Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mutmaßlicher Boston-Attentäter angeklagt

19-Jährigem droht die Todesstrafe

Dschochar Zarnajew (links) und sein Bruder auf einer vom FBI veröffentlichten Aufnahme (picture alliance / dpa /FBI)
Dschochar Zarnajew (links) und sein Bruder auf einer vom FBI veröffentlichten Aufnahme (picture alliance / dpa /FBI)

Die Staatsanwaltschaft hat den mutmaßlichen Attentäter von Boston angeklagt. Wie US-Justizminister Holder erklärte, lautet der Vorwurf auf Einsatz von Massenvernichtungswaffen mit Todesfolge. Dem 19-Jährigen droht damit die Todesstrafe.

Er werde nicht als "feindlicher Kämpfer" behandelt, sondern bekomme ein Zivilverfahren, teilte ein Sprecher des Weißen Hauses mit. Dschochar Zarnajew komme nicht vor ein Militärgericht, sondern bekomme ein Zivilverfahren. Damit hat er das Recht zu schweigen und einen Anwalt zu seinem ersten Verhör hinzuzuziehen.

Grund für die Anklage sei der Gebrauch von Massenvernichtungswaffen beim Boston Marathon, teilte Justizminister Eric Holder mit. Dies sei dem 19-jährigen Zarnajew im Krankenhaus eröffnet worden. Ihm droht nun die Todesstrafe.

Dschochar Zarnajew und sein Bruder Tamerlan gelten als Hauptverantwortliche des Bombenanschlags auf den Boston-Marathon. Außerdem sollen sie später einen Polizisten erschossen haben. Tamerlan Zarnajew wurde bei einem Schusswechsel während der Fahndung getötet. Der 19-jährige Zarnajew kann wegen einer Schusswunde am Hals nicht sprechen und kommuniziert daher schriftlich mit der Polizei. Er befindet sich nach Behördenangaben in einem ernsten, aber stabilen Zustand. Vor einer Woche soll er gemeinsam mit seinem 26 Jahre alten Bruder Tamerlan den Doppel-Anschlag auf den Bostoner Marathon verübt haben, bei dem drei Menschen getötet und rund 180 weitere verletzt worden waren.

Gedenkfeier am Abend

Unterdessen ist das erste der drei Todesopfer beigesetzt worden. Hunderte Trauergäste verabschiedeten sich von der 29-Jährigen Krystle Campbell in ihrer Heimatstadt Medford. Außer ihr starben ein achtjähriger Junge und eine Studentin. Die Menschen in Boston gedachten der Opfer - genau eine Woche nach den Anschlägen beim Marathon. Nach einer Schweigeminute um 14.50 Uhr (Ortszeit), dem Zeitpunkt der ersten Explosion, läuteten im gesamten Staat Massachusetts Glocken. Auch US-Präsident Barack Obama nahm von seinem Amtssitz in Washington aus an der Schweigeminute teil.

Kritik am FBI wird lauter

Die US-Bundespolizei FBI gerät derweil immer mehr in die Kritik. Sie soll Hinweise aus Russland auf den getöteten Bruder nicht ernst genommen haben. Die Kongressabgeordneten Michael McCaul und Peter T. King sprachen von einem «geheimdienstlichen Versagen», wie die «New York Times» berichtete.

Der getötete Tamerlan Zarnajew sei bereits der fünfte Verdächtige seit den Anschlägen vom 11. September 2001, dem Verstrickungen in einen terroristischen Angriff vorgeworfen würden, während er unter FBI-Beobachtung stehe, hieß es. Das FBI hatte Tamerlan als «radikalen Islamisten» im Visier und auf Wunsch einer ausländischen Regierung überprüft. Laut US-Medien bestätigte die Behörde inzwischen, dass es sich dabei um Russland gehandelt habe.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

"Gefasst! Die Jagd ist vorbei" - Bostoner Polizei erklärt Tätersuche per Twitter vorerst für beendet

Amerika "hat sich wieder erfahren in der Solidarität" - Politologe über die Folgen des Attentats von Boston

Der Krieg gegen den Terror ist nicht vorbei - Nach Boston bleiben viele Fragen offen



