Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Moody's Ausblick löst Gelassenheit aus

Heftige Kritik an Rösler wegen Griechenland-Äußerungen

Der Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit ist nicht mehr stabil, meldet die US-Rating-Agentur Moody's. Das Finanzministerium versucht zu beruhigen. Man nehme die Meinung der Agentur zur Kenntnis.

In Berlin macht man sich keine Sorgen um die Kreditwürdigkeit Deutschlands. Die Ratingagentur Moody's vergibt für Deutschland weiter das Höchstrating, betonte ein Sprecher des Finanzministeriums. Das sei eine Bestätigung der anerkannten Stärken der deutschen Wirtschaft und Politik. Deutschland bleibe ein Stabilitätsanker für die Eurozone. Die Herabstufung des Ausblicks nehme man als "Meinung" zur Kenntnis. Wirtschaftsminister Phillip Rösler (FDP) ist allerdings in die Schusslinie geraten.

Ähnlich wertet der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Er riet im Deutschlandfunk dazu, die Absenkung des Ausblicks nicht überzubewerten. Es sei grundsätzlich keine Neuigkeit, dass auch Deutschlands Wirtschaftskraft seine Grenze habe.

Der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach sieht "keinen Grund zu Unruhe". Die Moody's-Entscheidung sei vielmehr ein Hinweis, dass Deutschland nicht grenzenlos belastbar sei, sagte Michelbach. Auch der haushaltspolitische Sprecher der FDP, Otto Fricke, meinte, Deutschland gehöre bei der Bonität weiter zu den Besten der Besten. Die Moody's-Einschätzung sei als Warnung zu verstehen, sagte Fricke mit Blick auf die Milliardenhilfen für Griechenland.

Kritik an Rösler

FDP-Chef Philipp Rösler (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Wirtschaftsminister Philipp Rösler steht unter Beschuss (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Allerdings ist Bundeswirtschaftsminister Phillip Rösler (FDP) wegen seiner Äußerungen zu Griechenland nun auch in den Reihen der Koalition in die Kritik geraten. Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach, sagte dem "Handelsblatt Online", die Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone hätten sofort Folgen auch für Deutschland. Das zeige sich an der Neubewertung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Moody's. Auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin führte den Schritt auf Röslers Aussage zurück. Er warf dem FDP-Politiker vor, verantwortungslos daher geschwätzt zu haben. Ähnlich äußerte sich SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, den Minister aus dem Kabinett zu entlassen.

Ausblick negativ

Logo der Ratingagentur Moody's in New York (dpa / picture alliance / Andrew Gombert)Moody's-Logo (dpa / picture alliance / Andrew Gombert)Die Ratingagentur Moody's hatte den Ausblick für die deutsche Kreditwürdigkeit von stabil auf negativ gesenkt. Deutschland behält bei der Kreditwürdigkeit zwar die Bestnote AAA. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Die Herabstufung des Ausblicks ging schon oft einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit voraus. Ebenso wie Deutschland erging es den Niederlanden und Luxemburg. Finnland dagegen behielt seinen stabilen Ausblick.

Moody's begründete seine Entscheidung mit dem "Ausmaß der Ungewissheit über den Ausblick für den Euroraum". Die möglichen Auswirkungen plausibler Szenarien über Mitgliedsstaaten rechtfertigten keinen stabilen Ausblick mehr. So wäre ein griechischer Austritt aus dem Euro eine "materielle Bedrohung" für die Gemeinschaftswährung, glaubt die Agentur. Denn er könnte eine "Kettenreaktion von Schocks im Finanzsektor und einen Liquiditätsdruck auf Staaten und Banken" auslösen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könne. Das Risiko werde von der Schuldenlast Spaniens und Italiens weiter erhöht.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Rock et cetera

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Interpretationen

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

AfD-Vorsitzende Petry zur Flüchtlingshilfe"Die Kirche betreibt eine Art modernen Ablasshandel"

Frauke Petry mit ihrem Laptop auf dem Parteitag der AfD. (imago stock&people/Sven Simon)

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry hat der Kirche vorgeworfen, in der Flüchtlingspolitik lediglich eigene Interessen zu verfolgen. Mit Nächstenliebe habe das nichts zu tun, sagte Petry im Interview der Woche des DLF. Diakonie und Caritas erhielten staatliche Gelder dafür, dass sie Flüchtlinge aufnehmen und Räumlichkeiten bereitstellten. Dies sei eine moderne Form des Ablasshandels.

Seelenrave"Nacktheit ist für mich das Natürlichste auf der Welt"

Ludwig Schwankl ist Seelenraver und will weg vom rationalen Denken. Er hört lieber auf sein Gefühl und will zurück zur Natur des Menschen. Die Nacktheit ist Teil seiner Selbstverwirklichung und steht sinnbildlich dafür, sein nacktes Selbst zu leben.

100 Jahre Schlacht von VerdunMerkel und Hollande setzen ein Zeichen

Vor dem Jahrestag anlässlich von 100 Jahren Erster Weltkrieg (1914 - 1918) - Schlacht von Verdun. Ein Mann und ein Junge durchstreifen die Gedenkkreuze für die gefallenen Soldaten. Anlässlich der Hundertjahrfeier der Schlacht von Verdun soll das neue "Verdun Memorial" eröffnet werden.  (picture alliance / dpa / MAXPPP)

Hunderttausende Franzosen und Deutsche starben vor 100 Jahren während der Schlacht von Verdun. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande treffen sich dort zu den Gedenkfeierlichkeiten, um ein Zeichen der Versöhnung zu setzen.

Cate Blanchett: "Der Moment der Wahrheit"Star ohne Paparazzi

Die Schauspielerin Cate Blanchett  (picture alliance / dpa / Frédéric Dugit)

In ihrem neuen Film "Der Moment der Wahrheit" spielt Cate Blanchett eine investigative Journalistin. Anna Wollner hat mit der zweifachen Oscarpreisträgerin, über den Film und das Leben als Star gesprochen.

Chinas ExpansionskursDer Konflikt im Südchinesischen Meer

Pag-asa Island ist von den Philippinen besetzt. Die Ansprüche im Südchinesischen Meer sind umstritten. (picture alliance / dpa / Maxppp)

Mehrere Staaten erheben Anspruch auf das Südchinesische Meer. Seitdem China dort Atolle aufschüttet und militärische Einrichtungen baut, steigt das Konfliktpotenzial. Die USA betrachten das Meer als neuralgischen Punkt.

Szenen aus einer beunruhigten WeltLeben im Ausnahmezustand

Eine Frau hält den Kopf in den Händen. (imago / Science Photo Library)

Die Echtzeit präsentiert Szenen aus einer beunruhigten Welt: Was bedeutet es etwa, im Ausnahmezustand zu leben? Damit ist keine Wertung gemeint, sagen die, um die es in der Echtzeit geht. Sie machen einfach das Beste daraus.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Verdun  Merkel ruft dazu auf, Erinnerung an Ersten Weltkrieg wachzuhalten | mehr

Kulturnachrichten

Münchner Biennale mit Opern-Uraufführung eröffnet  | mehr

Wissensnachrichten

Hybride  Pizzlys verdrängen Eisbären | mehr