Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Neuer UN-Gipfel für Syrien

Bericht: Gewalt schlimmer als vor der vereinbarten Waffenruhe

Bewohner von Homs neben einem durch Beschuss zerstörten Geschäft (picture alliance / dpa / David Manyua / Handout)
Bewohner von Homs neben einem durch Beschuss zerstörten Geschäft (picture alliance / dpa / David Manyua / Handout)

Erneut beschäftigt der Syrien-Konflikt die Weltpolitik: Der Syrien-Gesandte Kofi Annan hat für Samstag zu einem UN-Sondergipfel geladen. Das syrische Regime sperrt sich weiterhin gegen Kritik.

US-Außenministerin Hillary Clinton setzt nach eigenen Worten große Hoffnungen auf die für Samstag angekündigte Syrien-Konferenz. Wenn der UNO-Sondergesandte Annan dort in der Lage sei, eine von China und Russland akzeptierte Roadmap für einen politischen Übergang in Syrien vorzulegen, werde dies eine ganz besondere Botschaft bedeuten, sagte Clinton. Sie kündigte an, persönlich zu dem Treffen nach Genf zu kommen.

Annan hat dazu die fünf ständigen Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates, Vertreter der EU, die Türkei, den Irak, Kuwait und Katar eingeladen. Außerdem will auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon an der Konferenz teilnehmen. Bei dem Treffen gehe es um die Durchsetzung des Sechs-Punkte-Friedensplans für Syrien, erklärte Annan.

Am Vormittag verließ die syrische Delegation eine Sitzung des UNO-Menschenrechtsrats - aus Protest gegen Kritik. Dem Gremium war ein Bericht über das Massaker in Hula vorgelegt worden. Darin kamen UNO-Ermittler zu dem Schluss, dass zwar nicht endgültig geklärt sei, wer hinter der Tat vom Mai mit 108 Toten stecke. Vermutlich seien aber regierungstreue Truppen für viele Morde verantwortlich.

Der Vorsitzende der zuständigen UNO-Untersuchungskommission, Paulo Pinheiro, sagte in Genf, beide Seiten im syrischen Bürgerkrieg seien für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich. Soldaten nähmen gezielt Wohngebiete unter Beschuss. Auch sexuelle Gewalt und Folter gehörten zu den üblichen Methoden des Regimes.

Annans Sechs-Punkte-Plan wird nicht umgesetzt

Der stellvertretende UN-Gesandte für Syrien, Jean-Marie Guehenno, erklärte vor dem UN-Menschenrechtsrat, der Sechs-Punkte-Plan seines Vorgesetzten Annan werde eindeutig nicht umgesetzt. Die Regierung und die Rebellen müssten zu der Einsicht gebracht werden, dass eine mangelnde Umsetzung des Plans Folgen haben werde. Die Kämpfe würden sich derzeit auf immer weitere Teile Syrien ausdehnen, lautet die Feststellung des neuen Lageberichts der Kommission.

Assad: Syrien im Krieg

Syriens Machthaber Baschar al-Assad (picture alliance / dpa / Syrian News Agency Sana/Ho)Syriens Machthaber Baschar al-Assad (picture alliance / dpa / Syrian News Agency Sana/Ho)Mehr als ein Jahr nach Beginn der Proteste gegen sein Regime sieht Syriens Präsident Baschar al-Assad das Land im Krieg. Seine gesamte Politik sei darauf ausgerichtet, diesen Krieg zu gewinnen, sagte Assad vor dem Kabinett in der Hauptstadt Damaskus.

Derweil versinkt Syrien weiter in Gewalt und Chaos. Insgesamt wurden gestern nach Angaben von Aktivisten mehr als 130 Menschen getötet. Die meisten Opfer habe es in der Umgebung der Haupstadt Damaskus gegeben, berichtete das Syrische Beobachtungszentrum für Menschenrechte in London. Die Informationen lassen sich von unabhängiger Seite kaum überprüfen, weil das Assad-Regime den Medien keinen Zugang zu den Schauplätzen gewährt.

NATO zeigt sich besorgt

Dänemarks Premierminister und künftiger Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen spricht in Straßburg auf dem Nato-Gipfel. (AP)Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen (AP)Das Militärbündnis aus 28 europäischen und nordamerikanischen Staaten warnte Syrien, nachdem deren Luftwaffe ein türkisches Kampfflugzeug abgeschossen hatte - angeblich wegen eines Missverständnisses. Sollte Syrien eine solche militärische Aktion wiederholen, kündigte die NATO eine härtere Gangart an. "Nötigenfalls werden wir beraten, was sonst getan werden könnte", sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen nach einer Sondersitzung des NATO-Rates in Brüssel.

Die NATO sei gut beraten, nicht mit kriegerischen Auseinandersetzungen zu drohen, betont der Vorsitzende der Parlamentariergruppe für die Arabischsprachigen Staaten des Nahen Ostens, Joachim Hörster (CDU). Niemand wolle bislang diese Intervention, deshalb bleibe nur der Verhandlungsweg, sagte Hörster im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:10 Uhr Aus Kultur- und Sozialwissenschaften

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Meisterwerke von Manet in HamburgWie der Maler trickreich das Publikum bannte

Drei Frauen betrachten in der Hamburger Kunsthalle das Bild "Das Frühstück im Atelier" des Künstlers Edouard Manet. Die Ausstellung "Manet - Sehen. Der Blick der Moderne" wird vom 27. April bis zum 4. September.2016 in der Hansestadt gezeigt. (Foto: Axel Heimken / dpa)

Eine Schau mit 35 Gemälden des Malers Edouard Manet will Publikumsmagnet in Hamburg werden. Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner erklärt, mit welchem Trick der Maler Kunstgeschichte schrieb.

Streiks in FrankreichKleine und mittlere Unternehmen fürchten um Existenz

Mitglieder der Gewerkschaft CGT blockieren den Zugang zu einem Industriegebiet in Vitrolles in Südfrankreich. (AFP / Boris Horvat)

Bei einer Befragung von 700 französischen Unternehmen gaben 70 Prozent der Firmen an, in Kürze schließen zu müssen. Der Grund: Die andauernden Streiks in Frankreich und die damit verbundene Ressourcenknappheit. Doch nicht nur viele Firmenchefs, auch immer mehr Angestellte fühlen sich mittlerweile als Geisel im eigenen Land.

"Meinen Hass bekommt ihr nicht"Bericht aus einer Welt des Schmerzes

Der Journalist Antoine Leiris, der seine Frau bei den Terroranschlägen im Pariser Bataclan verlor und darüber ein Buch schrieb. (AFP / Dominique Faget )

Der französische Journalist Antoine Leiris verlor bei den Anschlägen von Paris seine Frau. In dem Band "Meinen Hass bekommt ihr nicht" hat er notiert, was dieser Verlust für ihn und seinen zweijährigen Sohn bedeutet.

US-WahlkampfObama wirft Trump Ignoranz vor

KOMBO - US Pr (EPA)

US-Präsident Barack Obama hat sich beim G7-Treffen kritisch über den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump geäußert. Der zeige sich gegenüber der Außenpolitik ignorant und interessiere sich eher für Schlagzeilen als für Strategien für Amerikas Sicherheit, sagte Obama. Doch Trumps außenpolitische Positionen sind nicht nur bei den US-Demokraten umstritten.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Schiffsunglück  Hundert Flüchtlinge im Mittelmeer vermisst | mehr

Kulturnachrichten

"Refugee" ist britisches Kinderwort des Jahres  | mehr

Wissensnachrichten

Großbritannien  VR-Brillen bringen Geschworene an Tatort | mehr