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Nicht alle lieben Gauck

Kritik an seinen Äußerungen zu Sarrazin und Occupy

Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Robert Schlesinger)
Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Robert Schlesinger)

Konsenskandidat? Von wegen! Nicht nur die Linkspartei pflegt ihre Abneigung gegen Joachim Gauck, Vorbehalte gibt es auch unter Grünen-Politikern und Netzaktivisten. Vor allem im Internet formieren sich nun die Kritiker des designierten Bundespräsidenten.

Er sollte der Kandidat sein, den alle mögen, dem alle zustimmen können. Eine ganz große Koalition aus Union, FDP, SPD und Grünen machte den Theologen Joachim Gauck zum Anwärter für das Schloss Bellevue. Ein Konsenskandidat für das Amt des Bundespräsidenten schien gefunden. Gauck sei ein "Glücksfall für die Bundesrepublik", sagte der Historiker Hans-Ulrich Wehler. Und SPD-Chef Gabriel befand auf der Pressekonferenz im Bundeskanzleramt: Ende gut, alles gut.

Wirklich?

Ganz so eindeutig ist die Sache nicht. Natürlich: Der 72-jährige Theologe Gauck bekommt Lob und Vorschusslorbeeren. Doch auch die kritischen Stimmen mehren sich. Dass die Linke Gauck nicht mittragen würde, war absehbar. Deren Fraktionsvize Dietmar Bartsch bekräftigte nun im Deutschlandfunk: Gauck ist für uns nicht wählbar.

Auch bei den Grünen äußern manche inzwischen Bedenken. Scharfe Kritk an Gauck kam unter anderem von den Grünen-Abgeordneten Hans-Christian Ströbele und Memet Kilic. Beide behalten sich vor, Gauck die Zustimmung in der Bundesversammlung zu verweigern. Bereits am Montag bezeichnete Ines Pohl (mp3-Audio), Chefredakteurin bei der links-alternativen "taz", Gauck als "unglaublich eitel und selbstbezogen".

Was haben diese Kritker an Gauck auszusetzen? Für Ärger sorgen mehrere frühere Interviewäußerungen:

  • Die Kapitalismuskritik der Occupy-Bewegung hat Gauck als "unsäglich albern" bezeichnet.

  • Für seine Thesen in dem umstrittenen Bestseller "Deutschland schafft sich ab" hat Gauck Thilo Sarrazin "Mut" attestiert.

  • Zum Thema Vorratsdatenspeicherung sagte Gauck, diese sei "nicht der Beginn eines Spitzelstaates".
Diese und weitere Äußerungen, die zum Teil stark verkürzt oder aus dem Zusammenhang gerissen zitiert werden (wie unter anderem "Cicero" und "Süddeutsche" berichten), treiben nicht nur manchen Berufspolitiker auf die Palme - sondern auch größere Teile der Netzgemeinde.

Unter den Schlagworten #notmypresident und #nogauck gehen bei dem Kurznachrichtendienst Twitter im Minutentakt kritische Kommentare ein. Kontrovers diskutiert wird über den Kandidaten auch in den Kommentarspalten der Social-Media-Kanäle des Deutschlandradios.

"Wenn einer aus der Bürgerbewegung der DDR kommt, und heute die weltweite Bürgerbewegung Occupy als lächerlich bezeichnet, hat [er] schon - bevor er überhaupt gewählt wurde - einen großen Teil Vertrauen verspielt", schreibt ein Nutzer auf der Google-Plus-Seite von Deutschlandradio Kultur.

Auf Facebook bemerkt ein anderer Nutzer: "Gaucks Sympathie zu Sarazzin ist euch hoffentlich bekannt! Der Gauck passt mir nicht..." Und eine Kommentatorin auf der Facebook-Seite des Deutschlandfunks meint: "Wie kann jemand, der mit Sarrazin sympathisiert, die Occupy-Bewegung und Bürger-Widerstand als albern abtut, wie kann jemand, der weiteren sozialen Abbau befürwortet ein Bundespräsident für alle sein?"

Andere User nehmen Gauck dagegen in Schutz. "Gauck ist eine Person mit Format, die in einer Diktatur aufgewachsen ist. So etwas prägt, der Mann hat Meinungen und sagt sie", heißt es in einem Facebook-Kommentar. Und ein anderer Nutzer schreibt: "Ein guter Kandidat. Allein schon seine kurze Rede auf der Pressekonferenz - gehaltvoll und herzerwärmend."

Diese und viele andere Kommentare zeigen: Der Kandidat polarisiert die vorwiegend junge Internet-Gemeinde. Doch Kritik an Gauck ist auch noch aus einer ganz anderen Richtung zu hören. Der konservative CSU-Abgeordnete Norbert Geis sorgt sich um das Privatleben des designierten Bundespräsidenten. Gauck, der von seiner Ehefrau getrennt lebt und seit zwölf Jahren mit einer neuen Frau liiert ist, möge doch bitte seine "persönlichen Verhältnisse" ordnen, empfahl Geis in der "Passauer Neuen Presse".

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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