Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nach dem Abgang des Cavaliere

Serie: "Quo vadis, Italien?" Wie geht es weiter mit Berlusconis Imperium?

Von Kirstin Hausen

Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi (picture alliance / dpa / Ettore Ferrari)
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi (picture alliance / dpa / Ettore Ferrari)

Was wird nun aus Silvio Berlusconis Medienimperium, jetzt, wo er nicht mehr das Sagen hat? Viele Italiener sind überzeugt: Ganz aus der Politik zurückziehen wird er sich nicht. Und dafür wird er seine Fernsehsender noch brauchen.

20 Minuten Taxifahrt trennen das Mailänder Stadtzentrum von Milano 2, der Trabantenstadt an der östlichen Peripherie, die Silvio Berlusconi vor 40 Jahren hochgezogen hat.

"Hier wohnen die gut situierten Leute, es ist schick, hier zu leben", sagt der Taxifahrer, während er durch den Ost-Eingang in eine verkehrsberuhigte Zone gleitet. Kastenförmige, gepflegte Wohnblocks, dazwischen Grünflächen, Garagen und ein künstlicher See mit Wasserfontäne als Mittelpunkt."

Das Taxi hält nicht weit von einem Bau mit verspiegelten Fenstern und Sendeantennen auf dem Dach. Die Zentrale von Mediaset, Berlusconis Reich.

"Er ist der Besitzer, aber er hat niemals Einfluss auf das Programm genommen."

Der Taxifahrer würde Berlusconi wieder an die Macht wählen. Er hält ihn für den besten Regierungschef, den Italien je hatte. Woher er das weiß? Aus den Informationssendungen von canale 5 und rete 4.

Mehrere Kameras überwachen den Mediaset-Eingang. Hier kommt niemand unbeobachtet hinein. "Bunkermentalität" nennen das die Gegner des Berlusconi-Imperiums. Und wie es scheint, hat der Patron seinen Angestellten Schweigen verordnet. Denn niemand will sich zur Zukunft seiner Fernsehsender äußern. Nur die Besitzerin des Tabacchi-Ladens um die Ecke, wo man sich mit Schokoriegeln eindeckt und Lotto spielt, ist zu einem Gespräch bereit.

"Ich verkaufe hier gut, deshalb bin ich zufrieden. Und Mediaset ist eine wirtschaftliche Realität, die nicht einfach verschwinden wird. Was immer man über Berlusconi sagt und denkt, er gibt sehr vielen Menschen Arbeit. Wenn seine Unternehmen jetzt in die roten Zahlen kommen, dann stehen bald eine Menge Leute auf der Straße."

Und das wäre auch für Paola und ihren Laden schlecht.

Eine ältere Dame kommt herein, um das Guthabenkonto ihres Handys aufzuladen. Sie wohnt seit 30 Jahren in Milano 2, und Berlusconi ist ihr fast schon ans Herz gewachsen.

"Mir hat sein Rücktritt leidgetan. Meiner Meinung nach hat er viel Gutes getan. Als er Canale 5 gründete, haben viele bei ihm Arbeit gefunden, und jetzt können wir nur hoffen, dass niemand entlassen wird."

Bisher ist davon nicht die Rede. Aber der Mediasetkonzern hat seit Jahresbeginn die Hälfte seines Börsenwertes verloren. Im Januar kostete eine Mediasetaktie mehr als vier Euro, heute nur noch zwei Euro. Das macht den stellvertretenden Präsidenten Pier Silvio Berlusconi nervös. Silvio Berlusconis Zweitgeborener arbeitet seit vielen Jahren im Unternehmen, die älteste Tochter Marina leitet den Mondadori-Verlag und ist Präsidentin der Fininvest Holding. Doch nun drängen die drei jüngeren Kinder aus Berlusconis zweiter Ehe nach. Auch sie wollen Schlüsselstellungen in den Unternehmen ihres Vaters. Noch gibt sich Barbara Berlusconi mit einem Posten im Aufsichtsrat des Fussballclubs AC Milan zufrieden, noch studiert Berlusconis jüngster Sohn Luigi. Aber ein familieninterner Machtkampf ist absehbar und für den Aktienkurs nicht das Beste. Paola aus dem Tabacchiladen in Milano 2 zeigt auf den Fernseher hinter ihrem Rücken. Es läuft Canale 5. Seine Fernsehsender wird Berlusconi noch brauchen, meint sie.

