Neue UKW-Frequenz

 

Großer Feldberg 98,7 MHz: Neue Frequenz für den Deutschlandfunk in Hessen

Interview mit Dr. Willi Steul, Intendant Deutschlandradio

(BOROS)Frequenz_Großer_Feldberg (BOROS)

Der Deutschlandfunk übernimmt am 18. Januar die traditionsreiche AFN-Frequenz 98,7 MHz, die vom Großen Feldberg/Taunus aus sendet. Wie kam es dazu?

Steul: Es gibt mehrere Ursachen: Eine vor vielen Jahren schon erfolgte  Reduzierung der amerikanischen Truppenstandorte, Sparmaßnahmen des Verteidigungsministeriums und Verringerung des Versorgungsbedarfs der Amerikaner. Es folgten daraus langjährige technische Untersuchungen und Planungen zur Machbarkeit mit maßgeblicher Unterstützung der Bundesnetzagentur. Das Ziel dabei war, diese reichweitenstarke Einzelfrequenz 98,7 MHz, mit 60 kW nicht in Einzelsender gleicher Frequenz mit kleiner Leistung auf zu splitten, sondern für eine länderübergreifende Versorgung weiter zu erhalten. Zeitgleich starteten Verhandlungen mit Landesmedienanstalten und Staatskanzleien mit dem Ziel, die reichweitenstarke Frequenz Großer Feldberg für den bundesweiten Hörfunk zu gewinnen. Dies ist uns nun Dank der großartigen Unterstützung durch die beteiligten Landesmedienanstalten und Staatskanzleien und der mühevollen technischen Abstimmungen durch die Bundesnetzagentur und in Zusammenarbeit mit den technischen Experten von AFN gelungen.

Wo liegen genau die Vorteile der Frequenz-Übernahme für den Deutschlandfunk?

Steul: Durch den Wegfall von nun überflüssig gewordenen 15 Kleinleistungssendern kommt es zu deutlichen Kosteneinsparungen bei gleichzeitiger Verbesserung und Steigerung der Versorgung. Mindestens 4,3 Millionen Menschen zusätzlich können jetzt im Sendegebiet von 98,7 MHz den Deutschlandfunk empfangen. Hinzu kommt ein durchgängiger Deutschlandfunk- Empfang in weiten Teilen Hessens und angrenzender Gebiete. Fazit: Bisher erreichten wir mit den alten Kleinleistungssendern ca. 700.000 Menschen. Ab dem 18.01 sind es ca.
5 Millionen. Und: Es gibt auch Vorteile für die Amerikaner am Standort Kaiserslautern. Durch den dortigen Frequenztausch (von 100,2 MHz zu 105,1 MHz) erhalten die Amerikaner eine Frequenz, die mit der US-Radionorm gut harmoniert.

Die Übernahmeverhandlungen zogen sich über zehn Jahre hin: Was war die Ursache für diesen langen Zeitraum?

Steul: Eine überaus komplizierte Ausgangssituation: Frequenztechnische Aspekte, Schaffung geeigneter Ersatzversorgungen für AFN zur Kompensation der Abgabe der Frequenz Großer Feldberg sowie Verhandlungen mit anderen Programmanbietern. Hinzu kamen Personalwechsel bei den Amerikanern an deutschen Standorten, Umorganisationen der amerikanischen Verwaltung.

98,7 MHz  ersetzt  zahlreiche Kleinsender, auf denen bislang der Deutschlandfunk ausgestrahlt wurde. Werden diese vom AFN übernommen?

Steul: Nur die Frequenzen Wiesbaden 103,7 MHz und Kaiserslautern 105,1 MHz. Der Rest geht an das Land Hessen.

Wie wird der AFN zukünftig verbreitet?

Steul: Terrestrisch an den deutschen Truppenstandorten über lokale UKW-Frequenzen, In Hessen und Rheinland-Pfalz über die vorgenannten UKW-Frequenzen Wiesbaden und Kaiserlautern. Weiterhin ist das Programm nach unserer Kenntnis über Internet und Satellit zu empfangen.

Erwarten Sie Reaktionen von treuen AFN-Hörern, die ihr Programm vermissen werden?

Steul: Ja, das ist wohl zu erwarten. Wir können sie in den Regionen, in denen sie AFN nicht mehr auf UKW empfangen können, nur auf Internet und Satellit verweisen. Oder, falls sie noch keine Deutschlandfunkhörer sind, sie zusätzlich auf unser hervorragendes Informationsprogramm aufmerksam machen.

Ist es zeitgemäß im digitalen Zeitalter noch auf UKW zu senden?

Steul: Eine in der Tat berechtigte Frage, besonders zum jetzigen Zeitpunkt, wo Norwegen im Zuge der Digitalisierung seiner Rundfunknetze als erstes Land weltweit die ersten UKW-Sender vom Netz nimmt. Auch in Deutschland sind die Zeichen auf eine fortschreitende Digitalisierung gesetzt, um die mittel- und langfristige Ablösung von UKW durch das Digitalradio DAB+ zu erreichen. Zugleich gilt es jedoch, das noch von der Mehrzahl der Hörer genutzte Medium UKW unter technischen und insbesondere wirtschaftlichen Gesichtspunkten dem Bedarf angepasst zu betreiben. Eine derart reichweitenstarke und länderübergreifende Frequenz wie der Große Feldberg, die ideal geschaffen ist für den bundesweiten Hörfunk, erlaubt uns einen erheblichen Reichweitenzuwachs in Hessen und den angrenzenden Ländern und zugleich deutliche Einsparungen gegenüber den bisher in diesen Regionen betriebenen Kleinleistungssendern. Diese Frequenz zählt zu den letzten großen leistungsstarken Frequenzen in Deutschland. Wenn man auch noch bedenkt, dass das UKW-Band schon seit vielen Jahren technisch ausgereizt ist, kann man von einem tollen Ergebnis sprechen.

Wie sieht die digitale Agenda des Deutschlandfunk aus?

Steul: Deutschland darf nicht länger eine analoge Insel in einer digitalen Welt sein.  Die DAB+-Infrastruktur in Deutschland hat mittlerweile einen Stand erreicht, der es auch hier ermöglicht, Nägel mit Köpfen zu machen. Es liegt jetzt an der Politik in Bund und Ländern, die Regularien für den Umstieg festzuschreiben und damit Sicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher und alle Marktakteure zu schaffen. Deutschlandradio setzt voll auf die Zukunft von DAB+.


Dokument:

Trailer zur neuen Frequenz 98,7

Neue UKW-Frequenz

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Der Deutschlandfunk steigert ab 18. Januar seine Reichweite auf UKW in Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg. Hören Sie den .

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