Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Murdoch vor dem Medienausschuss

Medienunternehmer will nichts von Abhörpraktiken gewusst haben

Der Medienmogul Rupert Murdoch (picture alliance / dpa / Andy Rain)
Der Medienmogul Rupert Murdoch (picture alliance / dpa / Andy Rain)

Rupert Murdoch und sein Sohn James haben sich vor dem Medienausschuss des britischen Parlaments geäußert. Murdoch sprach vom "Tag der größten Demut" in seinem Leben. Er bestritt, über die Abhörpraktiken seines Blatts "News of the World" informiert gewesen zu sein.

Das Boulevardblatt "News of the World" soll über Jahre hinweg die Telefon-Mailboxen von Prominenten und Politikern abgehört haben. Auch die Handys von Terroropfern und entführten Kindern sollen belauscht worden sein.

Murdoch und sein Sohn entschuldigten sich vor dem Medienausschuss zunächst für die illegalen Praktiken der Journalisten entschuldigt.

Murdoch senior betonte, die "News of the World" stelle weniger als ein Prozent seines Konzerns dar, berichtet Barbara Wesel im Deutschlandfunk. Über fast nichts, was bei dieser Zeitung in London vorging, sei er informiert worden, sagte der Konzernchef. Am Ende sei er sogar in die Irre geführt worden. Ähnlich ahnungslos habe sich Murdoch junior gezeigt: Von Zahlungen an Polizisten, Detektive oder sonstige Beteiligte habe er nichts gewusst, gab James Murdoch zu Protokoll.

Dass Rupert Murdoch Details der Abhörpraktiken nicht gewusst habe, könne er ihm noch abnehmen, erklärte der britische Journalist Peter Bild im Deutschlandradio Kultur. Für die Kultur in den Boulevardmedien, die den Abhörskandal ermöglicht habe, sei der Konzernchef jedoch durchaus verantwortlich. Die Mehrheitsanteile am britischen Bezahlsender BSkyB werde Murdoch in den nächsten ein bis zwei Jahren vermutlich nicht erwerben können. Um dieses Ziel doch noch zu retten, könnte er aber vielleicht die Zeitungen "Sun" und "Times" verkaufen. Seinem Sohn und den Aktionären sei der Fernsehsender wichtiger als die Zeitungen. Murdoch dagegen sei ein Verleger, ein Printmensch.

Die ehemalige News-of-the-World-Chefredakteurin Rebekah Brooks (AP - Sang Tan)Die ehemalige News-of-the-World-Chefredakteurin Rebekah Brooks (AP - Sang Tan)Auch die Aussagen der ehemaligen News-of-the-World-Chefredakteurin Rebekah Brooks wurden erwartet.

Die 43-jährige Brooks war am Wochenende festgenommen worden. Nach Angaben von Scotland Yard steht sie unter dem Verdacht der Korruption. Ob Brooks von den Abhörpraktiken gewusst oder gar daran beteiligt gewesen war, ist bisher unklar.




Früherer Reporter von "News of the World" tot aufgefunden

Ein früherer Schreiber der "News of the World", Sean Hore, ist am Montag tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Der Reporter hatte als erster öffentlich von den Praktiken der Zeitung gesprochen. Die britische Polizei schließt ein Gewaltverbrechen derzeit aus.

Tagesthema auf DRadio Wissen

DRadio Wissen hat einen Themenkomplex zum Fall Murdoch aufgesetzt. Darin finden sich unter anderem ein Gespräch mit dem Journalisten und Murdoch-Biografen Wolfgang Koschnick sowie ein Interview mit dem Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister

Links bei dradio.de:

Audiobeitrag zu Rupert Murdochs Rolle in den USA

Die Nähe zwischen Labour und Murdoch (Europa heute vom 19. Juli 2011)

Zu den Gemeinsamkeiten von Leo Kirch und Rupert Murdoch (Markt und Medien vom 16. Juli 2011)

Zum Ende von "News of the World" (Markt und Medien vom 9. Juli 2011)

Medienjournalist Steffen Grimberg über die Macht der britischen Presse (Fazit, 18. Juli 2011)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Länderzeit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

CDU nach der Niedersachsen-Wahl"Wir haben einen Gestaltungsauftrag für Niedersachsen"

Ulf Thiele, Generalsekretär der niedersächsischen CDU, spricht am 16.10.2017 während einer Pressekonferenz vor der Sitzung des Landesvorstandes der CDU in Hannover (dpa / Hauke-Christian Dittrich)

Die niedersächsische CDU sieht trotz der Wahlniederlage den Auftrag der Wähler, einen Beitrag zur Bildung einer stabilen Landesregierung zu leisten. Der Generalsekretär der Landes-CDU, Ulf Thiele, sagte im Dlf, neben einer möglichen Großen Koalition halte seine Partei sich auch die Option einer Koalition mit FDP und Grünen offen.

Nach der Wahl in NiedersachsenLindner: FDP hat nicht die Verantwortung für Regierungsbildung

FDP-Chef Lindner sprach auf der Abschlusskundgebung in Düsseldorf (Ina Fassbender / dpa)

FDP-Parteichef Christian Lindner hat die Entscheidung seiner niedersächsischen Parteikollegen, einer Landesregierung mit SPD und Grünen nicht beizutreten, verteidigt. Man wolle kein Mehrheitsbeschaffer für Rot-Grün sein, sagte er im Dlf. Zudem könne man als kleinster Partner in einer Koalition keinen Politikwechsel herbeiführen.

In der politischen Landschaft fehlt Gerechtigkeit Es gibt Bedarf für die Sozialdemokratie!

Bei einer Veranstaltung hält ein Zuschauer ein Transparent hoch: "SPD-Mitglied sucht soziale Gerechtigkeit" (imago / Michael Täger)

Die Sozialdemokratie ist in der Krise, meint der Journalist Stephan Hebel. Dabei gibt es eine klaffende Lücke in der politischen Landschaft, die sie wie keine andere Kraft besetzen könnte und sollte.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Verfassungsgericht  Karlsruhe weist Anträge von EZB-Kritikern ab | mehr

Kulturnachrichten

Konzeptkünstler Pawlenski in Psychatrie verlegt  | mehr

 

| mehr