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Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher László Csatáry festgenommen

Der 97-Jährige plädiert auf "nicht schuldig"

László Csatáry: Polizeichef von Košice in der NS-Zeit (picture alliance / dpa)
László Csatáry: Polizeichef von Košice in der NS-Zeit (picture alliance / dpa)

Die ungarische Polizei hat den mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher László Csatáry festgenommen. Nach dem Krieg tauchte er jahrzehntelang unter. Er soll für die Deportation von bis zu 16.000 Juden ins Konzentrationslager Auschwitz verantwortlich sein.

László Csatáry bestritt bei seiner Befragung durch die Staatsanwaltschaft, schuldig zu sein. Er habe nur seine "Pflicht getan" und als Polizeichef während der Nazizeit "nur Befehle erfüllt", sagte der 97-Jährige kurz nach seiner Festnahme.

László Csatáry: Polizeichef von Košice in NS-Zeit

Während des Zweiten Weltkriegs war Csatáry Polizeikommandant eines jüdischen Gettos in der ungarischen, heute zur Slowakei gehörenden Stadt Kaschau (heute Košice). Csatáry soll an der Deportation von 15.700 Juden in das Konzentrationslager Auschwitz mitgewirkt haben. Außerdem wirft ihm die Budapester Staatsanwaltschaft Folter vor. Er soll in dem Getto Juden misshandelt und Frauen ausgepeitscht haben.

"Sun"-Reporter spürten Csatáry auf

Erst am vergangenen Sonntag war bekannt geworden, dass Csatáry seit 17 Jahren unbehelligt unter seinem echten Namen in Budapest lebt. Ein Reporterteam der britischen Zeitung "The Sun" hatte den 97-Jährigen in der ungarischen Hauptstadt ausfindig gemacht. Er lebte in einer Zweizimmerwohnung in einem noblen Stadtteil Budapests. Die Reporter fotografierten und filmten den mutmaßlichen Kriegsverbrecher. Mit den Vorwürfen konfrontiert, stritt der er die Anschuldigungen ab.

Efraim Zuroff, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem (dpa / picture alliance / Bea Kallos)Efraim Zuroff, Direktor des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem (dpa / picture alliance / Bea Kallos)Bei ihren Recherchen hat sich die "Sun" auf Informationen des Simon-Wiesenthal-Zentrums gestützt. Die jüdische Menschenrechtsorganisation selbst hatte Tipps erhalten, nachdem sie die "Operation Letzte Chance" ins Leben gerufen habe, mit der Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg noch vor ihrem Ableben zur Rechenschaft gezogen werden sollen.

Flucht nach Kanada und Ungarn

Nach dem Krieg gelang László Csatáry im Jahr 1949 die Flucht nach Kanada, wo er viele Jahre unter anderem in Montreal und Toronto unter falscher Identität als Kunsthändler arbeitete. In Abwesenheit wurde er bereits 1948 in der Tschechoslowakei zum Tode verurteilt. Als er von den kanadischen Behörden enttarnt wurde, setzte er sich nach Ungarn ab. Vor seiner Flucht hatte er vor kanadischen Ermittlern seine Beteiligung an der Deportation von Juden eingeräumt, seine Rolle aber als "begrenzt" bezeichnet.

Anklage nach 70 Jahren

Fast 70 Jahre nachdem Csatáry an der Deportation von Tausenden Juden in das Konzentrationslager Auschwitz beteiligt gewesen sein soll, wird er nun zu seiner Vergangenheit befragt. Laut der Staatsanwaltschaft könnte Csatáry angesichts seines hohen Alters vorerst das Gefängnis erpart bleiben und ein Hausarrest verhängt werden. Das bedeutet, die ungarischen Behörden nehmen ihm den Reisepass ab und er kann das Land nicht verlassen.

Mehr zum Thema:
"Sun"-Reporter spüren Kriegsverbrecher Csatáry in Budapest auf
Es geht darum, "noch an das Wissen dieser alten Menschen heranzukommen"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:55 Uhr

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