Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Mutmaßlicher Täter offenbar christlicher Fundamentalist

Doppelanschlag in Norwegen fordert mindestens 92 Tote

Norwegen trauert um die Opfer der Anschläge (picture alliance / dpa)
Norwegen trauert um die Opfer der Anschläge (picture alliance / dpa)

Ein 32-jähriger Norweger soll für die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya verantwortlich sein. Der festgenommene Mann soll Verbindungen zur rechtsradikalen Szene und einen christlich-fundamentalistischen Hintergrund haben. Die Polizei sucht nach einem zweiten Täter.

Er kommt aus Oslo, ist 32 Jahre alt und vertritt rechte und islamfeindliche Ansichten: Norwegens Polizei hat einen Mann festgenommen, der für die Anschläge mit mindestens 92 Toten verantwortlich sein soll. Bei einer Bombenexplosion in Oslo starben am Freitag sieben Menschen, kurz darauf soll der Verdächtige auf der Fjordinsel Utøya das Feuer eröffnet und mindestens 85 Teilnehmer eines Jugendlagers getötet haben.

Mit Details über den mutmaßlichen Täter halten sich die Behörden bislang bedeckt. Nach Medienberichten soll er christlich-fundamentalistischem und rechtsextremem Gedankengut anhängen. Er soll zwei legale Waffen besessen haben und Mitglied in einem Schützenverein gewesen sein. In Internetforen hat der Verdächtige offenbar Dutzende islamkritische und nationalistische Beiträge verfasst.

Auf seiner Facebook-Seite beschrieb sich der Mann als christlich und konservativ. Als Vorbild nennt er Winston Churchill, zu seinen Lieblingsbüchern zählt er Immanuel Kants "Kritik der reinen Vernunft" und "Der Wohlstand der Nationen" von Adam Smith. Norwegens rechtspopulistische Fortschrittspartei FrP bestätigte, der Verdächtige sei zwischen 1999 und 2006 ihr Mitglied gewesen.

Über den Kurznachrichtendienst Twitter schrieb der Mann: "Ein Mensch mit einem Glauben hat die Kraft von 100.000, die nur Interessen haben." Der Eintrag stammt vom 17. Juli - fünf Tage vor den Anschlägen.

"Er wollte so einen Anschlag machen, er hat eine Ideologie gehabt und er hat sich sicher als Held und Einzeltäter gesehen", sagte der WDR-Journalist und Rechtsextremismusexperte Wolfgang Kapust (mp3-Audio) im Deutschlandfunk.

Mehr als 45 Minuten schießt der Täter auf Jugendliche

Wie Augenzeugen berichten, machte der mutmaßliche Täter auf der Insel Utøya am Freitagnachmittag über eine Dreiviertelstunde Jagd auf die Teilnehmer eines Ferienlagers der norwegischen Jungsozialisten. Dabei wurden mindestens 85 Menschen getötet. Spezialkräfte nahmen den Mann fest, in der Nacht wurde er verhört, seine Wohnung wurde durchsucht. Der 32-Jährige soll bereit zur Aussage sein.

Die Polizei fahndet inzwischen nach einem zweiten Täter, der an dem Massaker beteiligt gewesen sein könnte. Bislang waren die Behörden von einem Einzeltäter ausgegangen. Nach Polizeiangaben gibt es aber übereinstimmende Zeugenaussagen, wonach es einen zweiten Täter geben soll.

Verdächtiger kaufte sechs Tonnen Kunstdünger

Den Bombenanschlag in Oslos Regierungsviertel hat der mutmaßliche Täter möglicherweise mit Hilfe eines Kunstdüngersprengsatzes ausgeführt. Ein norwegischer Großhändler bestätigte, man haben dem Verdächtigen seit dem Frühjahr sechs Tonnen Dünger verkauft.

Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg besuchte den Unglücksort auf der Ferieninsel Utøya, um sich ein Bild von der Katastrophe zu machen. Die Anschläge bezeichnete er als nationale Tragödie. Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg sei sein Land von einem Verbrechen dieses Ausmaßes getroffen worden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief dazu auf, gemeinsam gegen Ausländerfeindlichkeit und Fremdenhass einzustehen. Sie habe Norwegens Premier Stoltenberg am Telefon ihre Anteilnahme ausgedrückt.


