Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Neue Proteste in Ägypten geplant

Präsident Mursi holt Armee zur Hilfe

Ein Panzer der ägyptischen Armee steht nahe dem Präsidentenpalast in Kairo (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)
Ein Panzer der ägyptischen Armee steht nahe dem Präsidentenpalast in Kairo (picture alliance / dpa / Khaled Elfiqi)

Wenige Tage vor dem geplanten Verfassungsreferendum in Ägypten wollen die Anhänger der verfeindeten Lager wieder demonstrieren. Unterdessen hat Ägyptens Präsident Mohammed Mursi die Armee zu Hilfe gerufen. Sie soll für Ruhe sorgen.

Vor dem Referendum über den umstrittenen Verfassungsentwurf ist die Lage in Ägypten extrem angespannt. Sowohl die Islamisten als auch die Gegner des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi haben für diesen Dienstag zu Großkundgebungen aufgerufen. Beobachter befürchten, dass es zwischen den Anhängern der verfeindeten Lager erneut zu blutigen Straßenschlachten kommt.

Lokale Medien berichteten, die Muslimbrüder und ihre Verbündeten planten Kundgebungen unter dem Motto "Ja zur Rechtmäßigkeit". Die linken und liberalen Parteien wollen bei ihren Protestmärschen eine Verschiebung des Verfassungsreferendums fordern. "Wir lehnen dieses Referendum ab, weil es zu mehr Spaltung und Spannungen führt", teilte die Nationale Rettungsfront mit. Die Opposition lehnt den von den Islamisten formulierten Verfassungsentwurf ab. Das Dokument stärkt die Rolle der Religionsgelehrten im Staat und schwächt die Stellung der Frau in der Gesellschaft.

Mursi ruft Armee zu Hilfe

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / ©romain Beurrier/wostok Press)Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (picture alliance / dpa / ©romain Beurrier/wostok Press)Unterdessen hat Präsident Mursi die Armee zu Hilfe gerufen. Er übertrug dem Militär Polizeirechte und die Erlaubnis, Zivilisten festzunehmen. Der Staatschef wies in einem am Montag veröffentlichten Dekret die Armee zur Kooperation mit der Polizei an, um die Sicherheit bis zum Tag der Abstimmung am 15. Dezember und den "Schutz der lebenswichtigen Institutionen des Staates" zu gewährleisten.

Mursi hat nach tagelangen Protesten zwar auf einige Machtbefugnisse verzichtet, der Opposition gehen die Zugeständnisse des Präsidenten aber nicht weit genug. El Baradei erklärte, "eine Verfassung, die unsere Rechte und Freiheiten einschränkt, werden wir stürzen". Die liberal-säkulare Opposition sieht in dem Verfassungsentwurf einen Versuch der Islamisten, die Gesetzgebung und damit auch die Gesellschaft weiter zu islamisieren.

Ägypten ist in einer tiefen Krise

Auch Deutschlandradio-Korrespondent Peter Steffe erklärte im Deutschlandradio Kultur: "Die Entscheidung der vergangenen Nacht sieht vordergründig wie ein Einlenken des ägyptischen Präsidenten in der innenpolitischen Krise aus, aber bei genauerer Betrachtung ist es nur eine marginale Abänderung, die keinerlei Auswirkung auf den Volksentscheid hat."

Mursis Griff nach der Macht hatte das Land in eine tiefe Krise gestürzt. Bei Massendemonstrationen und Krawallen kamen seit Ende November mindestens sieben Menschen ums Leben, mehr als 700 wurden verletzt.


Mehr zum Thema:

Riskantes Spiel - Der Machtkampf in Ägypten
"Fast alle liberalen Kräfte sind sehr enttäuscht"
Deutsch-ägyptischer Politikwissenschaftler kritisiert Mursi
Mursi will "klare Entscheidungsstrukturen" in Ägypten herstellen
Der Politologe Perthes sieht nicht die Gefahr einer neuen Diktatur

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Musik-Panorama

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 21:30 Uhr Kriminalhörspiel

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

WirtschaftRussland spürt die Brexit-Folgen schon

Ein Skateboardfahrer fährt an der Anzeigetafel einer Wechselstube in Moskau vorbei. Im Hintergrund moderne Hochhäuser. (EPA/SERGEI ILNITSKY)

Angesichts der drohenden wirtschaftlichen Folgen hat Russlands Präsident Wladimir Putin zurückhaltend auf das britische Referendum reagiert. Doch russische Kommentatoren sind sich sicher, das britische Nein zur EU hat im Kreml für Hochstimmung gesorgt. Denn viele meinen: Erst zerfällt die EU, dann die NATO.

Niederländische Leseclubs in BerlinTanzen, trinken, diskutieren

Die niederländische Schriftstellerin Bregje Hofstede beim MAG-Festival am 24.6.2016 in Berlin (Deutschlandradio / Gesa Ufer)

Mit ihrer Kombination aus Party, Lesung und Gespräch sind die Lesefestivals des MAG-Verlags in den Niederlanden eine Legende. In der vergangenen Woche fand auch in Berlin ein solches Lesefestival statt.

Fußball-TaktikNationaltrainer denken vor allem defensiv

Joachim Löw (3. von rechts) spricht während des Trainings in Ascona mit den Spielern der deutschen Nationalmannschaft. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Tore sind Mangelware. Diese Europameisterschaft ist bisher alles andere als ein Offensivspektakel. Taktikexperte Tobias Escher erklärt, warum das so ist und wieso die DFB-Elf eine Ausnahme darstellt.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nach dem Brexit-Referendum  Merkel, Hollande und Renzi werben für bürgernahe EU | mehr

Kulturnachrichten

Irakischer Künstler Hiwa K erhält Arnold-Bode-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Psychologie  Update für die Glücksformel | mehr