Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nach der Niedersachsen-Wahl

Rot-Grün will schnell in die Koalitionsgespräche einsteigen

Wahl in Niedersachsen: Rot-Grün hat einen hauchdünnen Vorsprung
Wahl in Niedersachsen: Rot-Grün hat einen hauchdünnen Vorsprung (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Nach dem knappen Wahlsieg von Rot-Grün bei der Landtagswahl in Niedersachsen sollen heute erste Weichen gestellt werden. Die SPD weist den Vorwurf der Blockadepolitik im Bundesrat zurück, Schwarz-Gelb müsse aber in Zukunft Kompromisse eingehen.

CDU und SPD wollen bei den Treffen in Hannover heute ihre neuen Vorsitzenden wählen. Die Grünen wollen damit noch bis zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit der SPD warten, "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es diese Woche noch losgeht", sagte die Grünen-Spitzenkandidatin Anja Piel am Montagabend bei einer Vorstandssitzung ihrer Partei.

Neue Machtverhältnisse im Bundesrat

SPD und Grüne haben bei der Wahl am Sonntag einen hauchdünnen Vorsprung von einem Mandat vor dem bislang regierenden Bündnis von CDU und FDP erlangt. Aufgrund des sich damit abzeichnenden Regierungswechsel hat Rot-Grün zusammen mit der Brandenburger Landesregierung künftig im Bundesrat über 36 von 69 Stimmen. Damit gewinnt das Lager von SPD, Grünen und Linken zusätzliches Gewicht und kann selbst den Vermittlungsausschuss anrufen und Gesetzesinitiativen blockieren.

Keine Blockadepolitik im Bundesrat

Volker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer der GrünenVolker Beck, der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen (dpa / Maurizio Gambarini)SPD-Chef Sigmar Gabriel hat den Vorwurf zurückgewiesen, SPD und Grüne würden mit ihrer neuen Mehrheit im Bundesrat auf Blockade setzen. Niemand brauche die Sorge haben, dass das linke Lager nur um des Blockierens willen Projekte der schwarz-gelben Bundesregierung ablehnen werde, sagte Gabriel am Montagabend im ZDF. Als Beispiel nannte er das umstrittene Betreuungsgeld. Die SPD werde «alles unternehmen, um dieses irrsinnige Betreuungsgeld zu verhindern». Auch bekräftigte Gabriel die ablehnende Haltung seiner Partei zum Steuerabkommen mit der Schweiz.

Auch der Grünen-Politiker Volker Beck schloss eine reine Blockadehaltung von SPD und Grünen im Bundesrat im Interview mit dem Deutschlandfunk aus. "Wir wollen die Gesetze nicht blockieren, aber wir wollen korrigieren, was wir verkehrt finden", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion. Schwarz-Gelb müsse jetzt lernen, Kompromisse einzugehen.

Linke an Rot-Grün: Gestaltungsmehrheit im Bundesrat nur mit uns

Nach der Veränderung der Machtverhältnisse im Bundesrat hat die Linke SPD und Grüne ermahnt, auf die Forderungen der Linkspartei einzugehen. "Es gibt eine rot-grün-rote Gestaltungsmehrheit", sagte Brandenburgs Finanzminister Helmuth Markov von der Linken der "Süddeutschen Zeitung". Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Frank-Walter Steinmeier, hatte zuvor angekündigt, SPD und Grüne wollten nun ihre Gestaltungsmehrheit im Bundesrat nutzen. Für eine Mehrheit in der Länderkammer sind aber auch die vier Stimmen Brandenburgs erforderlich, das von einer Koalition aus SPD und Linker regiert wird. "Steinmeier hat das Dunkelrote einfach vergessen", bemängelte Markov.

"Im Bundesrat verhandeln die Landeschefs und der Landeschef in Brandenburg ist kein Linker sondern Sozialdemokrat, der mit den Linken in einer Koalition ist und deshalb muss der uns sagen, was in seiner Koalition mehrheitsfähig ist", sagte der Grünen-Politiker Volker Beck im Interview mit dem Deutschlandfunk .

Merkel: CDU setzt jetzt auf eigene Stärke

Nach der knappen Niederlage der schwarz-gelben Regierung in Niedersachsen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag betont, ihre Partei setze auf eigene Stärke. In den Monaten bis zur Bundestagswahl im Herbst wolle sich die CDU schärfer von der FDP abgrenzen. Bei der Niedersachsen-Wahl hatte die FDP massiv von Leihstimmen der CDU-Anhänger profitiert. Letztlich reichte das jedoch nicht.

