Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nach Röttgen-Rauswurf rumort es in der CDU

Union debattiert weiter über eigenen Kurs

Der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (dpa / Maurizio Gambarini)
Der ehemalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (dpa / Maurizio Gambarini)

Nach der Entlassung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen gibt es viel Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel - aus den eigenen Reihen. Es melden sich aber auch immer mehr Unterstützer von Merkels Schritt.

Aus Nordrhein-Westfalen kommt weiter Kritik am harten Kurs von Kanzlerin Merkel. Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach forderte eine Debatte über die Gründe der Wahlniederlage, derentwegen Röttgen als Landesvorsitzender bereits zurückgetreten war. Röttgens Fehler seien "nicht alleine ausschlagend gewesen", sagte der Merkel-Kritiker der "Süddeutschen Zeitung". Deshalb müsse endlich "nüchtern und gründlich" über alle Ursachen für das Desaster gesprochen werden.

Der Viersener Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer sagte den "Stuttgarter Nachrichten": "Die öffentliche Demütigung von Norbert Röttgen durch die Kanzlerin finde ich mehr als ätzend." Die Wahlkämpfer in NRW hätten gerade noch Plakate mit dem Tenor geklebt: Röttgen ist der Beste. "Und nun werden wir alle von der Kanzlerin belehrt, dass er auch im Kabinett doch nicht mehr so wichtig ist." Bereits gestern hatte die Entlassung Röttgens parteiintern für Unmut gesorgt.

Hauk: Entlassung Röttgens "nachvollziehbar"

Peter Hauk, Chef der CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg (picture alliance / dpa / Bernd Weißbrod)Peter Hauk, Chef der CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg (picture alliance / dpa / Bernd Weißbrod)Unterstützung erhielt Angela Merkel vom Chef der baden-württembergischen CDU-Landtagsfraktion, Peter Hauk. In den "Stuttgarter Nachrichten" nannte Hauk die Entlassung von Röttgen "nachvollziehbar". Der baden-württembergische Landesparteichef Thomas Strobl bezweifelte, dass "Röttgen noch die Autorität gehabt hätte, die Energiewende kraftvoll umzusetzen". CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte in der ARD: "Wir tragen diese Entscheidung zu 100 Prozent mit."

Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Bundestags-Fraktion, stellte sich im Gespräch mit dem Deutschlandradio Kultur klar an die Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Die Kanzlerin ist berechtigt, ihre Minister auszuwechseln, wenn sie davon ausgeht, dass eine gedeihliche Zusammenarbeit nicht funktioniert", sagte Fuchs.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion Johannes Singhammer hält die Entlassung von Röttgen für richtig. Wenn eine Zusammenarbeit keinen Sinn mehr mache, müsse die Kanzlerin für klare Verhältnisse sorgen, sagte der CSU-Politiker im Deutschlandradio.

Neue Energiepolitik unter Altmaier?

Unterdessen lobte CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt Röttgens designierten Nachfolger Peter Altmaier als "solide Besetzung" und versprach ihm "volle Unterstützung". Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte der "Mitteldeutschen Zeitung", die Ablösung Röttgens sei eine Chance. "Der Energiegipfel am nächsten Donnerstag bei der Kanzlerin, den wir mit vorbereitet haben, ist dafür ein erster Prüfstein", sagte er. Haseloff hatte sich gegen die von Röttgen betriebene Kürzung der Solarförderung eingesetzt und dazu beigetragen, dass die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Bundesrat in den Vermittlungsausschuss verwiesen wurde.

Bei der Wahl in Nordrhein-Westfalen hatte die CDU so schlecht abgeschnitten wie noch nie im bevölkerungsreichsten Bundesland. Spitzenkandidat Röttgen kündigte daraufhin seinen Rücktritt als Landesvorsitzender an. Am Mittwoch entließ ihn Merkel überraschend als Bundesumweltminister: "Ich habe heute Vormittag mit dem Bundespräsidenten (Joachim Gauck) gesprochen, und ich habe ihm gemäß Artikel 64 des Grundgesetzes vorgeschlagen, Norbert Röttgen von seinen Aufgaben als Bundesumweltminister zu entbinden, um so in diesem Amt einen personellen Neuanfang möglich zu machen."

Was denken Sie über die Entlassung? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite.

Mehr zum Thema:
Forsa-Chef: Röttgen passt aus Sicht der Wähler nicht nach NRW - Manfred Güllner sieht "schweren strategischen Fehler" im Wahlkampf des CDU-Spitzenkandidaten
Fuchs: "Man kann natürlich schon eine Menge der CDU in NRW anlasten" - CDU-Bundestagsfraktionsvize über Konsequenzen aus dem Wahldebakel
Röttgen-Rausschmiss erster Klasse! - "Muttis Bester" muss gehen
Die CDU-Personaldecke ist dünn geworden - Merz, Koch, Wulff, Röttgen - all die einstigen Hoffnungsträger sind weg
Merkel entlässt Röttgen als Umweltminister - "Personeller Neuanfang" mit Peter Altmaier
Merkel: "Schmerzhafte Niederlage der gesamten Partei" - Wahlverlierer Röttgen soll Umweltminister bleiben

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

BundestagswahlDiskussion über Wahlrecht für Menschen mit Behinderung

Auf einer Pressekonferenz zum Vorbereitungsstand der Bundestagswahl im Land Brandenburg wird am 02.09.2013 in der Staatskanzlei in Potsdam (Brandenburg) eine Lochschablone für Sehebehinderte und ein Stimmzettel für die Wahl gezeigt. Der Landeswahlleiter Küpper rief auf der Pressekonferenz die Bürger auf, am 22. September von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. (picture alliance / dpa / Patrick Pleul)

Bei der Bundestagswahl dürfen Menschen mit einer geistigen Behinderung kein Kreuzchen machen. Dabei wurde der umstrittene Wahlrechtsausschluss schon von einigen Bundesländern abgeschafft. Auch in 14 EU-Staaten dürfen sie wählen. Zeit für einen Wandel?

Archäologie-Streit in IsraelWo wurde Petrus geboren?

Bauzaun an der Ausgrabungsstätte, an der der israelische Archäologe Mordechai Aviam die antike Stadt Bethsaida gefunden haben will. (Deutschlandradio / Benjamin Hammer)

Die Meldung ging um die Welt: Ein Archäologe will am See Genezareth den Geburtsort von Petrus entdeckt haben. Allerdings wurde Bethsaida schon einmal entdeckt. Wissenschaftler liefern sich jetzt einen Wettstreit, wo das wahre Bethsaida ist. Die Benediktiner nebenan bleiben gelassen.

Forensiker Mark BeneckeDer Herr der Maden

Mark Benecke (ROCKSAU PICTURES)

Er ist bekannt dafür, Menschen mit Maden und Schaben zu überraschen: Der Kriminalbiologe Mark Benecke ist einer der ungewöhnlichsten Wissenschaftler Deutschlands.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundeswehr-Eliteeinheit  Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Rechtsextremismus-Verdachts | mehr

Kulturnachrichten

"Widerrede" von Martin Roth erscheint posthum | mehr

 

| mehr