Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Niebel will Verkauf von Biosprit stoppen

Entwicklungsminister: "Konflikt zwischen Tank und Teller"

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) verweist auf die hohen Lebensmittelpreise (dpa / Tim Brakemeier)
Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) verweist auf die hohen Lebensmittelpreise (dpa / Tim Brakemeier)

Wegen steigender Agrarpreise fordert Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) einen Verkaufsstopp für den Biosprit E10 an deutschen Tankstellen. Menschen würden wegen der Beimischungspflicht hungern. Die Biospritbranche spricht von einer "Scheindebatte".

Angesichts weltweit steigender Lebensmittelpreise schlägt der Entwicklungsminister vor, den Verkauf von E10 auszusetzen. "Das ist ein Konflikt zwischen Tank und Teller, und gerade bei steigenden Lebensmittelpreisen kann Biosprit zu stärkerem Hunger in der Welt beitragen", sagte der FDP-Politiker dem Fernsehsender n-tv. Die von der früheren rot-grünen Bundesregierung durchgesetzte Beimischungspflicht führe letztendlich dazu, dass Menschen zu wenig Nahrung hätten. Da E10 in Deutschland ohnehin schwer akzeptiert werde, "müsse man überdenken, ob das der richtige Weg ist - und solange man denkt, sollte man E10 aussetzen".

Ziel der Forschung solle es sein, die Feldfrüchte für die Nahrungsgewinnung zu erhalten und die Restprodukte für die Biosprit-Produktion zu nutzen, so Niebel.

Das Bundesumweltministerium hält dagegen. Eine Sprecherin von Minister Peter Altmeier (CDU) wollte die Äußerungen Niebels zwar nicht kommentieren. Sie verwies aber darauf, dass Deutschland bei E10 Vorgaben der Europäischen Union umzusetzen habe. Das Verkehrministerium wollte sich überhaupt nicht äußern.

Branche spricht von Scheindebatte

Ein Auto fährt bei Landau in der Pfalz an einem blühenden Rapsfeld vorbei (picture alliance / dpa / Marius Becke)Branche: "Nichts anderes als Symbolpolitik" (picture alliance / dpa / Marius Becke)Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) sprach von einer Scheindebatte. "Ein Verbot von E10 wäre nichts anderes als Symbolpolitik, weil die bei weitem überwiegende globale Nachfrage nach Getreide und Mais nicht von den Bioethanolherstellern, sondern aus dem Futtermittelsektor kommt", sagte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann. Von der deutschen Getreideernte seien 2011 etwa vier Prozent in die Bioethanolproduktion gegangen. Dies seien etwa 0,1 Prozent der Weltgetreideernte. Ein E10-Verbot helfe den armen Ländern daher nicht.

E10-Zapfpistole an einer Tankstelle (picture alliance / dpa)E10 ist schon lange in der Kritik (picture alliance / dpa)Die Dürre in den USA und Indien hat zu enormen Ernteausfällen geführt, die beispielsweise die Preise für Getreide in die Höhe getrieben haben. Die Vereinten Nationen warnten bereits vor einer Lebensmittelkrise. E10 wurde 2011 in Deutschland eingeführt. Der Name steht für einen zehnprozentigen Anteil von Ethanol im Kraftstoff. Zuvor hatte es nur E5 mit fünf Prozent Ethanol gegeben.

Bioethanol wird in Deutschland aus Getreide und vor allem aus sogenannten Industrierüben gewonnen, die zum Verzehr ungeeignet sind. E10 steht schon seit Langem auch bei Umweltschützern in der Kritik wegen Bedenken, die Nutzung von Ackerflächen für den Anbau von Pflanzen für die Spriterzeugung verknappe das Lebensmittelangebot und lasse dadurch die Preise steigen.

Programmtipp:
Hören Sie am Donnerstag um 6:50 Uhr im Deutschlandradio Kultur: "Dürre in den USA - steigende Nahrungspreise – welchen Einfluss hat der Biosprit?"
Fragen an Thilo Hoppe (B90/Grüne), stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Deutschen Bundestages, und im Deutschlandfunk um 6:50 Uhr: "E 10 abschaffen? Dirk Niebel sieht 'Konflikt zwischen Tank und Teller'"
Interview mit Horst Meierhofer (FDP) stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses im Bundestag.



