Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Nobelpreis für die Quantendompteure

Jury würdigt erste Schritte zu revolutionären Computern

Von Tim Krohn

Bilder der Nobelpreisträger für Physik, Serge Haroche und David Wineland bei der Preisverkündung (picture alliance / dpa / Bertil Enevag Ericson)
Bilder der Nobelpreisträger für Physik, Serge Haroche und David Wineland bei der Preisverkündung (picture alliance / dpa / Bertil Enevag Ericson)

Sie konnten einfangen, was anderen nicht gelang, nun erhalten sie den Nobelpreis für Physik: Serge Haroche aus Frankreich und David Wineland aus den USA. Sie schafften es, sogenannte Quantensysteme zu messen - ohne sie zu zerstören. Dies gilt als Schritt hin zu revolutionären Quantencomputern.

Albert Einstein sprach im Zusammenhang mit der Quantenphysik mal von einer geradezu "spukhaften Fernwirkung". Die Effekte bei der Übertragung der winzigen Licht-Teilchen waren ihm offenbar etwas unheimlich und vor allem schwer zu erklären.

Die schwedische Königliche Akademie der Wissenschaften versuchte es heute trotzdem bei der Begründung, warum die Preise an Serge Haroche und David Wineland gehen. Per Delsing vom Nobelkomitee für Physik fand dabei einen Vergleich, der das Spukhafte umso mehr unterstreicht:

"This is like eating a cake and having it too."

Es sei, als würde man einen Kuchen essen und ihn gleichzeitig vor sich haben, sagte der Wissenschaftler. So ungefähr würde das mit der Übertragung der Licht-Teilchen, der sogenannten Photonen, funktionieren.

Haroche und Wineland hätten dafür mit ihrer Grundlagenarbeit die Tür geöffnet. Den beiden Preisträgern sei es gelungen, einzelne Quantenpartikel zu beobachten, ohne sie dabei zu zerstören. Das mag für den Laien merkwürdig klingen, für die Fachleute ist aber genau das der entscheidende Punkt.

Inzwischen sind die Physiker nämlich so weit, dass sie diese Lichtteilchen von einem Ort zum anderen "teleportieren" können. Das heißt, sie können ohne irgendein messbares Signal den Zustand so eines Photons an einen anderen Ort verschicken.

Das Ganze geschieht verzögerungsfrei und abhörsicher. Viele Experten träumen deshalb schon von dem extrem schnellen sogenannten Quanten-Internet. Das könnte eines Tages - auch dank der beiden neuen Nobelpreisträger - ein ganz konkretes und praktisch nutzbares Instrument der Zukunft werden.

Die Akademie in Stockholm vermutet sogar, dass der Quantencomputer in diesem Jahrhundert unseren Alltag genauso radikal verändern kann, wie es der klassische Computer im vergangenen Jahrhundert getan hat.

Für den Preisträger Serge Haroche, Professor am College de France in Paris, ist die Erforschung der Licht-Teilchen schon jetzt längst im Alltag angekommen. Das Handy zum Beispiel funktioniere genau nach den Gesetzen der Quantenphysik, sagte er. Sein eigenes Handy klingelte heute Vormittag:

"Ich war gerade mit meiner Frau auf dem Heimweg. Und als ich auf dem Handy den Vorwahl-Code 46 für Schweden sah, da musste ich mich erstmal hinsetzen. Zum Glück gingen wir gerade an einer Parkbank vorbei, so dass ich mich setzen konnte. Der Preis ist wirklich überwältigend."

Haroche und sein amerikanischer Kollege Wineland, beide 68 Jahre alt, haben völlig unabhängig voneinander gearbeitet. Trotzdem gibt es nach Angaben der Akademie viele Gemeinsamkeiten.

Die Erkenntnisse der beiden haben unter anderem bereits zur Entwicklung einer hochpräzisen Ionen-Uhr geführt.

Anne L´Huillier, Mitglied des Nobelkommitees, erklärt, was an dieser Uhr so faszinierend ist:

"Wenn es eine solche Uhr schon seit der Entstehung des Universums gegeben hätte, also seit 14 Milliarden Jahren, dann würde diese Uhr heute nur um allerhöchstens 5 Sekunden falsch gehen."

