvio Berlusconi will wieder kandidieren. (picture alliance / dpa / Ettore Ferrari)Berlusconi zog die angekündigte Rücknahme seiner Kandidatur am Donnerstag wieder zurück; Monti könnte Medienberichten zufolge als inoffizieller Spitzenkandidat eines neuen Zentrumsbündnisses antreten. Ob er aber überhaupt wieder antritt, ist ungewiss. Für Sonntag kündigte er eine Pressekonferenz an.

Monti hatte die Regierung des krisengebeutelten EU-Landes im November 2011 von Berlusconi übernommen. Der parteilose ehemalige EU-Kommissar warnte zuletzt davor, seinen Reformkurs zurücknehmen zu wollen. Berlusconi hatte eine vollständige Änderung von Montis Politik gefordert, die zu "Rezession und Depression" führe.

Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano kommt heute in Rom mit Vertretern der wichtigsten Parteien zusammen, um über die weiteren Schritte zu entscheiden. Anschließend wird seine Entscheidung zur Auflösung des Parlaments erwartet. Die Neuwahlen sollen voraussichtlich am 24. Februar stattfinden.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Tilmann Kleinjung im DLF: Monti vor seinem Rücktritt
EU besorgt um Italien ohne Monti - Regierungskrise belastet italienischen Finanzmarkt
Mario Montis Entzauberung - Ernüchterung nach einjährigem Sparkurs in Italien
Monti macht in Medien - Italiens Ministerpräsident wendet sich gegen Berlusconis Medienpolitik
Das Ende der Ära Berlusconi - Das Ende der Ära Berlusconi

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:10 Uhr Deutschland heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Brexit-Verhandlungen"Hand ausstrecken haben wir ja dauernd gemacht"

Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn (AFP/Matthew Mirabelli)

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hat das britische Versprechen begrüßt, EU-Bürger nach dem Brexit nicht auszuweisen. "Alles andere wäre ja eine Kampfansage an die Europäische Union gewesen", sagte Asselborn im Dlf. Die knallharte europhobe Stimmung wie vor der britischen Parlamentswahl sei verflogen.

Muslimische DistanzierungsritualeGuter Moslem, böser Moslem

Männer beten auf einer Kundgebung gegen Islamophobie und Rassismus in Berlin. (imago / Christian Ditsch)

Ein Zeichen gegen den Terror wollten Muslime setzen, sich vom Extremismus distanzieren. Doch im Streit um das richtige Signal offenbaren die Verbände der muslimischen Community vor allem eins: ihre chronische Selbstbeschäftigung, meint Islamwissenschaftler Fabian Köhler.

SNAPCHATSnapMaps soll Instagram abhängen

Snapchat hat mit Instagram-Stories harte Konkurrenz. Jetzt hat Snap Inc. das Startup Zenly gekauft. Einen Kartendienst.

Vermeintliches WundermittelMediziner lehnt Methadon in der Krebstherapie ab

Durch ein Mikroskop ist der Anreicherungsprozess von Nanopartikeln in Krebszellen zu sehen. (Jan Woitas/dpa-Zentralbild)

Ein Wundermittel gegen Krebs? Derzeit wird in den Medien über den Einsatz von Methadon im Kampf gegen Krebs diskutiert. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin, Lukas Radbruch, hält davon allerdings wenig.

documenta-echo: Irena HaidukUniformen für die Freiheit

Sechs schwarz gekleidete frauen schreiten in zwei Dreierreihen vor dem Fridericianum. Auf dem kopf balancieren sie jeweils ein Buch. (Deutschlandradio / Änne Seidel)

Ein schlichtes Kleid, dazu ergonomische Schuhe: "Yugoform" nennt die serbische Künstlerin Irena Haiduk die Kleidung, die sie auf der documenta zum Kauf anbietet - eine bequeme Uniform für die arbeitende Frau und Teil ihrer documenta-Arbeit "Seductive Exacting Realism".

Vor 50 JahrenKZ-Kommandant Franz Stangl wird an die BRD ausgeliefert

Der ehemalige Kommandant der Vernichtungslager Treblinka und Sobibor, Franz Stangl (r) wird am 23. Juni 1967 von einem Polizeibeamten zum Flughafen nach Rio de Janeiro (Brasilien) gebracht, um an die Bundesrepublik ausgeliefert zu werden. Franz Stangl, der nach dem Zweiten Weltkrieg über Italien und Syrien 1951 nach Brasilien emigrierte und dort unter seinem Namen in einem Zweigwerk des Volkswagenwerkes arbeitete, wurde von Simon Wiesenthal aufgespürt und 1967 an die Bundesrepublik ausgeliefert. (picture alliance / dpa / UPI)

Franz Stangl war für den Tod von nahezu einer Million Juden verantwortlich. Nach Kriegsende flüchtete der KZ-Kommandant nach Syrien, kurz darauf nach Brasilien. Nach jahrelanger Suche wurde er gefasst und vor 50 Jahren an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Streit um Flüchtlinge  Juncker hat wenig Hoffnung auf Lösung | mehr

Kulturnachrichten

Ist Robert Del Naja doch Banksy?  | mehr

 

| mehr