Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nahost-Friedensgespräche sollen bald fortgesetzt werden

Israelischer Siedlungsbau überschattet Verhandlungen

Israels Justizministerin Zipi Liwni (links) und der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat (rechts) führen die Nahost-Friedensgespräche. (picture alliance / dpa)
Israels Justizministerin Zipi Liwni (links) und der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat (rechts) führen die Nahost-Friedensgespräche. (picture alliance / dpa)

Die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern seien "ernsthaft" gewesen, meldete der israelische Rundfunk. Das Treffen in Jerusalem war in der Nacht zu Ende gegangen, inhaltliche Details drangen bisher nicht an die Öffentlichkeit. Ziel der Verhandlungen ist ein Friedensabkommen.

Das Treffen unter Leitung der israelischen Justizministerin Zipi Liwni und des palästinensischen Chefunterhändlers Saeb Erekat hatte unter größter Geheimhaltung stattgefunden. Für die von US-Außenminister John Kerry vermittelten Zusammenkunft hatte das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Nachrichtensperre verhängt. Nach Abschluss der Gespräche hieß es aus israelischen Regierungskreisen nur, beiden Seiten hätten sich auf eine Fortsetzung der Verhandlungen in Kürze verständigt. Es solle wöchentliche Treffen geben, abwechselnd in Jerusalem und Jericho im Westjordanland.

Die erste Runde der nach drei Jahren neu aufgenommenen Friedensgespräche hatte am 31. Juli in Washington stattgefunden. Dabei hatten beide Seiten vereinbart, möglichst innerhalb von neun Monaten ein Friedensabkommen abzuschließen. In Israel soll es dann eine Volksabstimmung darüber geben.

Freigelassene Palästinenser mit Jubel empfangen

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas begrüßte die Häftlinge in Ramallah (AFP / Abbas Momani)Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas begrüßte die Häftlinge in Ramallah (AFP / Abbas Momani)Vor dem Treffen hatte Israel als Geste des guten Willens 26 palästinensische Langzeithäftlinge freigelassen, die alle wegen Mordes oder Beihilfe zum Mord verurteilt worden waren. Weitere sollen folgen. In Israel ist die Aktion umstritten, weil einige der Gefangenen als Terroristen gelten. Vor ihrer endgültigen Entlassung mussten die Häftlinge eine Erklärung unterzeichnen, dass sie wieder ins Gefängnis und ihre volle Strafe absitzen müssen, falls sie sich wieder an Terrorhandlungen beteiligten.

Auf dem Gelände des Amtssitzes von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas in Ramallah versammelten sich hunderte Angehörige der Gefangenen, um die Männer jubelnd in Empfang zu nehmen. Abbas hatte die schrittweise Freilassung von insgesamt 104 Langzeithäftlingen als Bedingung für neue Gespräche gefordert.

Empörung über neues Siedlungsprojekt

Bau jüdischer Siedlungen in Ostjerusalem (picture alliance / dpa / Jim Hollander)Bau jüdischer Siedlungen in Ostjerusalem (picture alliance / dpa / Jim Hollander)Ein weiteres israelisches Siedlungsprojekt sorgt unterdessen für Empörung bei den Palästinensern. Die Jerusalemer Stadtverwaltung bestätigte die Baupläne im Gilo-Viertel auf 1967 erobertem Gebiet. Dies sei allerdings kein neuer Plan, betonte eine Sprecherin. Das Projekt durchlaufe seit zwei Jahren verschiedene Genehmigungsstadien. Erst am Sonntag hatte Israels Bauministerium verkündet, man werde fast 1200 neue Siedlerwohnungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem bauen.

Der palästinensische Unterhändler Mohammed Schtajeh wertete die Bauankündigung als klaren Beweis, dass Israel es mit den Friedensgesprächen nicht ernst meine. Die israelische Zeitung "Haaretz" sprach in ihrem Leitartikel von einem gezielten Angriff auf die nach fast dreijähriger Eiszeit gerade wieder begonnenen Friedensgespräche. Ziel sei es offenbar, die weiteren Verhandlungen zu torpedieren, "nachdem alle anderen Bremsversuche gescheitert sind", schrieb das Blatt. Die letzten Friedensverhandlungen vor drei Jahren waren am Streit um den Siedlungsbau gescheitert.


