Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mursi legt offiziellen Amtseid ab

Neuer ägyptischer Präsident kündigte zuvor Kampf um seine Befugnisse an

Präsidentschaftskandidat Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / Romain Beurrier)
Präsidentschaftskandidat Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / Romain Beurrier)

Der erste frei gewählte Präsident Ägyptens, Mohammed Mursi, ist heute offiziell vereidigt worden. Bereits gestern hatte er auf dem Kairoer Tahrir-Platz einen symbolischen Amtseid abgelegt und damit den regierenden Militärrat herausgefordert.

Vor dem Verfassungsgericht in Kairo hat Mohammed Mursi seinen Amtseid abgelegt. Darin versprach der Islamist Loyalität zur republikanischen Staatsordnung, zu den Gesetzen und zur Verfassung. Der Amtsantritt markiere "die Geburt der zweiten Republik", sagte ein Verfassungsrichter bei der Zeremonie.

Bereits gestern hatte Mursi auf dem Kairoer Tahrir-Platz, dem Schauplatz der größten Demonstrationen der Revolution im vergangen Jahr, einen symbolischen Amtseid abgelegt. Vor zehntausenden Anhängern versprach er, für das Volk zu kämpfen. "Ich fürchte niemanden außer Gott", sagte Mursi und öffnete dabei sein Jackett, um zu zeigen, dass er darunter keine schusssichere Weste trug.

Sein symbolischer Amtseid einen Tag vor der offiziellen Vereidigung heute war eine klare Kampfansage an den Militärrat: Die Macht des Volkes stehe über allem und niemand könne dem Präsidenten seine Befugnisse nehmen, sagte Mursi an die Generäle gerichtet. "Ich versichere euch, ich werde keine der Befugnisse des Präsidenten aufgeben", versprach er seinen Anhängern. "Ich kann es mir nicht leisten. Ich habe nicht das Recht dazu." Der Militärrat hatte sich noch vor Bekanntgabe der Ergebnisse der Stichwahl um das Präsidentenamt mit einer Übergangsverfassung wichtige Machtbefugnisse gesichert und damit die Stellung des Staatsoberhaupts geschwächt.

Mursi versprach Fortsetzung der Revolution

Einer direkten Konfrontation mit den Generälen ging Mursi aber vorerst aus dem Weg. Wie vom Militärrat gewünscht hat er erst heute vor dem Obersten Verfassungsgericht des Landes den offiziellen Amtseid ablegen. Allerdings versprach Mursi seinen Anhängern eine Fortsetzung der Revolution an und bekräftigte, dass er der Anführer der Revolution sei.

"Wir lieben dich, Mursi", riefen zahlreiche Menschen. Andere skandierten an den Vorsitzenden des Militärrats, Feldmarschall Hussein Tantawi, gerichtet: "Oh Marschall, sag die Wahrheit, ist Mursi dein Präsident, oder nicht?"

Mursi ist der erste Präsident Ägyptens seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak. Die Wahlkommission hatte ihn am Sonntag zum Sieger der Stichwahl erklärt. Er setzte sich gegen Ex-Regierungschef Ahmed Schafik durch. Mursi wollte seinen Eid ursprünglich vor dem Parlament ablegen. Die von den Muslimbrüdern dominierte Volksvertretung wurde jedoch vom Obersten Gericht für ungültig erklärt.

Mehr zum Thema:
"Mursi hat eine gute Vergangenheit" - Ägyptische Politikwissenschaftlerin über den Muslimbruder und neuen Präsidenten Mohammed Mursi
Kein Kurswechsel der Muslimbrüder zu erwarten - Islamwissenschaftlerin über Ängste und Hoffnungen nach der Wahl Mursis zum neuen Präsidenten Ägyptens
"Die meisten Ägypter finden sich nicht in dieser Wahl" - Politologin über die zweite Runde der Präsidentenwahl in Ägypten
Ägyptische Aktivistin: Jeder Wahlgewinner wäre eine "Marionette" - Dina Abouelsoud über die Abstimmung für das Präsidentenamt in ihrem Land
Ägyptens neuer Präsident auf Militär angewiesen - EU fordert von Mursi Einsatz für mehr Demokratie

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Deutschlandfunk Radionacht

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Loveparade-KatastropheNotwendiges Neuland

Eine Gedenkstätte für das Loveparade-Unglück in Duisburg.  (dpa/Monika Skolimowska)

Die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von vor sechs Jahren sei in ein unwürdiges Schwarzer-Peter-Spiel ausgeartet, kommentiert Moritz Küpper. Warum nicht den Teufelskreis durchbrechen und eine unabhängige Untersuchungskommission einsetzen? Das wäre Neuland - und ein Zeichen an die Opfer.

Medienreform in PolenWackelt die vierte Gewalt im Staat?

Demonstration gegen Polens umstrittenen Medien- und Justizgesetze in Brüssel am 18. Januar 2016. (picture alliance / dpa  - Laurent Dubrule)

Die amtierende PiS-Regierung in Polen plant für den 1. Juli eine Reform der Medien. Die öffentlichen-rechtlichen Medien sollen in nationale verwandelt werden. Wegen internationaler Kritik hat die Regierung die Reform auf 2017 verschoben.

Darknet und Deep WebWarum Anonymität im Netz wichtig ist

Eine Illustration, bei der ein Mann im Hasso-Plattner-Institut in Potsdam (Brandenburg) eine Hand auf einen Bildschirm mit dem visualisierten, weltumspannenden Internet hält. (dpa / Ralf Hirschberger)

Der Journalist und Autor Alexander Krützfeldt hält es für falsch, nach den jüngsten Gewalttaten nun die Möglichkeiten zu begrenzen, anonym im Internet zu surfen. Solche Software sei wichtig für Dissidenten, NGOs und Reporter, sagte er im DLF.

Unruhe vor Parteitag der DemokratenHat die Parteispitze Clinton bevorzugt?

Arbeiter bereiten den Saal im Wells Fargo Center in Philadelphia für den National Convention der US-Demokraten vor. (picture-alliance/ dpa/ epa/ CJ Gunther)

Ex-Außenministerin Hillary Clinton will ins Weiße Haus. Der Nominierungsparteitag der Demokraten in Philadelphia soll deshalb zu einer machtvollen Demonstration der Einheit werden. Doch ausgerechnet jetzt sorgen pikante und geleakte E-Mails aus dem Kreis der Parteispitze für Unruhe.

Autorin Stefanie SargnagelZwischen Depression und Größenwahn

Die Autorin Stefanie Sargnagel (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Ihre literarische Karriere begann auf Facebook, ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte sie dieses Jahr mit einer Einladung zu den Bachmann-Tagen in Klagenfurt. Die Österreicherin Stefanie Sargnagel gilt als Kult-Autorin. Wir reden mit ihr über Depression und Größenwahn.

SchönheitsidealHilfe, mein Kinn ist nicht männlich!

Wenn ihr im Netz nach "Plastischer Chirurgie" sucht, findet ihr neben Nasen und Brüsten immer mehr Diskussionen über das Kinn. Junge Männer fragen sich: Sollte ich über ein Kinnimplantat nachdenken? DRadio Wissen hilft euch.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Japan  Zahlreiche Tote und Verletzte bei Messerattacke | mehr

Kulturnachrichten

Schärfere Kontrollen bei Konzerten  | mehr

Wissensnachrichten

Anti-Ransomware-Programm  Europol gegen Netz-Erpressungen | mehr