Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Netanjahu bekommt Konkurrenz

Israelis wählen neues Parlament

Naftali Bennett gilt als Rivale von Benjamin Netanjahu (picture alliance / dpa / Oliver Weiken)
Naftali Bennett gilt als Rivale von Benjamin Netanjahu (picture alliance / dpa / Oliver Weiken)

Das rechtsgerichtete Bündnis von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach Umfragen gute Chancen, stärkste Kraft in der Knesset in Jerusalem zu werden. Doch der Shootingstar Naftali Bennett könnte wichtige Stimmen der rund 5,6 Millionen Wahlberechtigten einheimsen.

In einer vorgezogenen Wahl bestimmen die Bürger in Israel heute ein neues Parlament - rund 5,6 Millionen Israelis sind aufgerufen. Begleitet von einem verstärkten Sicherheitsaufgebot öffneten die Wahllokale am Morgen in Israel und den jüdischen Siedlungen im Westjordanland. Die politische Landschaft im Land ist zerfurcht und zersplittert. Zwischen 34 Parteien und Listen müssen sich die Wähler entscheiden. Die Wahllokale schließen um 21 Uhr unserer Zeit - unmittelbar danach werden erste Prognosen veröffentlicht.

Die Umfragen lassen einen Rechtsruck erwarten: Die Likud-Partei von Regierungschef Benjamin Netanjahu und die mit ihr verbündete Partei "Unser Haus Israel" müssen demnach zwar mit Verlusten rechnen, doch gehen die Experten davon aus, dass auch die künftige Regierung von Netanjahu angeführt wird. Die Listenverbindung aus seiner konservativen Likud-Partei und der nationalistischen Gruppierung "Unser Haus Israel" von Avigdor Lieberman kann laut jüngsten Umfragen mit rund 35 Mandaten rechnen und damit die Wahl gewinnen.

Shootingstar Bennet jagt Netanjahu Stimmen ab

Israel vor den Wahlen (picture alliance / dpa)Israel vor den Wahlen (picture alliance / dpa)Mit Spannung erwartet wird das Abschneiden des Software-Multimillionärs und früheren Elitesoldaten Naftali Bennett, dessen national-religiöse Siedlerpartei "Jüdische Heimat" mit noch extremeren Positionen als Netanjahus Likud punkten will. Der charismatische Parteivorsitzende Bennett gilt als Rivale Netanjahus. Er jagt ihm Stimmen aus dem rechten Lager ab. Seine Partei wird unter Experten als drittstärkste Partei in der Knesset gehandelt.

Bennett war einst Netanjahus Stabschef, sagte sich dann aber von seinem Ziehvater los. Eine Zwei-Staaten-Lösung lehnt er ab, große Teile des Westjordanlands will Bennett annektieren. Allerdings sollen die dort lebenden Palästinenser die vollen Bürgerrechte erhalten. "Es wird nie einen Friedensplan mit den Palästinensern geben", so Bennett. Und: "Ich werde alles in meiner Macht stehende tun, um sicherzustellen, dass sie nie einen eigenen Staat bekommen." Aber selbst zusammen mit Bennets Partei wird der Likud wahrscheinlich keine stabile Regierung bilden können. Netanjahu wird auf weitere Partner angewiesen sein.

Wenn Benjamin Netanjahu sich einen ultra-rechten Koalitionspartner suche, würden die Aussichten auf eine endgültige Lösung noch schlechter als bisher, sagt Shimon Stein im Interview mit Deutschlandradio Kultur.

Arbeitspartei kann mit Aufschwung rechnen

Als einer der Gewinner der Wahl gilt schon jetzt die sozialdemokratische Arbeitspartei: Umfragen zufolge könnte sie die zweitstärkste Kraft im Parlament werden. Die Parteivorsitzende Schelly Jachimowitsch, die sich vor allem für soziale Themen einsetzt, hat aber eine Koalition mit Netanjahus Partei ausgeschlossen.

Wichtigste Themen für die Wähler sind nach Umfragen Wirtschaft und Soziales. Dagegen haben die meisten Israelis den Glauben an einen Frieden mit den Palästinensern verloren. Auch der Atomstreit mit dem Iran stand nicht im Zentrum des Wahlkampfes.