Mehr zum Thema:

"Ein nahöstliches Friedenstheater"
Nahost-Experte der Grünen über den Friedensprozess in Israel
"Die Israelis wollen Frieden, Punkt"
Israelischer Botschafter in Deutschland bekräftigt Willen zur Lösung des Nahost-Konflikts
Nahost-Friedensgespräche ohne jede Euphorie
Zum Auftakt der Verhandlungen in Washington
Dialog nach drei Jahren Stille
Nahostexpertin über neue Gespräche zwischen Israel und Palästina

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:30 Uhr Sportgespräch

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Rittel/Karwelat: "Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad"Schockierende Einblicke in eine sadistische Sekte

Cover von "Lasst uns reden. Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat. (EFE/EPA/Mario Ruiz/Schmetterling Verlag)

Sie mussten Misshandlungen und Folter ertragen – und viele schauten weg. In "Lasst uns reden" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat berichten Frauen über den menschenverachtenden Alltag der Colonia Dignidad in Chile.

Europapolitik der Bundesregierung"Dieses Zaudern und Zögern ist gefährlich"

Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) spricht in Neumünster bei einem Parteitag. (dpa / Carsten Rehder)

Europa drohe, zu verfallen, sagte Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, im Dlf. Das zögerliche Verhalten der Bundesregierung sei gefährlich, denn für etwas Neues stehe nur ein sehr knappes Zeitfenster zur Verfügung - es gehe um die Zukunft des Westens.

"Eldorado"-Regisseur Markus Imhoof"Das Erste ist, dass es um Menschlichkeit geht"

Eldorado-Protagonist Akhet Téwendé (v.l.n.r.), Regisseur Markus Imhoof und Eldorado-Protagonist Raffaele Falcone.  (Maurizio Gambarini/dpa)

Der Ist-Zustand Europas werde sich durch die Geflüchteten zwangsläufig verändern, meint Markus Imhoof. Das sei auch richtig, so der Regisseur. Für seinen Film "Eldorado" hat er die Mare-Nostrum-Mission zur Seenotrettung begleitet.

Reformprojekt EuropaEine Chance für die Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron  (picture alliance/dpa/Foto: Kay Nietfeld)

Der französische Staatschef Macron profiliert sich mit Reformideen, die Bundeskanzlerin zögert. Doch trotz ihrer Differenzen wollen Paris und Berlin bis zum Sommer Vorschläge für eine EU-Reform vorlegen. Die Chance sollte Merkel nutzen, meint Peter Kapern.

Koschyk zu NordkoreaErfolg der internationalen Gemeinschaft

Hartmut Koschyk (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten (imago / reportandum)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die Aussetzung seines Atom- und Raketenprogramms verkündet. Dass damit Bewegung in die verfahrene Lage auf der koreanischen Halbinsel gekommen sei, liege am Zusammenhalt der internationalen Gemeinschaft, erklärte CSU-Politiker Hartmut Koschyk im Dlf.

Eine Lange Nacht über Vorbilder in der MusikGlühend verehrt, schmerzlich entzaubert

Der amerikanische Trompeter und Bandleader Harry James  (picture alliance/dpa/Foto: Heinz-Jürgen Göttert)

Der amerikanische Jazztrompeter Harry James war einer der ersten Vorbilder für Trompeter Manfred Schoof. Für die Cellistin Tanja Tetzlaff war musikalisch gesehen Heinrich Schiff prägend. Vorbilder können fördern und fordern. Doch nicht jeder ist auch zum Vorbild berufen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Europarat  Verdacht auf Korruption | mehr

Kulturnachrichten

Brasiliens Kult-Regisseur Dos Santos gestorben | mehr

 

| mehr