"Er wird nicht verschwinden, er wird weiter Politik machen, auch in der Opposition."



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 22:05 Uhr Spielraum

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Green goes Black

Aus unseren drei Programmen

Jesper Wung-Sung: "Weg mit Knut!"Mit der Macht der Fantasie überleben

Buchcover "Weg mit Knut!" von Jesper Wung-Sung. Im Hintergrund eine Kinderkrebsstation. (Hanser Verlag / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Ein Junge kämpft gegen den Krebs: William stellt sich in "Weg mit Knut!" der bedrohlichen Erkrankung, die er in seiner Fantasie zu einer Figur mit eigenem Namen macht. Jesper Wung-Sung erzählt diese besondere Krankheitsgeschichte sensibel und ohne Pathos.

KleidungDer Hoodie ist zurück

Der Kapuzenpulli ist wieder da - und zwar in der High Fashion und bei den Instagram Hipstern. Ursprünglich diente der Hoodie dazu Sportler warm zu halten, dann war er Lieblingspulli von HipHoppern und später von Studenten. Politische Bedeutung hat er auch. Wir sagen euch, wie ihr den Hoodie richtig stylt.

Korruption in EU-Staat"Die Rumänen vertrauen dieser Regierung nicht länger"

Die Europaabgeordnete und frühere rumänische Justizministerin Monica Macovei. (AFP / DANIEL MIHAILESCU)

Nach Ansicht der früheren rumänischen Justizministerin Monica Macovei verfügt das Land über sehr effiziente Antikorruptions-Institutionen. Das Problem: "Es gibt überhaupt keinen politischen Willen, die Korruption zu bekämpfen." Die Menschen würden deshalb weiter auf die Straße gehen, sagte Macovei im DLF.

Nudging bei FacebookSubtiles Stupsen gegen den Terror?

Eine Lupe vor einem Computer-Bildschirm mit Facebook-Logo. (picture alliance/dpa/Sergei Konkov TASS)

Facebook sucht nach Nutzern, die für Terror-Propaganda anfällig sind, und füttert sie ungefragt mit Gegendarstellungen. Geht das Unternehmen damit einer ethischen Pflicht nach oder ist das Manipulation? Das "Nudging" müsse öffentlich kontrolliert werden, fordert die Politologin Lena Ulbricht.

Wahlkampf in FrankreichFemen-Aktivistin stört Le-Pen-Veranstaltung

Eine Femen-Aktivistin störte die Pressekonferenz von Marine Le Pen. (Deutschlandradio/Anne Raith)

Es sollte eine präsidiale Pressekonferenz werden: Die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen hatte zahlreiche Granden ihrer Partei und der internationalen Politik geladen, um ihre Pläne für die Außenpolitik zu skizzieren. Doch dann stürmte eine Femen-Aktivistin die Veranstaltung.

Ausstellung "Post Peace" in Stuttgart Der Krieg in unserem Frieden

Eines der Werke aus der Ausstellung "Post-Peace" im Württembergischen Kunstverein Stuttgart: belit sağ, "Ayhan and me / Ayhan ve ben" ("Ayhan und ich"), 2016 (belit sağ)

Die Stuttgarter Ausstellung "Post-Peace" zeigt Kunstwerke, die sich damit auseinandersetzen, wie viel Krieg in unserem Frieden steckt. Der Direktor des Württembergischen Kunstvereins, Hans D. Christ, beklagt Fälle von Zensur im Kunstbetrieb.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA  Weißes Haus schließt CNN, NYT und Politico von Briefing aus | mehr

Kulturnachrichten

Unesco vereinbart Schutz von irakischen Kulturgütern  | mehr

Wissensnachrichten

Nervengift VX  Ein Milligramm kann töten | mehr