Mehr auf dradio.de:

Der lange Schatten von E10 - Anbau von Biospritpflanzen in Guatemala
Beipackzettel für E10 -Technisch gibt es kaum Gründe, den Biosprit E10 abzulehnen
Clean and Green: Hype oder Hoffnung - Wie nachhaltig kann Biosprit sein?
Sushi-Beilage zu Biosprit - Braunalgen als Rohstoff für die Biotechnologie
"Geld allein nützt Afrika wenig" - Prinz Asfa-Wossen Asserate gegen Ausbau von Biospritvorhaben

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:35 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Blue EconomyWirtschaftsmodell inspiriert von der Natur

Ein Feld mit Mais, im Hintergrund ein Fluss und eine Viehherde in Simbabwe. (picture-alliance / ZP / Frank Baumgart)

Keine Abfälle und keine Armut, weil Ressourcen so genutzt werden, dass damit die Grundbedürfnisse aller gestillt werden. Das klingt zwar wie Utopie, aber mit dem Wirtschaftsmodell der "Blue Economy" könne es Wirklichkeit werden - davon ist zumindest Begründer Gunter Pauli überzeugt. Ein Pilotprojekt gibt es zum Beispiel in Simbabwe.

Frage des TagesIst guter Journalismus heute unter Druck?

Zeitungsausschnitt - das Wort Lügen ist in der Schlagzeile zu lesen (Imago / Martin Bäuml Fotodesign)

Lügenpresse, Einseitigkeit, Abhängigkeit - viel Kritik ernten die Medien dieser Tage, nicht zuletzt über die Kommunikationskanäle im Internet. Das ist auch Thema auf der Jahrestagung des Netzwerks Recherche. Medienjournalist Daniel Bouhs spricht über die Zukunft des Journalismus und Mediendemokratie.

Blogger in BangladeschLebensgefährlicher Atheismus

Blumen liegen als Zeichen der Trauer auf einer Straße in der Nähe des Hauses des ermordeten Bloggers Avijit Roy in Dhaka. (pa/dpa/EPA/Abdullah)

Apostasie, der Abfall vom Glauben, führt in einigen islamischen Ländern zum Tod. Der 31-jährige Blogger Asif Mohiuddin wäre beinahe einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. In Bangladesh ist eine freie Meinungsäußerung in Religionsfragen kaum möglich. Nun hat er in Hamburg Schutz gefunden.

Karikaturen im Netz"Charlie Hebdo" geißelt jetzt auch online

Titelseite des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" am 25. Februar 2015 (dpa / picture alliance / Ian Langsdon)

Vier Museen und Galerien für komische Kunst präsentieren eine Ausstellung mit drastischen Karikaturen aus der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" - im Internet. Die digitale Schau zeigt das im Januar so schwer getroffene Blatt in der französischen Tradition des Antiklerikalismus.

InlandsgeheimdienstBundestag beschließt Verfassungsschutzreform

Schild des Bundesamts für Verfassungsschutz mit dem Bundesadler an einer Eingangstür des Gebäudes, durch die eine Frau geht. (picture alliance / dpa - Oliver Berg)

Knapp vier Jahre nach Aufdeckung der Mordserie des rechtsextremen NSU wird der Verfassungsschutz grundlegend reformiert. Die Behörden sollen künftig intensiver Informationen austauschen. Zudem soll das Bundesamt für Verfassungsschutz mehr Befugnisse bekommen und in den Ländern operativ eingreifen können.

Holocaust-Gedenkstätten in der Ukraine Das Kaddisch kommt erst 74 Jahre später

Eröffnung Holocaust-Gedenkstätte Kysylyn Westukraine (Deutschlandradio / Sabine Adler)

Die europäischen Juden starben nicht nur in den Vernichtungslagern. In Polen und Weißrussland wurden mehr als eine Million Menschen durch Massenerschießungen umgebracht. In der Ukraine beginnt das Gedenken an diese Toten.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Referendum  Tsipras ruft Griechen erneut zu "Nein" auf | mehr

Kulturnachrichten

IS brüstet sich mit Zerstörung von Büsten aus Palmyra  | mehr

Wissensnachrichten

Hitzewelle  Bundesamt bittet Bürger, Stadtbäume zu gießen | mehr