Bei der Preisverleihung Anfang Dezember in Stockholm werden die beiden Quantenphysiker also auf jeden Fall pünktlich sein.


Links auf dradio.de:

- Physiknobelpreis geht an Serge Haroche und David J. Wineland - Die Wissenschaftler werden für Arbeiten auf dem Gebiet der Quantenphysik ausgezeichnet
- Der Preis aller Preise - Das Nobelkomiteegibt die Auszeichnungen bekannt

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:05 Uhr Kommentar

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

AuslandsspionageDer BND im rechtsfreien Raum

Zentrale des Bundesnachrichtendienstes in Pullach (dpa / picture alliance / Stephan Jansen)

In welchem Ausmaß der BND Telekommunikationsdaten im Ausland erhebt, hängt in erster Line von ethischen Erwägungen der Mitarbeiter ab. Vor allem seit Bekanntwerden des NSA-Skandals betrachten diverse politische und juristische Gremien das als unhaltbar. Umso verwunderlicher, dass ernsthafte Reformbemühungen eher langsam voranschreiten.

Kleiner Praxis-CheckWie funktioniert Apple Music?

Kopfhörer mit Smartphone (picture alliance / dpa / Daniel Bockwoldt)

Ist Apple Music so sexy, dass Spotify daran zugrunde geht? Seit einer Woche am Markt, hat sich Musikredakteur Martin Risel den Streamingdienst genauer angeschaut - und hat nicht nur einen Schwachpunkt ausfindig gemacht.

Deutsche KolonialverbrechenLange verharmlost

Vor dem Abmarsch in den Kampf gegen die aufständischen Hereros in Deutsch-Südwestafrika wird im Jahr 1904 die 2. Marine-Feldkompanie eingesegnet. (picture-alliance / dpa - Friedrich Rohrmann)

Im heutigen Namibia begangen die deutschen Besatzer den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts. Doch seit Jahren üben sich die wechselnden Bundesregierungen in der immer gleichen Abwehrstrategie, kommentiert Christiane Habermalz: Schmerz und Bedauern über die damaligen Ereignisse: ja, aber Anerkennung als Völkermord, offizielle Entschuldigung – nein.

Londoner U-Bahn-Attentat"Ich dachte, dass wir alle sterben"

Sajda Mughal überlebte das Londoner U-Bahn-Attentat von 2005. Sie wurde von Großbritannien für ihre Arbeit gegen islamischen Extremismus ausgezeichnet. (afp/Pool/Yui Mok)

Sajda Mughal hat den Anschlag auf die Londoner U-Bahn vor zehn Jahren überlebt. Kurz danach wird sie, die selbst Opfer war, öffentlich angefeindet, weil sie Muslimin ist. Heute kämpft sie gegen islamischen Extremismus.

Ilse StorbWas erzählt Ihre Trommel?

(Deutschlandradio - Matthias Dreier)

Wo immer sie auftaucht, ist sie der schillernde Mittelpunkt: Ilse Storb, Europas einzige Professorin für Jazzforschung. Ihr Markenzeichen ist die "Talking Drum", die sie ständig mit sich trägt.

Sommerroman Kochend zur großen Liebe

Kochlehrling Elke Nüstedt arbeitet am 03.03.2014 bei den 22. Regionalen Jugendmeisterschaften in den gastgewerblichen Ausbildungsberufen in der Küche der Yachthafenresidenz Hohe Düne in Rostock. (picture alliance / ZB / Jens Büttner)

Anne Köhler lässt ihren Roman "Ich bin gleich da" über weite Strecken in einer Küche spielen. Ihre Protagonistin ist Köchin aus Berufung und will nach Norden, ans Meer - jedenfalls möglichst weit weg von ihrer Familie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Griechenland  EU ist laut Juncker auf alle Entwicklungen vorbereitet | mehr

Kulturnachrichten

Unbekannte zerstören Documenta-Kunstwerk  | mehr

Wissensnachrichten

Schweiz  Weltweit erster Lehrstuhl für Muttermilch an der Uni Zürich | mehr