Der amtierende Regierungschef Netanjahu gab seinen Stimmzettel am Morgen in einem schwer gesicherten Wahlbüro ab. Jede Stimme für seine Liste sei "gut für Israel", sagte der 63-Jährige in Begleitung seiner Frau Sara. Zusammengerechnet mit seiner ersten Legislaturperiode Ende der 1990er Jahre ist Netanjahu schon jetzt der am längsten amtierende Ministerpräsident des Landes nach Israels Gründungsvater David Ben-Gurion.

Die Parlamentswahlen waren vorgezogen worden, nachdem sich Netanjahus Rechts-Koalition im Herbst nicht auf einen Sparhaushalt hatte einigen können.

Mehr auf dradio.de:

Der Wunsch nach Einheit - Junge Israelis vor der Wahl
Zu wenig und zu spät - Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik durch Mitglieder des UN-Sicherheitsrats
Differenzen zwischen Israel und Deutschland nehmen zu - Besuch von Benjamin Netanjahu in Berlin

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Streitkultur

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 14:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Kinderraub in ArgentinienGroßmutters Suche voller Schmerz

Die Großmütter der Plaza de Mayo (picture alliance/dpa/Foto: Javier Gallardo)

Zwischen 1976 und 1983 ermordete Argentiniens Militärjunta tausende Oppositionelle, raubte 500 ihrer Babys und übergab sie fremden Familien. Die Großmütter machten sich auf die Suche - bis heute fanden sie 122 Enkel. So wie den 38-jährigen Ignacio, Enkel von Estela de Carlotto. Sie ist Präsidentin der Großmütter der Plaza de Mayo. Beide trafen sich 2014 zum ersten Mal.

Isabelle Huppert Ein Gesicht und unendlich viele Ausdrucksformen

"Untitled" von Oda Jaune. Anlässlich des Gallery Weekends Berlin 2017 zeigt die Michael Fuchs Galerie die Ausstellung ”Behind the Screen” zu Ehren der französischen Film- und Theaterschauspielerin Isabelle Huppert (Promo)

Im Gesicht einer jeden Schauspielerin gebe es eine ganz eigene, persönliche Wahrheit, sagt Isabelle Huppert und beschreibt ihre Liebe zur Fotografie. Beim Berliner Gallery Weekend widmet sich eine Ausstellung dem französischen Filmstar.

52Weeks52SportsEinfach mal durchboxen

Im Monat vier von 52weeks52sports hatte Caro gleich fünf Mal richtig heftigen Muskelkater. Und das, obwohl sie sich bei zwei der Sportarten kaum bewegt hat.

EU-Sondergipfel zum Brexit"Die 27, die bleiben, müssen die EU reformieren"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz während eines Interviews im Jahr 2014, als er noch EU-Parlamentspräsident war (Deutschlandradio/ dbate)

Angesichts des britischen Austritts aus der Europäischen Union verlangt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz Veränderungen in der EU. Die Staats- und Regierungschefs verhielten sich bislang nur reaktiv, sagte Schulz im Deutschlandfunk. Die EU müsse aber reformiert werden und mehr gegen Steuerflucht, Sozialdumping und Bürokratie tun.

Umstrittene WildtierhaltungWie der Circus Krone um seine Löwen kämpft

Circus-Krone-Dompteur Martin Lacey mit seinen Löwen (Deutschlandradio Kultur / Michael Watzke)

Löwen brüllen ordentlich und machen Eindruck, wenn sie ihre Tatzen spielen lassen. So auch im Circus Krone. Allerdings verbieten immer mehr deutsche Kommunen den Besuch von dressierten Zirkuslöwen. Was sagt ein Raubtier-Dompteur zu den Vorwürfen der Tierschützer?

FotografieArchitektur des Wartens

Treffpunkt, Schattenspender oder der Platz für die Mittagspause. Haltestellen in der ehemaligen Sowjetunion sind wichtige Orte - und ziemlich auffällig. Sie sind Treffpunkt, spenden Schatten und sind ein guter Ort zum Pausemachen. Auf manchen sind lokale Bräuche und Geschichten abgebildet.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Brexit  EU legt Kriterien für Austrittsverhandlungen fest | mehr

Kulturnachrichten

Performancepionier Vito Acconci gestorben  | mehr

 

| mehr