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Neuer Gegenwind für Stuttgart 21

Bund geht auf Distanz zu Bahnhofsneubau

Der Stuttgarter Hauptbahnhof und das Gelände von Stuttgart 21 (picture alliance / dpa / Benjamin Beytekin)
Der Stuttgarter Hauptbahnhof und das Gelände von Stuttgart 21 (picture alliance / dpa / Benjamin Beytekin)

Für das Bahnprojekt Stuttgart 21 sieht es offenbar nicht gut aus. Der Bund lehnt es einem Zeitungsbericht zufolge ab, für den Bahnhofsneubau mehr Geld zu geben. Er fürchtet auch, dass sich die Fertigstellung noch weiter verzögert und will deshalb Alternativen prüfen lassen.

Bisher hatte der Bund immer zu Stuttgart 21 gehalten – auch, als Projektpartner wie das Land skeptisch wurden, nachdem die Farben der Landesregierung von schwarz-gelb nach grün-rot wechselten. Inzwischen zweifelt aber offenbar auch die Bundesregierung daran, ob es sinnvoll ist, an dem Bahnhofsneubau in Stuttgart festzuhalten. Der Stuttgarter Zeitung liegt nach eigenen Angaben ein 15seitiges Papier aus dem Bundesverkehrsministerium vor. Es sei für ein Treffen des Bahn-Aufsichtsrats erarbeitet worden. "Erstmals wird öffentlich, wie kritisch die drei Vertreter des Bundes im Bahn-Aufsichtsrat das Projekt S 21 und die Arbeit der Manager um Bahn-Chef Rüdiger Grube bewerten", schreibt die Zeitung. Man sehe keine Grundlage mehr für die Fortsetzung des Bahnhofsprojektes, berichtet auch Kerstin Lohse im Deutschlandfunk. Die Zeitung nennt dafür vor allem zwei Gründe:

Kosten für den Neubau steigen

Viele Stuttgarter protestieren gegen den Beginn der Abrisss-Arbeiten am Bahnhof (AP)Die Bahn begann schon vor Jahren mit dem Abriss des alten Bahnhofsgebäudes (AP)Schon vor Wochen war bekannt geworden, dass das Projekt deutlich teurer wird als anfangs geplant – statt ursprünglich 4,5 Milliarden Euro könnten es nun bis zu 6,8 Milliarden sein. Dem will der Bund als Eigentümer der Bahn auf Grundlage der bisher vorliegenden Informationen offenbar nicht zustimmen. Die Aufseher sähen viele Risiken und wollten mehr Zeit und bessere Informationen, um den Wunsch der Bahn ausgiebig zu prüfen, schreibt die Zeitung. Das Projekt werde für die Bahn unwirtschaftlich, wenn sie davon selber mehr als 1,8 Millliarden Euro bezahlen müsste. Sprich: Alle Mehrkosten müssten dann die anderen Mitfinanzierer übernehmen – also vor allem der Bund, das Land Baden-Württemberg sowie die Stadt und Region Stuttgart.

Fertigstellung nicht vor 2024 befürchtet

Auch die Fertigstellung des Bahnhofs verzögert sich immer weiter. Offizieller Termin für die Eröffnung ist im Moment das Jahr 2020. Laut Stuttgarter Zeitung fürchtet der Bund jetzt, dass es nicht vor 2024 losgehen kann, falls sich die Genehmigungsverfahren weiter so in die Länge ziehen, wie das bisher der Fall war.

Die Experten des Verkehrsministeriums kritisierten in dem Bericht den Bahn-Vorstand. Er habe den Aufsichtsrat zu spät, unzureichend und sogar falsch informiert. So sei die Gesamtfinanzierung von Stuttgart 21 durchaus nicht gesichert. Die Vertreter des Bundes fordern, Alternativen zu den bisherigen Plänen zu prüfen.

Das Verkehrsministerium wollte Fragen der Stuttgarter Zeitung zu dem Dossier nicht beantworten; auch die Deutsche Bahn sah sich demnach nicht imstande, so kurzfristig zu antworten.

Zukunftsprojekt für das 21. Jahrhundert

Älteres Modell des geplanten neuen Bahnhofs in Stuttgart (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)Älteres Modell des geplanten neuen Bahnhofs in Stuttgart (picture alliance / dpa / Uwe Anspach)Mit dem verkehrs- und städtebaulichen Projekt "Stuttgart 21" soll der bisherige Kopfbahnhof zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof umgebaut werden. Das bisherige Gleisvorfeld für den Kopfbahnhof würde damit für neue Stadtviertel mitten in der Stuttgarter Innenstadt frei. Durch neue Strecken soll der Flughafen Stuttgart ans Fernverkehrsnetz der Deutschen Bahn angebunden werden sowie durch die neue Schnellfahrstrecke Wendlingen – Ulm die Fahrzeit von Stuttgart nach Ulm verkürzt werden. Die ersten Bauarbeiten hatten vor genau drei Jahren begonnen, am 3. Februar 2010 - 16 Jahre nach Vorstellung der ersten Pläne 1994. Im September eskalierte der Konflikt, als die Polizei den Schlossgarten räumte, in dem hunderte Demonstranten gegen den Bau protestierten. Mehr als 100 und etliche Polizisten wurden verletzt. In einem Schlichtungsverfahren unter der Leitung des ehemaligen CDU-Spitzenpolitikers Heiner Geißler diskutierten bis Ende November Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 über die Leistungsfähigkeit des geplanten Tiefbahnhofs. Geißler schlug am Ende als Kompromiss eine Kombination von Tief- und Kopfbahnhof vor.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:05 Uhr

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