Programmtipp: Die Sendung "Hintergrund" des Deutschlandfunks wird heute ab 18:40 Uhr einen ausführlichen Beitrag zu den Anschlägen in Norwegen senden: "Angst, Blut und Tränen – Nach dem Anschlag in Oslo"

Mehr zum Thema bei dradio.de:

Sicherheitsforscher Peter Burgess: Das ganze Land steht unter Schock

Der Konflikt- und Friedensforscher Johan Galtung über die Anschläge in Norwegen


[url=http://www.dradio.de/aktuell/1510781/bilder/image_main/ title="Weitere Bilder der Explosion in Oslo" target="_self]Weitere Bilder

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:43 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Musiktag

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Jens Spahn (CDU)"Rechtliche Hürden für Abschiebungen abbauen"

Jens Spahn, CDU-Präsidiumsmitglied (picture alliance / Rolf Vennenbernd / dpa)

Jeder, der nicht vor Krieg und Verfolgung flüchte, müsse wieder aus Deutschland ausreisen, sagte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn im Deutschlandfunk. Dafür müssten auch rechtliche Hürden für Abschiebungen abgebaut werden, wie sie etwa durch ärztliche Atteste entstünden.

Big Data und PsychometrieInternetdaten als Wahlkampfhelfer?

Donald Trump während seiner Rede in New York nach seinem Wahlsieg bei der US-Präsidentschaftswahl (AFP/ Mandel Ngan)

Hat Donald Trump den US-Wahlkampf aufgrund der gezielten Auswertung von Internet-Profilen gewonnen? Ein Artikel aus dem Magazin des Schweizer Tagesanzeigers legt genau das nahe. Für den Netzaktivisten Markus Beckedahl greift die Erklärung allerdings zu kurz.

SCHNELLER AN DER KASSESpeed-Shopping

Immer erwischt ihr die langsamste Schlange im Supermarkt? Wir haben uns schlau gemacht, wie es wirklich schneller an der Kasse geht.

Entschädigungs-Urteil für AtomkonzerneTrittin: "Krachende Niederlage" für Ausstiegsgegner

Der frühere Umweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) (picture alliance / dpa / Bernd Thissen)

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Entschädigungen für Energiekonzerne grundsätzlich begrüßt. Die Entscheidung sei eine "krachende Niederlage" für diejenigen, die versucht hätten, den Atomausstieg für verfassungswidrig zu erklären, sagte Trittin im DLF.

FrauenrechteEine freie Frau treibt nicht ab

Frauen demonstrieren für das Recht auf Abtreibung in Warschau. (imago/Pacific Press Agency)

Tausende von Frauen gehen für ihre Selbstbestimmung, etwa in Polen, auf die Straße. Radikale Konservative fürchteten, dass sie ohne staatliche oder kirchliche Kontrolle ihre Babys töten würden, sagt Gesine Palmer. Dabei würden wirklich freie Frauen anders entscheiden.

Mordfall Freiburg"Man darf nicht den Umkehrschluss ziehen, dass alle so drauf sind"

Freiburgs Oberbürgermeister Salomon (Bündnis 90/Die Grünen) (Imago / Winfried Rothermel)

Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon hat nach dem Mord an einer Studentin in seiner Stadt vor Pauschalurteilen gewarnt. Tatverdächtig ist ein junger Mann aus Afghanistan. Man dürfe Probleme nicht verschweigen, etwa beim Frauenbild von Flüchtlingen. Aber die Reaktionen in sozialen Netzwerken seien "ekelerregend", sagte Salomon im DLF.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Parteitag  CDU will strengeren Kurs in der Asylpolitik | mehr

Kulturnachrichten

Teil des Mailänder Ricordi-Archivs ist online einsehbar  | mehr

Wissensnachrichten

Ernährung  Männer essen in Gesellschaft mehr | mehr