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Nicht nur für Winzer ein Ärgernis

Der Hochmoselübergang wird zum Wahlkampfthema in Rheinland-Pfalz

Von Gerwald Herter

Die Computergrafik zeigt, wie der geplante Hochmoselübergang einmal aussehen könnte. (picture alliance / dpa)
Die Computergrafik zeigt, wie der geplante Hochmoselübergang einmal aussehen könnte. (picture alliance / dpa)

In Rheinland-Pfalz soll bald eine gewaltige Brücke über das Moseltal führen, erste Bauarbeiten haben schon begonnen. Der Hochmoselübergang ist zwar nicht ganz so berühmt, wie "Stuttgart-21", der Widerstand gegen die Brücke ist dennoch beachtlich.

Bernkastel und Trarbach, Zeltingen und Graach – noch weist ein angerostetes Schild Ausflüglern an dieser Weg-Kreuzung die Richtung. Viele der Feldwwege sind bereits asphaltiert worden, damit Bagger und schwere Lastwagen nicht durch Schlamm fahren müssen. Trotz der grauen Streifen ist die Aussicht immer noch wunderschön: Von hier oben sind bekannte Moselorte zu erkennen. Eine vierspurige Schnellstraße wird über diese Anhöhe bald auf die geplante Hochbrücke zuführen.

Wie gewaltig das Bauwerk wird, lässt sich zumindest erahnen, denn an einer von mehreren Wildunterführungen wird schon gearbeitet. Ein paar Bauarbeiter hämmern Verschalungen, sie gießen Betonwände, in der Mitte bewegt sich ein Kran. Allein diese Baustelle hat ungefähr die Ausmaße eines Fußballplatzes und entlang der neuen Straße sollen mehrere solcher Unterführungen entstehen. Auch Rehe oder Wildschweine sollen von der einen auf die andere Seite kommen, wenn die Straße erst Felder und Wälder zerschneidet.

Zu Fuß gelangt man in wenigen Minuten von der Anhöhe mitten in die Weinberge. Auf dem steilen Hang wächst vor allem Riesling. Dass sich der Schattenwurf der Brücke auf die Qualität der Weine niederschlagen wird, war lange zu hören, doch die Sorge um das Wasser ist zum Hauptargument vieler Winzer geworden. Franz-Joseph Günther bindet gerade Rebstöcke. Auch er ist kein Freund der Brücke, doch ihm geht es nicht ums Wasser:

"Von mir aus braucht se gar net zu komme, denn ich wohn' ja in der Schäferei und die geht hier über uns hoch und dann haben wir das nicht mehr so ruhig, wie das früher war."

Die Schäferei, wo Günther wohnt, befindet sich auf halber Höhe. Wehlingen liegt unten am Fluss. Seit mindestens zehn Generationen betreibt die Familie von Manfred Prüm hier Weinbau. Etwa 20 Hektar gehören zum Anwesen - meist exzellente Lage, zum Beispiel "Wehlener Sonnenuhr". Für manchen Wein-Kritiker ist das einer der besten Rieslinge der Welt, für Manfred Prüm geht es auch um den Tourismus und die Schönheit des Moseltals:

"Das wär ein Jammer, wenn dadurch eine Ecke so verunstaltet würde, vor allem durch so ein Riesenmonstrum!"

Und dann ist da das Wasser, die Sorge um die Restfeuchte in der Sommerhitze und die Reife der Trauben ... ... . Manfred Prüm ist ganz offensichtlich ein wohlhabender Mann. Die stattliche Familiensitz liegt direkt am Moselufer. Jagdtrophäen, Antiquitäten - nichts lässt darauf schließen, dass dieser Traditionswinzer ein Sympathisant der Grünen ist, doch am nächsten Sonntag wird er dieser Partei, den Grünen, wohl seine Stimme geben.

"Die Grünen hier in der Gegend muss ich sagen, haben wir kennengelernt, haben wir durchaus einen positiven Eindruck gewonnen. Deswegen hoffen wir, dass das bei den nächsten Koalitionsverhandlungen mal zur Sprache kommen könnte, mal."

Allerdings gibt es auch in Wehlen Menschen, die anderer Meinung sind:

"Ich finde das ist gut, damit die Lkw dann hier aus dem Tal weg sind. Also ich find das in Ordnung. Die Autobahn kann dann hier umgelenkt werden, gleich in den Hunsrück, statt wieder hoch hinten doch zu fahren."

So wie der 59-jährige Postbeamte Kurt Friedrich aus Wehlen sieht das auch die Landesregierung von Rheinland-Pfalz. In Mainz ist der Sozialdemokrat Hendrik Hering nicht nur für Wirtschaft und Verkehr zuständig, sondern er ist – einzigartig in Deutschland – auch Weinbau-Minister. Selbst über die Wasserversorgung der Reben in den Hängen über Wehlen weiß er deshalb Bescheid. Hering sagt, mit den Bedenken habe er sich mehr als einmal befasst:

"Wir haben das nach unserer Auffassung erneut widerlegen können, weil die Straße jenseits der Wasserscheide gebaut wird. Damit haben wir uns intensiv auseinandergesetzt. Weil wir auch keine(n) ungute Stimmung hinterlassen wollen in der Region. Aber es gehört auch zur Demokratie dazu, dass Menschen ihre ablehnende Haltung behalten. Man wird nie jeden überzeugen können."

Hering hat zwei Mal mit dem Winzer Manfred Prüm gesprochen, auch die CDU-Spitzenkandidatin und frühere Weinkönigin Julia Klöckner war in Wehlen, doch sie tritt ebenfalls für den Bau der Brücke ein. Die Grünen – Prüms letzte Hoffnung – werden den Hochmoselübergang wohl kaum zur Koalitionsfrage machen. Das wäre auch zwecklos sagt Minister Hering, denn es handele sich um ein Bundesprojekt, das die Landesregierung nur abzuwickeln habe. Änderungsmöglichkeiten sieht er nicht, denn Aufträge im Wert von 250 Millionen Euro sind bereits vergeben worden. Hering sagt, bestenfalls lasse sich die Brücke noch in anderen Farbtönen darstellen. Dieses Bauwerk wird das Moseltal wohl unumstößlich verändern.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:41 Uhr

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