Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nächste Runde im Atompoker

Verhandlungen über das Nuklearprogramm werden heute fortgesetzt

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (picture alliance / dpa / Presidential Official Website)
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (picture alliance / dpa / Presidential Official Website)

Ein Durchbruch ist noch nicht in greifbarer Nähe. Internationale Unterhändler fordern die iranische Führung auf, sich nun im Atomstreit zu bewegen. Der Iran hingegen bezeichnete die westlichen Mächte als "nicht ausreichend seriös".

Zivile Stromversorgung oder Bau von Kernwaffen - was geht an den iranischen Atomstandorten vor sich? Um diese Frage geht es bei dem Treffen in Bagdad. Iranische Unterhändler sind mit dem Verlauf der Verhandlungen bisher nicht zufrieden. Die Aussichten für die Verhandlungen seien "unbestimmt und sie stehen infrage", wenn die internationale Verhandlungsdelegation die iranischen Vorschläge ablehne, berichtete der staatliche iranische Nachrichtensender Press TV. Nach Angaben aus iranischen Delegationskreisen wurden Teheran weitere Sanktionen angedroht, wenn das Land an seinem Kurs festhalte. Der Iran pocht jedoch weiter auf seinem Recht, Atomenergie friedlich nutzen zu dürfen - was nicht bestritten wird. Das Land soll insbesondere davon abgebracht werden, Uran in der höheren Konzentration von 20 Prozent anzureichern. Denn von dieser Schwelle an ist es vergleichsweise einfach, den Kernbrennstoff auf waffentaugliche 90 Prozent anzureichern. Für die Stromgewinnung werden nur fünf Prozent benötigt.

Vertreter der 5+1-Gruppe (die UN-Vetomächte China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die USA sowie Deutschland) haben einen Lösungsvorschlag auf den Tisch gelegt, der den Iran von der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent abbringen soll. Michael Mann, der Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, nannte dazu aber keine Einzelheiten. Ashton leitet die internationale Delegation.

Der Westen verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Die Führung in Teheran bestreitet das. Israel hat mehrfach indirekt mit Militärschlägen gegen iranische Atomanlagen gedroht.

Positive Signale

Die iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad besucht die Atomanreicherungsanlage in Natanz (April 2008) (dpa / STR)Ahmadinejad besucht die Atomanlage in Natanz (April 2008) (dpa / STR)Ashton traf gestern den iranischen Chefunterhändler zu einem Gespräch in engster Runde. Die Atomgespräche sollten nach Angaben der irakischen Gastgeber heute fortgesetzt werden. Unmittelbar vor der neuen Verhandlungsrunde hatte der Iran Zugeständnisse signalisiert und sich bereit erklärt, eine Vereinbarung zur genaueren Überprüfung seines Atomprogramms durch die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA zu unterzeichnen. Bislang waren internationale Atomkontrolleure meist ohne genaue Erkenntnisse aus dem Iran abgereist - die Regierungsbehörden blockierten ihre Arbeit. Im Gegenzug fordert die iranische Führung, dass der Westen Sanktionen aufhebt.

Die USA und die Europäische Union, die mittels Sanktionen Druck auf den iranischen Öl-Markt ausüben, haben jedoch bereits angekündigt, erst einmal daran festhalten zu wollen. Selbst wenn Teheran bei den Atomgesprächen in Bagdad weitreichende Zugeständnisse machen würde, käme für Washington jedoch eine Lockerung der Sanktionen in Frage. Das betonte Obamas Sprecher Jay Carney. Doch nach Informationen der "Los Angeles Times" denkt die Regierung Obama darüber nach, im Falle weitgehender Zugeständnisse von Teheraner Seite dem Iran - entgegen einer Resolution des Weltsicherheitsrates - eine 3,5-prozentige Urananreicherung für zivile Zwecke zu erlauben, um Atomstrom zu produzieren.

Es ist das zweite Treffen dieser Art, seitdem die Verhandlungen Mitte April nach einer 15-monatigen Unterbrechung wieder aufgenommen worden waren. In dieser Phase hatten die Spannungen zugenommen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:52 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Literatur

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

HIV-Infektionen in ChinaGefahr im Goldenen Dreieck

(picture alliance / dpa)

Ein Viertel der neuen HIV-Infektionen in China wird aus Yunnan im Südwesten des Landes gemeldet. Die Provinz grenzt an das berüchtigte Goldene Dreieck: eine Region, die als größte Produktionsstätte für Heroin gilt. Die Bewohner wissen kaum etwas über die Ansteckungsgefahr durch das Virus, nur wenige Betroffene erhalten Hilfe.

Claire Denis über "Un Beau Soleil Intérieur"Eine sexy Frau und jede Menge Neurosen

Die französische Regisseurin Claire Denis (dpa / Asatur Yesayants)

Als "eine Art Reise in die Weiblichkeit" schildert Regisseurin Claire Denis ihre Arbeit an "Un Beau Soleil Intérieur": eine romantische Komödie, mit der das Filmfest in München eröffnet wurde. Juliette Binoche spielt darin eine Künstlerin auf der Suche nach der großen Liebe.

Die Brücke über die Drina25 Jahre nach den Massakern im bosnischen Višegrad

Blick von der Seite auf die beinahe 500 Jahre alte Mehmed-Paša-Sokolović-Brücke über dem Fluss Drina in Višegrad. (imago/Boris Scitar)

"Die Brücke über die Drina" von Ivo Andric ist eine monumentale Erzählung über das multikulturelle Leben auf dem Balkan. Der historische Roman war in Jugoslawien Pflichtlektüre an vielen Schulen. Die "Brücke über die Drina" galt als Symbol von "Brüderlichkeit und Einheit".

"Rheingold" in DüsseldorfEin veritables Wagner-Wunder

Deutsche Oper in Düsseldorf (picture alliance / Horst Ossinger)

Vorzügliche Darsteller und ein Regisseur, der sich "erfrischend überhaupt nicht" um die Erwartungen an diesen "Mount Everest" des Musiktheaters schert: Unsere Kritikerin Ulrike Gondorf hat in Düsseldorf eine gelungene Inszenierung von Wagners "Rheingold" erlebt.

Von der UNESCO geschützte BräucheIst das wirklich typisch deutsch?

Das Bild zeigt Bürgermeister, Kurdirektor und drei weitere Personen beim Wassertreten in einem Außenbecken in Bad Münstereifel. (Deutschlandradio / Manfred Götzke )

In den Harzer Wäldern trainieren Vogelfreunde den Gesang von Buchfinken. Auf dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern schlagen Reiter im vollen Galopp mit Keulen auf eine Tonne ein, um den Tonnenkönig zu küren. Diese etwas skurrilen Volksfeste, aber auch das Kneippen oder die Flussfischerei an der Sieg, eint eins: Sie gehören zum immateriellen Kulturerbe Deutschlands.

Christian Kohlross: "Kollektiv neurotisch"Warum wir Narzissten, Hysteriker und Depressive sind

(Foto: imago / Cover: Dietz-Verlag)

Hysterisch, visionslos und wegen überhöhter Ansprüche ständig enttäuscht: Dem Therapeuten Christian Kohlross zufolge befindet sich der Westen in einem Zustand kollektiver Neurose. Da hilft nur: Die Gesellschaft auf die Couch!

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Jemen  Mehr als 200.000 Cholera-Verdachtsfälle | mehr

Kulturnachrichten

"OST"-Zeichen auf Volksbühne wird abgebaut  | mehr

 

| mehr