Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mubarak-Prozess wird neu aufgerollt

Zehn Ex-Regierungsmitglieder wieder vor Gericht

Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)
Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)

Rund 900 Ägypter starben bei der gewaltsamen Niederschlagung des Arabischen Frühlings. Deswegen wurde auch der ägyptische Autokrat Mubarak zu lebenslanger Haft verurteilt. Fast zwei Jahre nach seinem Sturz beginnt der Prozess gegen ihn und seine damaligen Vertrauten ganz von vorne.

Ägyptens früherer autoritärer Machthaber Husni Mubarak sitzt seit vergangenem Juni eine lebenslange Haftstrafe ab, allerdings in einem Krankenhaus wegen eines Sturzes im Gefängnis. Ein Gericht sah es als erwiesen an: Mubarak als damaliger Oberbefehlshaber der Armee trage eine Mitschuld für tödliche Schüsse auf rund 900 Demonstranten durch Sicherheitskräfte während der Massenproteste im Arabischen Frühling. Ein Kassationsgericht in Kairo hob die lebenslangen Haftstrafen von Mubarak und drei Vertrauten nun auf. Der Vorsitzende Richter gab Beschwerden der Verteidigung sowie der Staatsanwaltschaft statt und ordnete einen neuen Prozess an.

Mubarak ist nun formal in Untersuchungshaft, weil es gegen ihn neue Ermittlungen wegen Korruption gibt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich dabei um Geschenke im Millionenwert, die der frühere Präsident von dem staatlichen ägyptischen Leitmedium "Al-Ahram" bekommen haben soll.

Freispruch oder Galgen

Ägypter feiern auf dem Tahrir-Platz in Kairo den Rücktritt von Präsident Hosni Mubarak (AP)Ägypter feierten auf dem Tahrir-Platz in Kairo im Februar 2011 den Sturz von Präsident Mubarak (AP)In dem neuen Gerichtsverfahren müssen sich neben dem 84-jährigen Mubarak auch seine Söhne Alaa und Gamal - beide bleiben ebenfalls in Haft - sowie der früheren Innenministers Habib al-Adli verantworten. Auch sechs zuvor freigesprochene ranghohe Vertreter der Sicherheitskräfte stehen erneut vor Gericht. Die Verurteilung der zehn Männer sorgte damals für Empörung, weil niemand direkt für den Tod der Demonstranten schuldig befunden wurde. Als Freispruch für das ganze alte Unrechtssystem mit seinen korrupten Polizeioffizieren und folternden Ermittlern empfanden viele Ägypter den Freispruch der sechs Helfer.

Ein Termin für die neuen Verhandlungen stehe noch nicht fest, hieß es aus Justizkreisen. Jetzt hoffen viele Gegner Mubaraks auf die Todesstrafe für den Ex-Machthaber und seinen Innenminister. Im Präsidentschaftswahlkampf hatte auch das heutige Staatsoberhaupt Mohammed Mursi seinen islamistischen Anhängern versprochen, Mubarak an den Galgen zu bringen. Mit der Entscheidung des Kassationsgerichts sei die "Tür für die Hinrichtung Mubaraks geöffnet", schreiben die Muslimbrüder, aus deren Reihen Mursi stammt, auf ihrer Internetseite. Mubarak und Al-Adli setzen indes auf Freisprüche.

Spekulationen über Mubaraks Gesundheit

Ägyptens Ex-Präsident Hosni Mubarak im Krankenbett im Gerichtssaal (picture-alliance/ dpa)Mubarak verfolgte den Prozess im Krankenbett im Gerichtssaal (picture-alliance/ dpa)Über den Gesundheitszustand Mubaraks gibt es dagegen zahlreiche Spekulationen: Nachdem er den ersten Prozess auf einer Bahre verbracht hatte, war er nach seiner Verurteilung ins Tora-Gefängnis im Süden Kairos gebracht worden. Berichten zufolge leidet der 84-jährige unter Depressionen und anderen schweren Gesundheitsproblemen. Zwischenzeitlich soll er ins Koma gefallen sein. Zuletzt soll er sich bei einem Sturz in der Dusche mehrere Rippen gebrochen haben.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Lebenszeit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:05 Uhr Lesart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Exklusiv-Interview mit Bill Gates"Deutschland ist ein sehr wichtiger Partner"

Bill Gates, Co-Vorsitzender der Bill & Melinda Gates Stiftung und Mitgründer der Firma Microsoft, nimmt am 25.01.2018 an der jährlichen Tagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos (Schweiz) teil. In dem Schweizer Alpenort diskutieren noch bis zu diesem Freitag mehr als 3000 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft unter dem Motto «Für eine gemeinsame Zukunft in einer zerrütteten Welt». (dpa / picture alliance / Gian Ehrenzeller)

Auch wenn er in diesem Jahr 63 Jahre alt wird: An Ruhestand denkt Microsoft-Gründer Bill Gates nicht. "Ich habe noch viele Ziele vor mir, etwa die Beseitigung von Malaria – das wird noch etwa 20 Jahre dauern", sagte er im Dlf. Außerdem lobte er das deutsche Engagement als Geberland.

Marina Abramović in BonnDie Performance-Großmeisterin

Eine Besucherin geht zwischen einem nackten Mann und einer nackten Frau durch in der Performance "Imponderabilia" aus dem Jahr 1977 in der  Retrospektive "Marina Abramovic. The Cleaner" in der Bundesk (imago stock&people / Meike Boeschemeyer)

Das Ausloten von körperlichen und psychischen Grenzen bestimmt das Werk von Marina Abramović. Radikale Selbstentblößung, gar Selbstverletzung wurden ihr Markenzeichen. Dass die 71-Jährige zum Superstar wurde, ist kein Zufall, wie die umfassende Bonner Ausstellung zeigt.

Marx und die "Akkumulation"Die große Verwertung geht immer weiter

Unglückliche Arbeiter stützen einen fetten Geschäftsmann (imago  / Eva Bee)

Wo die Bourgeoisie regiert, gebe es kein Band mehr zwischen Mensch und Mensch und es herrsche das nackte Interesse an gefühlloser, barer Zahlung, heißt es in Marx' Kommunistischem Manifest. Der Publizist Matthias Greffrath blickt auf diese "ursprüngliche Akkumulation".

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Recherchen  Verdacht auf Korruption im BAMF | mehr

Kulturnachrichten

Österreichs Ex-Bundespräsident Fischer  mit "Gothaer Friedenstein" geehrt | mehr

 

| mehr