Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nobelpreis für Chemie geht nach Israel

Daniel Shechtman für Entdeckung der Quasikristalle geehrt

Chemie-Nobelpreisträger Dan Shechtman neben einem Mikroskop in seinem Labor am Haifa Technion in Israel. (picture alliance / dpa / Oliver Weiken)
Chemie-Nobelpreisträger Dan Shechtman neben einem Mikroskop in seinem Labor am Haifa Technion in Israel. (picture alliance / dpa / Oliver Weiken)

Der Nobelpreis für Chemie geht in diesem Jahr an den in Israel arbeitenden Forscher Daniel Shechtman. Die Akademie der Wissenschaften in Stockholm zeichnete den Wissenschaftler für die Entdeckung der Quasikristalle aus.

Daniel Shechtman ist Professor für Materialwissenschaften am Technion, der Technischen Universität von Haifa. 1982 entdeckte er die später sogenannten Quasikristalle, die sich durch eine geordnete, aber nur scheinbar periodische Struktur auszeichnen. Normale Kristalle besitzen eine Struktur, die sich in alle Raumrichtungen wiederholt, ähnlich wie die Waben eines Bienenstocks oder fachgerecht verlegtes Fischgrätparkett im Wohnzimmer. Dass es auch Kristalle geben könne, die sich nicht dieser strengen Regelmäßigkeit unterordnen, hielt die Fachwelt seinerzeit für unmöglich. In ihrer Begründung für die Wahl des 70-Jährigen schreibt die Nobelpreis-Jury denn auch, Shechtman habe sich mit seiner bahnbrechenden Entdeckung gegen den erbitterten Widerstand der wissenschaftlichen Gemeinschaft durchgesetzt. Mit seiner Entdeckung der Quasikristalle biss Dan Shechtman Anfang der 80er buchstäblich auf Stein. Denn damals herrschte in seiner Zunft die Überzeugung: Kristalle sind immer periodisch, alles andere ist Unfug. Doch Dan Shechtman setzte sich gegen Kritiker durch.

Kachelschmuck in der Grünen Moschee von Bursa. (Science/W. B. Denny)Kachelschmuck in der Grünen Moschee von Bursa. (Science/W. B. Denny)In einer Veröffentlichung von 1984 beschrieben Shechtman und weitere Wissenschaftler die Struktur genauer: Bei den Quasikristallen wirkt sie nur auf den ersten Blick regelmäßig, sie wiederholt sich jedoch nicht. Derartig aperiodische Mosaiken hatte der Mathematiker Roger Penrose bereits in den 70ern theoretisch beschrieben und ihnen auch seinen Namen geliehen: die Penrose-Parkettierung. Auch vielen Mosaiken der mittelalterlichen islamischen Kunst liegt eine Penrose-Parkettierung zugrunde.

Heute sind Hunderte Quasikristalle bekannt, die sich einerseits durch eine hohe Elastizität und Härte auszeichnen, aber auch anders als periodische Kristalle sehr verformbar sind.

Mehr zum Thema
Pressemitteilung des Nobelpreiskomitees zum Preisträger in Chemie 2011

Dan Shechtman spricht über seine Arbeit (Technion/YouTube-Video auf Englisch)

Uni Marburg: Verbotene Kristalle - Eine mathematische Idee stand am Anfang einer neuen Werkstoffklasse

Nobelpreise 2011 bei dradio.de

Artikel über Photonische Quasikristalle



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Der Preis aller Preise

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

EuropaBerlin und Prag vereinbaren engere Kooperation

Blick vom Altstädter Brückenturm bei Sonnenuntergang über die Karlsbrücke auf die Prager Kleinseite mit der Prager Burg und dem Veitsdom (picture alliance / ZB / Sebastian Kahnert)

Angesichts der Krisen in Europa rücken die Nachbarländer Tschechien und Deutschland näher zusammen. In Berlin treffen sich die Außenminister beider Länder, um ein Abkommen zu unterzeichnen.

Journalist Ulrich Chaussy Warum lässt Sie das Attentat auf das Oktoberfest 1980 nicht los?

Ulrich Chaussy (privat)

Was steckte wirklich hinter dem Attentat auf dem Münchner Oktoberfest 1980? Diese Frage beschäftigt den Journalisten und Experten für Rechtsradikalismus, Ulrich Chaussy, seit mehr als 30 Jahren. 

Initiative für politikfreien SonntagBundestag und Baby vereinbaren

Die Vorsitzende der Partei Die Linke, Katja Kipping (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

Kleine Kinder betreuen und gleichzeitig Politik machen - schwierig, finden viele Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Gemeinsam  haben sie deshalb eine Initiative zur Einführung politikfreier Sonntage gestartet. 

Vor Griechenland-Abstimmung"Die Bevölkerung ist mit Referenden viel glücklicher"

Ein Plakat in Athen wirbt für ein "Nein" beim Referendum über das Reformpaket der Geldgeber. (picture alliance / EPA / Orestis Panagiotou)

Der Politologe Daniel Bochsler hält das geplante Referendum in Griechenland für richtig. Auch wenn man nicht jedes Detail zu den Reformen kenne, könne eine fundierte Meinung haben, sagte Bochsler.

SteuerrechtErbschaften sind immer ungerecht

Ein Testament wird geschrieben (picture-alliance/ ZB)

Mit einer moralischen Verurteilung von Menschen, die große Erbschaften machen, kommen wir nicht weiter, findet der Journalist Markus Reiter. Wir sollten stattdessen über Steuern und Freibeträge handeln.

Wissenschaftsmagazin Als Edison bei "Science" ausstieg

Undatierte Aufnahme des amerikanischen Erfinders und Wissenschaftlers Thomas Alva Edison (1847-1931), der der erste Geldgeber die Zeitschrift "Science" war.

Im Magazin "Science" zu veröffentlichen, gehört zu den größten Auszeichnungen eines Wissenschaftlers. Der Start der Zeitschrift war aber holprig - der erste Geldgeber Thomas Alva Edison stieg aus.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Geheimdienste  Bundestag beschließt Verfassungsschutzreform | mehr

Kulturnachrichten

Britische BBC muss 1000 Stellen streichen  | mehr

Wissensnachrichten

Medizin  Brasilien will weniger Kaiserschnitte durchführen | mehr