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Neues Gesicht, ähnliche Linie

Führungswechsel beim Deutschen Bauernverband

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (picture alliance / dpa / Frank Leonhardt)
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (picture alliance / dpa / Frank Leonhardt)

Die deutschen Bauern haben einen neuen Cheflobbyisten: Joachim Rukwied, 50, aus Heilbronn gilt wie sein Vorgänger als Vertreter einer marktorientierten Landwirtschaft. Um das Image seiner Branche aufzubessern, will er moderne Kanäle nutzen.

Via Youtube und Facebook, aber auch mit Plakatkampagnen möchte der neue Verbandspräsident Rukwied der Landwirtschaft ein moderneres Image verpassen. Das Gros der Verbraucher sehe beim Thema Landwirtschaft immer noch einen idyllischen Kleinbauernhof, hatte Rukwied in der DBV-Verbandszeitschrift erklärt. "Doch dann sind sie verschreckt, dass sich auch dies verändert hat", sagte er.

Ökonomie komme bei ihm vor Ökologie, Effizienz vor Hofladenromantik, erklärte der Landwirt. Mit dem Slogan "Arbeit aus Leidenschaft" ist er bereits seit 2010 im DBV-Öffentlichkeitsausschuss an einer "Informationsoffensive" tätig, um das aus seiner Sicht verzerrte Bild der Großagrarier zurecht zu rücken.

Mais und Raps auf 290 Hektar

Gerd Sonnleitner, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, zu Gast in der Redaktionskonferenz von Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio - Bettina Straub)Gerd Sonnleitner, abgelöster Präsident des Deutschen Bauernverbandes (Deutschlandradio - Bettina Straub)Joachim Rukwied ist wie sein Vorgänger Gerd Sonnleitner Landwirt. 1994 übernahm er den elterlichen Hof bei Heilbronn in Baden-Württemberg. Auf seinen 290 Hektar Ackerland wachsen Getreide, Zuckerrüben, Raps, Mais und Kohl. Auch Wein baut er an - auf acht Hektar Weinbergfläche. Rukwied, der an der Fachhochschule Nürtingen Landwirtschaft mit Schwerpunkt Betriebswirtschaft studiert hat, ist dreifacher Familienvater. Das ist der Bauer Rukwied.

Schon früh begann die Karriere des Lobbyisten und Politikers Rukwied. Für die CDU saß er von 1994 bis 2009 im Gemeinderat seines Heimatorts Eberstadt, wo er bis heute Ortsvorsitzender der CDU ist. 2003 bis 2009 vertrat er seine Partei im Kreisrat des Landkreises Heilbronn. Nach ersten Verbandsämtern auf Kreisebene ist er seit 2006 Präsident des Landesbauernverbands in Baden-Württemberg.

Karriere in Politik und Bauernverbänden

Arbeit in der Landwirtschaft (AP)Großmaschinen statt Kleinbauernromantik: Deutscher Bauer bei der Arbeit (AP)Er gilt als politisches Talent, das vorausschauend und marktorientiert agiert - und er hat die satte Mehrheit der rund 300.000 im DBV organisierten bäuerlichen Betriebe hinter sich: 95,4 Prozent der 570 Delegierten stimmten heute auf dem Bauerntag im oberbayerischen Fürstenfeldbruck für ihn.

"Es muss gelingen, die Anerkennung unserer Lebensmittel beim Verbraucher zu verbessern", sagte er in seiner Antrittsrede. Oberstes Ziel sei, die Ernährung der heimischen Bevölkerung zu sichern. Dazu müssten die landwirtschaftlichen Flächen besser geschützt, die Beschäftigungsmöglichkeiten ausgebaut und die Lasten der erneuerbaren Energien für die Betriebe reduziert werden.

Außerdem müssten Politik und Gesellschaft der Tierhaltung, die ein fundamentales Standbein der deutschen Wirtschaft sei, mehr Vertrauen schenken. Der Bauernverband könne Politik nicht bestimmen, aber als Interessenvertreter in Stuttgart, Berlin und Brüssel auf Veränderungen dringen, sagte Rukwied.

Kritik der Nachhaltigkeitsbauern

Genau diese Einstellung brachte Rukwied erste kritische Stimmen ein. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirte (AbL) mahnte, der neue DBV-Präsident stehe für eine "marktfeindliche Romantik". Rukwied ignoriere die Zeichen der Wirtschaft und die Erwartungen der heimischen Verbraucher. Stattdessen setze er auf globale Exportmärkte, Effizienz und Technik. "Dieser altbackene Machbarkeitswahn ist längst an der Realität gescheitert", heißt es seitens der AbL, die sich für eine nachhaltige Landwirtschaft einsetzt.

Eine der größten Herausforderungen des neuen Verbandschefs wird die Verteidigung des Status Quos sein: der Erhalt der Subventionszahlungen an deutsche Landwirte. Der Agrarhaushalt ist der größte der EU, vielen Betrieben würde ohne die Subventionen die Hälfte der Einnahmen wegbrechen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

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