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Neues Konzept für Truppenabzug

Deutsche Soldaten könnten in fünf Jahren Afghanistan verlassen haben

ISAF-Soldaten der Bundeswehr im deutschen Hauptquartier in Masar-i-Sharif, Afghanistan (AP Archiv)
ISAF-Soldaten der Bundeswehr im deutschen Hauptquartier in Masar-i-Sharif, Afghanistan (AP Archiv)

Nach einer geplanten Aufstockung von Soldaten sieht die neue Strategie der Bundesregierung für Afghanistan einen vollständigen Abzug bis Ende 2014 vor, der bereits 2011 beginnen soll. Voraussetzung dafür sei, dass die Regierung in Kabul bis dahin selbst für die Sicherheit sorgen könne. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach von einem "Konzept des Neuanfangs".

Die Bundesregierung beabsichtigt zunächst eine Verstärkung ihres militärischen und zivilen Engagements. 500 zusätzliche Soldaten sollen nach Afghanistan entsandt werden, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) heute Vormittag an. Hinzu komme eine Einsatzreserve von weiteren 350 Soldaten.

Nach Ansicht von SPD-Chef Siegmar Gabriel hat sich die Koalition mit ihren Plänen auf Forderungen der Opposition zubewegt. Gabriel ließ offen, ob die SPD die Vorschläge im Bundestag mittragen wird. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast meinte, sie sehe vor allem die Erhöhung der Truppenzahl sehr kritisch. Von Seiten der Linkspartei hieß es, mehr Soldaten bedeuteten mehr Krieg.

In Berlin trafen sich am Nachmittag Vertreter der Koalition mit der Opposition, um zwei Tage vor der Afghanistan-Konferenz der internationalen Gemeinschaft in London die bestmögliche Strategie für das weitere Vorgehen am Hindukusch auszuloten.

Thomas Ruttig, Afghanistan-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, hält eine Stärkung der Ziviligesellschaft für den richtigen Ansatz im Umgang mit den Problemen in Afghanistan. Die Bundesregierung will künftig 430 Millionen Euro in diesen Bereich investieren - fast doppelt so viel, wie bisher mit 220 Millionen Euro. Ruttig betonte, eine militärische Lösung sei gescheitert. Er halte eine Zusammenarbeit mit den Aufständischen für sinnvoll.

Der Politikwissenschaftler Professor Christian Hacke attestiert der Regierung und ihrer Afghanistan-Strategie dagegen Ratlosigkeit und Perspektivlosigkeit.

Blick über die afghanischen Berge (Peter Marx)Blick über die afghanischen Berge (Peter Marx)Man habe sich lange Zeit damit verzettelt, den Wiederaufbau in Afghanistan mit bestimmten Werten des Westens zu verbinden, sagt Markus Kaim, ebenfalls Afghanistan-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Wir haben ein wenig die sogenannten Grunddienstleistungen vernachlässigt, die die Afghanen interessieren - also die Frage 'Habe ich fließendes Wasser, kann ich meine Kinder sicher zur Schule bringen, ist eine Straße da, auf der ich meine Produkte zum nächsten Markt bringen kann?' und anderes mehr." Es gehe nun darum, derartige Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, "sodass man damit letztlich auch die Herzen der Afghanen gewinnt", sagt Kaim.

Die Situation in Afghanistan werde in Deutschland beschönigt, sagt Marc Lindemann, Buchautor und ehemaliger Nachrichtenoffizier der Bundeswehr. Er könne sich die Verharmlosung der Lage in Afghanistan nur "mit der innenpolitischen Front erklären", sagt der Politikwissenschaftler, der nun ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben hat. Sein Plädoyer: Man müsse den Menschen sagen, dass es um einen Kampf geht.

Die Bundesregierung plant neben der Truppenaufstockung auch eine Verstärkung bei den Polizeikräften, die afghanische Kollegen ausbilden. Derzeit sind 123 Polizisten im Einsatz. Künftig sollen es 200 sein.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:35 Uhr

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