Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mursi lehnt Eingreifen in Syrien ab

Bei Konferenz islamischer Staaten kommt es zu einem historischen Besuch

Ägyptens Präsident Mursi eröffnete die Konferenz der islamischen Staaten in Kairo (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)
Ägyptens Präsident Mursi eröffnete die Konferenz der islamischen Staaten in Kairo (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat heute in Kairo die Konferenz der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) eröffnet. Unter den Teilnehmern der Tagung ist bemerkenswerterweise auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

In seiner Eröffnungsrede sprach sich Mohammed Mursi gegen eine militärische Intervention in Syrien aus. Neben Syrien ist das zweite große Thema der Konferenz der Konflikt in Mali. Die Meinungen zum französischen Militäreinsatz waren auf einer Sondersitzung sehr unterschiedlich. Der Senegal begrüßte das Eingreifen Frankreichs, während Ägypten und einige andere arabische Staaten das Vorgehen kritisierten.

Mursi beklagte außerdem das schlechte Ansehen des Islams in vielen Ländern der Welt und erklärte, Ägypten wolle stärker mit den islamischen, arabischen und afrikanischen Staaten zusammenarbeiten. An dem Treffen in Kairo nehmen 30 Staatschefs bzw. ihre Vertreter aus Mitgliedstaaten der OIC teil.

Erster Besuch eines iranischen Staatschefs in 30 Jahren

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad bei einer Rede vor Militärs. (AP)Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad sorgte für Aufsehen (AP)Schon gestern war Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad in Kairo eingetroffen und hatte mit seinem Besuch für Aufsehen gesorgt. Seit über 30 Jahren war kein iranischer Staatschef mehr nach Ägypten gereist - die Staaten galten seit der Revolution im Iran 1979 als verfeindet. Seit Mursis Amtsantritt scheinen sich die beiden Länder jedoch wieder anzunähern. Und das, obwohl sie in wichtigen Fragen wie dem Bürgerkrieg in Syrien unterschiedliche Meinungen vertreten.

Ahmadinedschad ist einer der wenigen Verbündeten von Syriens Regierungschef Baschar al-Assad, während Mursi als einer seiner größten Kritiker gilt. Syriens Mitgliedschaft in der Organisation war im vergangenen Jahr wegen fast einstimmiger Kritik am Bürgerkrieg sogar ausgesetzt worden, berichtet Björn Blaschke im Deutschlandradio Kultur.

Mursi: Opposition soll sich zusammentun

In seiner Eröffnungsrede rief Mursi die oppositionellen Gruppen in Syrien auf, an einem Strang zu ziehen. Diejenigen, die bisher nicht mit der Syrischen Nationalen Koalition kooperierten, sollten sich mit dem Bündnis zusammentun und gemeinsam an der Einführung der Demokratie arbeiten, sagte er. Die Nationale Koalition wird von etlichen Staaten als legitime Vertretung des syrischen Volks anerkannt. Außerdem forderte Mursi die syrische Führung auf, die "Lehre der Geschichte" anzunehmen: "Diejenigen, die ihre persönlichen Interessen über die Interessen der Völker stellen, werden am Ende gehen müssen", sagte er. Mursi hatte Assad bereits mehrmals zum Rückzug aufgefordert.

Bis morgen soll auf dem Treffen noch über die Besatzungspolitik Israels in den palästinensischen Gebieten diskutiert werden, über die humanitäre Situation in einigen der Mitgliedstaaten sowie über die mögliche verstärkte Kooperation der Länder in den Bereichen Kultur und Wissenschaft. Auch um anhaltende Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten soll es gehen.

Regierungsumbildung in Tunesien geplant

Tunesier demonstrieren anlässlich der Ermordung des Oppositionspolitikers Chokri Belaid in Tunis (picture alliance / dpa)Tunesier demonstrieren anlässlich der Ermordung des Oppositionspolitikers Chokri Belaid in Tunis (picture alliance / dpa)Der tunesische Staatschef Moncef Marzouki hatte wegen der Ermordung des tunesischen Oppsitionspolitikers Chokry Belaid seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Belaid, Politker der linken Partei "Bewegung der demokratischen Patrioten", war am Morgen von einem unbekannten Mann mit drei Kugeln erschossen worden. Ein Komplize stand für die Flucht mit einem Motorrad bereit. Ministerpräsident Hamadi Jebali kündigte deshalb am Abend an, eine Regierung aus unabhängigen Technokraten zu bilden. In einer Fernsehansprache sagte er, diese solle ein "beschränktes Mandat zur Führung der Geschäfte des Landes bis zur Abhaltung von Wahlen binnen kürzester Frist" haben.


Mehr auf dradio.de:

Merkel mahnt Einhaltung der Menschenrechte in Ägypten an - Präsident Mursi lobt in Berlin die Beziehungen zu Deutschland
Die Lage in Ägypten ist nicht schlechter "als zu Zeiten Mubaraks" -SPD-Außenpolitiker Klaus Brandner über Mursis Rede in Berlin
"Die ideologischen Differenzen beider Seiten sind sehr groß" - Politologe sieht US-Präsident Obama im Atomkonflikt mit dem Iran unter Zugzwang

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:10 Uhr Marktplatz

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 11:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Islamexperte Ahmad Mansour"Antisemiten sind selbstbewusster geworden"

Ahmad Mansour, Psychologe und Programmdirektor der European Foundation for Democracy (Imago / Jens Jeske)

Der Islamexperte Ahmad Mansour fordert ein nationales Konzept für den Umgang mit Antisemitismus. Judenfeinde seien selbstbewusster geworden und hätten weniger Hemmungen sich zu äußern, sagte der Psychologe im Dlf. Den aktuellen Antisemitismus hält er für herkunftübergreifend.

Vor 30 Jahren Warum ein Verkehrsunfall zur Gründung der Hamas führte

Anhänger der Hamas demonstrieren am 14.12.2016 in Gaza-Stadt. (dpa / EPA / Mohammed Saber)

Ein tragischer Verkehrsunfall und Gerüchte waren der Auslöser für die Gründung der Hamas am 14. Dezember 1987. Seitdem kämpft die radikal-islamische Bewegung für das palästinensische Volk und "seine Freiheit, seine Rückkehr und seine Unabhängigkeit im Namen Gottes".

Anke Engelke über "Sowas wie Angst"Gefühle sind stärker als Statistiken

Die Schauspielerin und Autorin Anke Engelke schaut 01.12.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) nach einem dpa-Gespräch im die Kamera. (zu dpa «Anke Engelke: «Habe mich als Kind schon supergern verkleidet»» vom 03.12.2017) Foto: Henning Kaiser/dpa | Verwendung weltweit (dpa)

In einer WDR-Dokumentation macht sich die Schauspielerin und Moderatorin Anke Engelke auf die Suche nach der Angst in unserer Gesellschaft. Sie sagt, die Kriminalstatistik könnte einem eigentlich die Angst nehmen, aber bei Vielen seien die Gefühle eben stärker.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Piketty-Studie  Einkommensverteilung wie 1913 | mehr

Kulturnachrichten

Tenor Bruce Rankin verstorben  | mehr

 

| mehr