Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mordanklage gegen Zschäpe zugelassen

Auch vier mutmaßliche NSU-Helfer müssen vor Gericht

Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe (picture alliance / dpa / BKA)
Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe (picture alliance / dpa / BKA)

Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe muss sich wegen Mittäterschaft bei zehn Morden verantworten. Das Oberlandesgericht München hat die Anklage offenbar zugelassen.

Der 6. Strafsenat des Münchner Oberlandesgerichts hat die Anklage der Bundesanwaltschaft gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe zugelassen. Das sagte Zschäpes Verteidiger Wolfgang Stahl der Nachrichtenagentur dpa in München und bestätigte damit Berichte des Berliner "Tagesspiegels", der "Süddeutschen Zeitung" und von "Spiegel Online".

Die 38-Jährige muss sich damit wegen des Verdachts der Mittäterschaft an den zehn NSU-Morden vor Gericht verantworten. Eine Sprecherin des Oberlandesgerichts wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren. Das Verfahren soll voraussichtlich im April beginnen.

Das Gericht ließ auch die Anklage gegen vier mutmaßliche Unterstützer und Helfer der Gruppe zu und veränderte nur wenige Details, berichtet der Tagesspiegel. Im Eröffnungsbeschluss des 6. Strafsenats heißt es, die Angeklagten seien der ihnen vorgeworfenen Straftaten hinreichend verdächtig. Die Richter ordneten zudem die Fortdauer der Untersuchungshaft gegen Zschäpe und den Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben an.

Zschäpe soll gleichberechtigtes Mitglied des NSU gewesen sein

Die Bundesanwaltschaft hatte im November 2012 eine umfangreiche Anklage gegen die fünf Beschuldigten präsentiert. Demnach soll Zschäpe nicht nur Gründerin und gleichberechtigtes Mitglied des NSU gewesen sein; die Anklage wirft ihr zudem Mittäterschaft bei sämtlichen Taten des NSU vor: Bei neun Morden an Geschäftsleuten türkischer und griechischer Herkunft, dem Mord an einer Polizistin in Heilbronn 2007 und bei zwei Bombenanschlägen in Köln, bei denen mehr als 20 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Auch an 15 Banküberfällen, die der Gruppe zugerechnet werden, sei sie als Mittäterin beteiligt gewesen.

Wohlleben und Carsten S. wurden wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Sie sollen die Pistole des Typs "Ceska 83" beschafft haben, die bei der Mordserie verwendet wurde. André E. soll Wohnungen und Wohnmobile für das Trio besorgt haben, Holger G. soll die Zelle mit Ausweispapieren unterstützt haben.

Neben Zschäpe gehörten auch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos dem NSU an. Die Polizei kam den mutmaßlichen Terroristen nach einem missglückten Banküberfall auf die Spur. Die beiden Männer begingen daraufhin am 4. November 2011 Selbstmord. Am 8. November 2011 stellte Zschäpe sich der Polizei.


Mehr zum Thema:

Auf dem rechten Auge blind? - Rechtsextremismus-Experte Bernd Wagner über den Umgang der Justiz mit Neonazis
Eine Anklage als Signal - Bundesanwaltschaft klagt Beate Zschäpe als NSU-Mittäterin an
Herrmann hält Zschäpe-Anklage für "juristisch fundiert" - Bayerns Innenminister räumt aber Restrisiko für Beweisführung ein
Die Verantwortung der Ermittler - Zschäpe-Prozess stellt Justiz und Polizei vor große Aufgaben
Unfassbar - Zum Jahrestag der Aufdeckung der NSU-Terrorzelle

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

SPD-Kanzlerkandidat"Am 25. September heißt der Bundeskanzler Martin Schulz"

Forum Politik "Der Kampf ums Kanzleramt" Moderation Michaela Kolster (phoenix) und Stephan Detjen (Deutschlandfunk) mit Gast SPD Spitzenkandidat Martin Schulz im Atrium der Deutschen Bank am 17.8.207 in Berlin, Deutschland.  (Christian Marquardt )

In Hinblick auf seine Chancen bei der anstehenden Bundestagswahl hat sich der SPD-Kanzlerkandidat optimistisch gegeben. Auch wenn Angela Merkel von vielen immer noch für unschlagbar gehalten werden, glaube er an einen Sieg. Auch, weil die SPD das differenzierteste Wahlprogramm habe.

Künstlerkolonie AhrenshoopJetzt kommen auch die Touristen

Ein Strandkorb am Strand von Ahrenshoop,vor einem Haus mit Reetdach und malerischer Strandkulisse. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

Das 650-Seelendorf Ahrenshoop war Rückzugsort während des Nationalsozialismus, Treffpunkt von anerkannten und etablierten Künstlern und ab den 60er-Jahren zunehmend Heimat der Unangepassten. Jetzt kommen die Touristen.

BildungsmonitorAlte Gewinner und Verlierer

Eine Lehrerin steht mit einer Schülerin und einem Schüler an einer Tafel und schreibt eine 1. (dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)

Wenn es um Bildung geht, dann macht niemand den Ländern Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg etwas vor. Das belegt der neueste "Bildungsmonitor" anhand von 93 Indikatoren wie Schulabbrecherquote und Verfügbarkeit von Ganztagsschulen. Seit ein paar Jahren gibt es nur noch geringe Verbesserungen.

Start-up-Szene in Ramallah"Wir wollen Palästina aufbauen"

Die junge Start-up-Unternehmerin Laila Akel sitzt vor ihrem Laptop in einem Café. (Philipp Eins)

Wer als junger Digital-Unternehmer in Palästina startet, kämpft mit vielen Nachteilen: Kein schnelles mobiles 3G-Internet, kein Online-Bezahldienst PayPal und wenig Unterstützung der Regierung. Trotzdem wächst die Start-up-Szene im Westjordanland.

Reihe: GerechtigkeitMinigehalt trifft Millionenbonus

Eine Frau mit Sonnenbrille läuft vorbei an einem Bettler in der Brienner Straße in der Münchner Innenstadt. (picture-alliance/ dpa / Markus C. Hurek)

Die einen verdienen 15 Millionen Euro im Jahr, andere kommen mit drei Minijobs kaum über die Runden. Solche Einkommens- und Vermögensunterschiede tun einer Gesellschaft gut, sagen neoliberale Wirtschaftswissenschaftler. Aber ist das gerecht?

Die Sonne und ihre RätselDer Stern, von dem wir leben

Die Abensonne färbt den Himmel rot. (Jason Blackeye / Unsplash)

Seit Jahrmilliarden ermöglicht sie mit ihrem Licht und ihrer Wärme das Leben auf der Erde. Noch immer rätseln Astronomen, was genau in der Sonne vor sich geht. Unklar ist auch, wieso sie alle elf Jahre besonders aktiv ist - mit weitreichenden Folgen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Spanien  Polizei erschießt fünf Terroristen | mehr

Kulturnachrichten

"Widerrede" von Martin Roth erscheint posthum | mehr

 

| mehr