Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Neuer Burgherr für den Hradschin gesucht

Tschechien wählt neuen Staatspräsidenten

Tschechiens Präsident Václav Klaus (picture alliance / dpa / Filip Singer)
Tschechiens Präsident Václav Klaus (picture alliance / dpa / Filip Singer)

Die Tschechen wählen erstmals per Direktwahl ihren neuen Staatspräsidenten. Der bisherige Amtsinhaber Václav Klaus darf nach zwei fünfjährigen Amtszeiten nicht mehr antreten. Europa verliert damit eines seiner schärfsten eurokritischen Staatsoberhäupter.

Václav Klaus verlässt verbittert die Prager Burg, den Hradschin, Dienstsitz des tschechischen Präsidenten. Das Volk und sein Repräsentant, der Bundeskanzlerin Angela Merkel bei Staatsbesuchen so gerne Blumen schenkte, sind sich nicht mehr grün. Sein "Zeichen der Versöhnung", fast jeden dritten Häftling des Landes zu begnadigen, hat Massenproteste ausgelöst, berichtet Deutschlandradio-Korrespondent Stefan Heinlein. Nicht nur für die Amnestie hagelte es Kritik. "So habe ich mir das Ende meiner Amtszeit nicht vorgestellt", klagte Klaus in einem Hörfunkinterview.

Umstrittene Präsidentschaftskandidaten

Klaus klagt auch über eine Verfassungsnovelle hin zu einer Direktwahl des Staatsoberhauptes. Nach der Präsidentenwahl 2008 wurden Vorwürfe laut, Stimmen pro Klaus seien gekauft und Entscheidungen im Hinterstübchen ausgeklügelt worden. Die Einführung der Direktwahl sei ein "fataler Fehler", sagte der heute 71-jährige Klaus mit Blick auf die neun Bewerber, die zur Präsidentschaftswahl antreten. "Bei einigen Kandidaten habe ich das Gefühl, dass ich nach ihrer Wahl auswandern müsste", sagte Klaus.

Professor Vladimir Franz, Kandidat bei Tschechiens Präsidentschaftswahl (picture alliance / dpa / Martin Sterba)Professor Vladimir Franz, Kandidat bei Tschechiens Präsidentschaftswahl (picture alliance / dpa / Martin Sterba)Umfragen sehen den früheren bürgerlichen Interimsregierungschef Jan Fischer sowie den ehemaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Milos Zeman vorn. Als Geheimfavoriten gelten auch der von Kopf bis Fuß tätowierte Theaterprofessor Vladimir Franz sowie Außenminister Karel Schwarzenberg, ein Fürst aus dem europäischen Hochadel.

Rund 8,4 Millionen Tschechen sind erstmals aufgerufen, ihren Repräsentanten direkt zu wählen. Die Wahllokale sind am Freitag zwischen 14.00 und 22.00 Uhr und am Samstag von 8.00 bis 14.00 Uhr geöffnet. Die Entscheidung dürfte erst in einer Stichwahl mit den beiden Erstplazierten am 25. und 26. Januar fallen.

Abschied vom Eurokritiker

Tschechiens Präsident Vaclav Klaus begrüßt Kanzlerin Merkel mit Blumen (picture alliance / dpa / Katerina Sulova)Tschechiens Präsident Vaclav Klaus begrüßt Kanzlerin Merkel mit Blumen (picture alliance / dpa / Katerina Sulova)Die zweite und letzte Amtszeit des scheidenden Präsidenten endet am 6. März. In Tschechien nimmt der Präsident überwiegend repräsentative Aufgaben wahr, ist das Gesicht des Euro-Landes im Ausland, ernennt den Ministerpräsidenten und das Direktorium der Zentralbank sowie Verfassungsrichter. Klaus hatte den Posten vom gefeierten anti-kommunistischen Dissidenten Václav Havel übernommen.

Tschechiens neuer Präsident wird sicher eurofreundlicher sein als Klaus. Er hatte mehrfach die Europäische Union infrage gestellt. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen den Vertrag von Lissabon, den er ablehnt, weil dadurch die Souveränität der Mitgliedsländer gefährdet sei. In einer Rede vor dem Europäischen Parlament kam es wegen dieser Position 2009 zum Eklat: Einige Europaabgeordneten verließen den Plenarsaal.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:04 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:35 Uhr Campus & Karriere

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Ehe für alle"Das entfernt sich vom christlichen Eheverständnis"

Markus Blume ist seit 2008 CSU-Abgeordneter im Bayerischen Landtag.  (dpa / M.C.Hurek)

Der CSU-Politiker Markus Blume hält die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare für "Gleichmacherei". Dies gehe vielen zu weit und entferne sich vom christlichen Eheverständnis, wonach die Ehe auf Mann und Frau angelegt sei, sagte Blume im Dlf. Die CSU befürworte aber die rechtliche Gleichstellung homosexueller Partnerschaften.

Ehe für alleDas Ideal der "Normalität" ist eine Zumutung

Zwei weibliche Hände berühren sich, sitzend, weißes Hochzeitskleid (imago / Christine Roth)

Die Ehe für alle ist gerade groß in der Diskussion - sie verspricht Normalität für Schwule und Lesben. Doch sollten sich diese überhaupt Normalität wünschen? Die Polit-Tunte Patsy l’Amour laLove findet: Auf keinen Fall.

Migranten in ItalienDie neuen Sklaven Europas

Migranten aus Afrika warten darauf, als Erntehelfer auf den Zitrusfeldern in Gioia Tauro in Kalabrien eingesetzt zu werden. In der Landwirtschaft Süditaliens schuften viele Flüchtlinge für einen Hungerlohn. (AFP/ Filippo Monteforte)

In Italien, das mit großem Einsatz Migranten aufnimmt, werden dieselben Migranten gnadenlos ausgebeutet. Große Teile der Landwirtschaft leben von diesen Ausgebeuteten. Nicht nur in Süditalien - aber dort funktioniert das System besonders perfide.

documenta-echo: Alina SzapocznikowFragiles für die Ewigkeit

Alina Szapocznikows Arbeit "Souvenir" im Nationalen Museum für Zeitgenössische Kunst in Athen. (documenta 14 / Yiannis Hadjiaslanis)

Wie kann man die Zeit festhalten? Den Körper in der Zeit? Das eigene Sein? Alina Szapocznikows Werk kreist um diese Fragen. Für ihre Arbeiten formte sie den eigenen Körper ab, zerlegte diesen Abdruck und setzte ihn neu zusammen.

Amelia Earharts versuchte ErdumrundungVerschwunden im Pazifik

Die Flugpionierin Amelia Earhart 1928 in Hollywood, Kalifornien. (imago / Cinema Publisher Collection)

Bei dem Versuch, die Erde im Flugzeug zu umrunden, verschwand Amelia Earhart auf rätselhafte Weise über dem Pazifik. Am 29. Juni 1937 landete sie zum letzten Zwischenstopp in Neuguinea. Bis heute suchen Forscher nach Spuren der verschollenen Pilotin.

ANTI-CAFÉSBezahlt wird pro Minute

Eine Stunde macht drei Euro im Café Be'kech in Berlin. In dieser Stunde könnt ihr so viel essen und trinken, wie ihr wollt. Denn dieses Anti-Café will auch sozialer Treffpunkt sein. Kann das funktionieren?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei-Deutschland  Ankara kritisiert Auftrittsverbot für Erdogan | mehr

Kulturnachrichten

Sony produziert nächstes Jahr wieder auf Vinyl  | mehr

 

| mehr