Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Monti schließt Kandidatur nicht aus

Italiens Regierungschef zieht positive Bilanz seiner Amtszeit

Italiens Premier Monti hatte am Freitag seinen Rücktritt eingereicht (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)
Italiens Premier Monti hatte am Freitag seinen Rücktritt eingereicht (picture alliance / dpa / Olivier Hoslet)

Eine klare Aussage machte Mario Monti vor der Presse nicht - der scheidende italienische Regierungschef hat erneut offen gelassen, ob er zur Parlamentswahl antreten wird. Aber: Wenn man ihn frage, werde er nach den Wahlen Ende Februar "die Verantwortung übernehmen, die mir vom Parlament anvertraut wird".

"Ich ergreife für keine Seite Partei", sagte der 69-Jährige, "aber ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen, wenn ich vom (nächsten) Parlament gefragt werde", erklärte der italienische Ministerpräsident Mario Monti vor Journalisten in Rom.

Er machte allerdings klar, dass er bei den Wahlen nicht als Spitzenkandidat antreten werde. Dies könnte er auch nicht, weil er bereits das Amt eines Senators auf Lebenszeit innehat. Zuletzt hatte es aber Spekulationen gegeben, er könne als inoffizieller Kandidat eines Zentrumsbündnisses in den Wahlkampf gehen und dann im Nachhinein zum Regierungschef ernannt werden.

Mit Blick auf seine bisherige Amtszeit zog Monti eine positive Bilanz - er zeigte sich überzeugt, dass das hochverschuldete Italien die Finanzkrise überwunden habe. Finanzhilfe von außen wie andere Eurostaaten habe das Land dabei nicht benötigt. "Ich war immer sicher, dass Italien alle Ressourcen hat, es alleine zu schaffen, und so war es." Monti kündigte außerdem an, er wolle ein Programm aufstellen, um "Italien zu verändern und Europa zu reformieren". Er wolle so verhindern, dass "gefährliche Schritte rückwärts" gemacht würden.

Monti: Ratlos nach Berlusconis Aussagen

Begrüßung oder Abschied? Silvio Berlusconi, verurteilter Ex-Ministerpräsident Italiens (picture alliance / dpa / Julien Warnaud)Silvio Berlusconi will noch einmal kandidieren (picture alliance / dpa / Julien Warnaud)Zugleich warnte Monti die Italiener, nicht der populistischen Politik und den Versprechen seines Vorgängers Silvio Berlusconi zu folgen. Er fühle sich nicht in der Lage, das Angebot Berlusconis anzunehmen, Spitzenkandidat einer Allianz der Mitte-Rechts-Parteien zu werden. Monti fügte hinzu, er sei angesichts der widersprüchlichen Erklärungen Berlusconis "ratlos". "Ich habe große Probleme, seinen Gedankengängen zu folgen", sagte der scheidende Regierungschef. Schließlich habe Berlusconi seine Regierungsbilanz als "Katastrophe" bezeichnet, aber ihn einige Tage zuvor aufgefordert, sich in einer neuen Regierung an die Spitze einer gemäßigten Koalition zu stellen.

Der parteilose Ex-EU-Kommissar Monti hatte die Regierung in der Finanzkrise im November 2011 vom damaligen Regierungschef Silvio Berlusconi übernommen. Am Freitag hatte er wie angekündigt nach Verabschiedung des Haushalts 2013 seinen Rücktritt eingereicht, nachdem die Partei seines Vorgängers Berlusconi seiner Regierung die Unterstützung entzogen hatte. In Italien finden nun am 24. und 25. Februar Neuwahlen statt.


Mehr zum Thema auf dradio.de:

Tilmann Kleinjung: Monti bereit zur Kandidatur
EU besorgt um Italien ohne Monti - Regierungskrise belastet italienischen Finanzmarkt
Doch nicht "Game over" - Silvio Berlusconi will Italien retten
Mario Montis Entzauberung - Ernüchterung nach einjährigem Sparkurs in Italien

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:05 Uhr Studio 9 kompakt

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

AfDWie sich eine Partei selbst zerfleischt

Der Chef der Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke (r.) und der AfD-Politiker Hans-Olaf Henkel (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

Im Streit zwischen den Flügeln zeige die AfD ihr wahres Gesicht, kommentiert Stephan Richter vom "Flensburger Tageblatt" in seinem Gastkommentar für den DLF. Die Partei sei für die Spalter um Bernd Lucke und auch für seine Kontrahentin Frauke Petry nur Mittel zum Zweck.

KonvertitenAus Abolfazl wird Alex

Gottesdienst in der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz, in der neue Gemeindemitglieder aus Iran und Afghanistan getauft werden. (dpa / picture alliance / Lukas Schulze)

In den vergangenen Jahren sind Tausende Iraner nach Deutschland geflohen. Immer mehr von ihnen wollen Christen werden. In der Dreieinigkeitskirche in Berlin-Steglitz werden inzwischen fast jede Woche Konvertiten getauft. Alex Amya ist einer von ihnen.

Nach neuen Eroberungen"IS ist gestärkt, auch propagandistisch"

Omid Nouripour, außenpolitischer Sprecher der Grünen (dpa / Hannibal Hanschke)

Der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, hat vor einem weiteren Erstarken der Terrormiliz "Islamischer Staat" gewarnt. Nouripour sagte im Deutschlandfunk, der IS plündere die Städte und löse so seine Geldprobleme.

TarifeinheitsgesetzFesseln für die kleinen Gewerkschaften

Mitglieder der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) demonstrieren mit Transparenten und Trillerpfeifen in Berlin vor der Zentrale der Deutschen Bahn am Potsdamer Platz (picture alliance / dpa/ Sören Stache)

Seine unheilvolle Wirkung hat das Gesetz zur Tarifeinheit schon entfaltet, bevor es überhaupt in Kraft ist. Es spaltet statt zu einen. Es verschärft Tarifkonflikte, statt sie zu befrieden, kritisiert Gerhard Schröder mit Blick auf den Streik der GDL.

Suizidprävention in GefängnissenSchutz vor dem Strick

Ein Haftraum in der Justizvollzugsanstalt Koblenz am 01.12.2011 mit Schrank, Bett, Tisch, Stuhl, Regal und Waschbecken. (dpa / picture alliance / Thomas Frey)

53 Menschen haben sich im vergangenen Jahr in deutschen Gefängnissen das Leben genommen. Dennoch gilt die Suizidprävention im deutschen Strafvollzug als erfolgreich. Ein prominenter Häftling brachte den Schutz vor Suizid jedoch wieder in den Schlagzeilen.

EU-Osteuropa-Gipfel in RigaKleinster gemeinsamer Nenner

Die Staats- und Regierungschefs beim Abschlussfoto beim EU-Gipfel in Riga (AFP  / JANEK SKARZYNSKI)

Nach harten Ringen haben sich die EU und ihre östlichen Partner am Freitag in Riga auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Die territoriale Einheit eines jeden Landes müsse geschützt werden, heißt es darin − deutliche Kritik an der Politik Moskaus.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

US-Senat blockiert  Geheimdienstreform | mehr

Kulturnachrichten

Museumsdirektor befürchtet Raubgrabungen in Palmyra  | mehr

Wissensnachrichten

Wiederauferstehung  Italiener plant erste Kopf-Transplantation | mehr