Mehr bei deutschlandradio.de

 

Externe Links:

Bericht New York Times

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:10 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 09:00 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 09:00 Uhr Nachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 06:30 Uhr Hielscher oder Haase

Aus unseren drei Programmen

ItalienBeppe Grillos Jagd auf den Killer-Journalismus

Beppe Grillo, der Anführer der "5-Sterne"-Bewegung, wirbt am 2. Dezember 2016 in Turin für ein "Nein" beim Referendum über eine Verfassungsreform in Italien. (dpa / picture alliance / ANSA / Alessandro Di Marco)

Roms Bügermeisterin Virginia Raggi war angetreten, die Regierungsfähigkeit von Beppo Grillos Fünf-Sterne-Bewegung zu demonstrieren. Doch stattdessen sorgt sie fast täglich für schlechte Presse. Grillo macht dafür einen Killer-Journalismus verantwortlich. Nun stellt er besonders verhasste Medienvertreter gezielt an den Pranger.

Zur Merkel-Kritik von Walter Kohl"Man schaut in einen fürchterlichen Abgrund"

Der Unternehmer und Coach Walter Kohl ist der älteste Sohn von Altkanzler Helmut Kohl. (dpa/picture-alliance/Inga Kjer)

Walter Kohl beschuldigt die Kanzlerin Angela Merkel, Anteil am Tod seiner Mutter zu haben. Der älteste Sohn von Hannelore und Helmut Kohl kritisiert Merkels Umgang mit der CDU-Parteispendenaffäre. Unser Kollege Stephan Detjen sieht die Aussagen als Ausdruck zerrütteter Familienverhältnisse.

KorruptionsregisterEin Gesetzentwurf ohne große Chancen

Bauarbeiter errichten ein Stahlgeflecht in Brandenburg.  (dpa-Bildfunk / Patrick Pleul)

Das Bundeswirtschaftsministerium will Unternehmen, die durch Korruption und andere Delikte auffällig wurden, von öffentlichen Aufträgen ausschließen. Das soll über ein Wettbewerbsregister geschehen. Volker Finthammer meint: Angesichts der vielen Parallelen mit früheren Versuchen liege die Vermutung nahe, dass auch dieser Vorstoß ins Leere laufe.

Lohme auf RügenBürgermeister kämpft für ein zweites Sylt

Der Bürgermeister der Gemeinde Lohme auf Rügen, Matthias Ogilvie: Er und seine Mitstreiter wollen einen Investor im Ort ein Hotel mit "Medical Spa" bauen lassen. Außerdem Appartements, Wohnhäuser und  (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)

Ein großartiger Blick von der Steilküste - der lässt sich doch vermarkten! In dem hoch verschuldeten Dorf Lohme auf Rügen tobt der Streit um ein neues Wellness-Zentrum, das Touristen in Massen anlocken soll. Wird sich der Bürgermeister aus dem Westen durchsetzen können?

Themenreihe Mittelpunkt MenschLehrer und blind

(Deutschlandradio / Jan Lehmann)

Martin Park erkennt jeden seiner Schüler an der Stimme. Denn sehen kann er sie nicht: Der Französisch- und Erdkundelehrer ist blind. Dass er trotz seiner Behinderung an einem Gymnasium unterrichten kann, verdankt er seinem Biss - aber auch Menschen, die ihm etwas zugetraut haben. Für ihn bedeutet Inklusion daher: Fordern, aber auch gefordert werden.

KARNEVAL UND FASCHINGFest für Herpes und Geschlechtskrankheiten

Heute beginnt in den Faschings-, Fastnachts- und Karnevalshochburgen die ganz heiße und sündige Zeit: Es wird gesoffen, geknutscht und gefummelt. Doch Vorsicht: Auch Herpesviren und Geschlechtskrankheiten lieben die tollen Tage.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkischer Wahlkampf  Bosbach (CDU) gegen Erdogan-Auftritt in Deutschland | mehr

Kulturnachrichten

Der "César" gibt sich die Ehre  | mehr

Wissensnachrichten

Artenschutz  Hunde spüren Geparden auf | mehr