Die FDP wird nach Meinung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) bei der Bundestagswahl nicht auf Leihstimmen von Unions-Wählern angewiesen sein. «Die Situation wird sich für die FDP jetzt ändern», sagte der stellvertretende CDU-Vorsitzende am Montagabend im ZDF. Angesichts der herben Einbußen der CDU bei der Niedersachsen-Wahl sprach er sich für einen Alleingang seiner Partei aus. «Es wird keine Leihstimmen-Kampagne geben. Jeder kämpft für sich.»

Zastrow ruft FDP zu Geschlossenheit auf

Sächsischer FDP-Landes- und Fraktionschef und stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender Holger ZastrowSächsischer FDP-Landes- und Fraktionschef und stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender Holger Zastrow (picture alliance / dpa - Peter Endig)Einen Tag nach den Entscheidungen des FDP-Vorstands über die Führungsfrage sieht der stellvertretende Bundesvorsitzende Holger Zastrow einen Schlussstrich unter die parteiinterne Debatte gezogen. " In der jetzigen Situation finde ich es besser, anstatt alles auf eine Karte zu setzen, dass wir die Talente, die wir haben addieren", sagte Zastrow im Interview mit dem Deutschlandfunk. FDP-Chef Rösler habe einen uneigennützigen Vorschlag gemacht, als er dem Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl angetragen habe.

Bisher hätten sich die Freien Demokraten das Leben unnötig schwer gemacht, weil die zu sehr auf Meinungen von außen geschaut hätten: "Wir sollten als FDP aufhören unsere Politik nur anhand von Umfragen und machen Zeitungskommentar ausrichten und mehr miteinander sprechen. Wenn wir miteinander reden, verstehen wir uns auch wieder besser", so Zastrow weiter.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:05 Uhr Studio LCB

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Die besondere Aufnahme

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Stichwahl in BrasilienSchlammschlacht vor laufender Kamera

Brasiliens Staatschefin Dilma Rousseff.

Brasilien steht vor der Stichwahl um das Präsidentenamt und der Wahlkampf artet zu einer politischen Schlammschlacht aus. In den Fernsehduellen zwischen Amtsinhaberin Dilma Roussef und Herausforderer Aécio Neves lässt niemand auch nur ein gutes Haar am anderen.

Vor 58 Jahren Hitler für tot erklärt

1956. Hitler ist tot. Eigentlich schon lange. Doch erst heute vor 58 Jahren wird er offiziell von Amtsgericht Berchtesgaden für tot erklärt. Kurz zuvor sind Zeugen aus dem ehemaligen Führerbunker aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und können nun sein Ableben bezeugen.

Armin PetrasWie man das Herz der Schwaben erobert

Armin Petras, Intendant am Schauspiel Stuttgart, aufgenommen am 6.6.2013

Seit einem Jahr leitet der ehemalige Maxim-Gorki-Intendant Armin Petras das Schauspiel in Stuttgart. Es war ihm wichtig, diese neue Stadt und ihr Publikum zu erobern. Wie ihm das gelungen ist, verrät er im Interview.

Abel Gance Zwischen Heroisierung und Anklage

Der französische Regisseur Abel Gance (r) während der Dreharbeiten zu seinem Film "Napoleon" im Jahr 1926.

Vor 125 Jahren wurde der französische Filmpionier Abel Gance geboren. Er drehte den ersten Antikriegsfilm der Geschichte, später allerdings auch ein verklärendes Epos über Napoleon. Schon damals sah er im Film "das größte Medium des menschlichen Geistes".

IndienDas Milliardengeschäft mit dem Sandraub

Eine Mann watet aus dem Wasser, auf dem Rücken trägt er einen Eimer voll Sand.

Wer baut, braucht Sand. In einem Land wie Indien mit stets wachsenden Super-Metropolen ist illegaler Sandabbau ein lukratives Geschäft. Das Geld fließt schnell. Alles, was notwendig ist, sind ein Lkw und ein paar Männer. Doch wird das zum Problem für Mensch und Umwelt. 

Milliarden-Nachzahlung"Briten wussten, was auf sie zukommt"

Monika Hohlmeier, Tochter des ehemaligen Verteidigungsministers und Ministerpräsidenten von Bayern, Franz-Josef Strauß.

Die CSU-Europapolitikerin Monika Hohlmeier hat kein Verständnis für den Unmut des britischen Premiers Cameron. Er lehnt die von der EU-Kommission geforderte Nachzahlung in Höhe von 2,1 Milliarden Euro ab. Großbritannien habe selbst jahrelang von der Regelung profitiert, sagte Hohlmeier im DLF.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ukraine  beendet Wahlkampf | mehr

Kulturnachrichten

Georg-Büchner-Preis an Jürgen Becker:  Festakt im Staatstheater Darmstadt | mehr

Wissensnachrichten

Ello  Anti-Facebook schreibt Werbe-Verzicht fest | mehr