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Noch immer werden Zuwanderer unter ihrer Qualifikation beschäftigt

Ein Jahr Anerkennungsgesetz in Deutschland

Ausländische Ärzte lassen vermehrt ihren Abschluss anerkennen (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Ausländische Ärzte lassen vermehrt ihren Abschluss anerkennen (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Wie ist die Bilanz für den Elektriker aus Tadschikistan oder die Krankenschwester aus Chile? Können Zuwander ihr berufliches Potenzial in Deutschland einbringen? Die Anerkennung sei immer noch unzureichend, kritisieren SPD und Grüne.

In Deutschland leben rund drei Millionen Menschen, die ihre berufliche Qualifikation im Ausland erworben haben. Seit dem 1. April 2012 haben Zuwanderereinen Anspruch darauf, dass ihre im Ausland erworbene Qualifikation auf Gleichwertigkeit geprüft wird. Die erleichterte Anerkennung war eine der Initiativen, mit denen die Bundesregierung gegen den Fachkräftemangel vorgehen wollte. Fällt der Bescheid positiv aus, dürfen Zuwanderer auch in Deutschland ihren Beruf ausüben. Werden die in Deutschland üblichen Standards nicht vollständig erreicht, können sich die Antragsteller nachqualifizieren - das Gesetz gilt für etwa 450 Berufe.

Regierung rechnete vor einem Jahr mit 300.000 Antragstellern

Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung (CDU) (Deutschlandradio - Bettina Straub)Annette Schavan, ehemalige Bundesbildungsministerin (CDU) rechnete mit 300.000 Antragstellern (Deutschlandradio - Bettina Straub)"Wir rechnen mit etwa 300.000 Antragstellern aus allen Berufsgruppen. Das zeigt schon, dass wir mit diesem Gesetz ein Zeichen der Wertschätzung und ein Signal für Integration setzen", sagte vor einem Jahr die damalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Davon ist man heute weit entfernt. Etwa 30.000 Menschen haben im vergangenen Jahr von diesem Recht Gebrauch gemacht.

Ausländische Ärzte und Pflegekräfte nutzen das vereinfachte Verfahren zur Anerkennung ihres Berufsabschlusses in Deutschland bisher am häufigsten. Das geht aus ersten Daten hervor, die das Bundesbildungsministerium auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will heute in Berlin eine erste Bilanz des Anerkennungsgesetzes ziehen.

Ausländische Ärzte lassen vermehrt ihren Abschluss anerkennen

Nach einer ersten Abfrage bei den Gesundheitsbehörden der Länder haben zwischen April 2012 und Februar dieses Jahres 8.635 Ärztinnen und Ärzte einen Antrag auf Anerkennung ihres Abschlusses gestellt. Fast 5.000 kamen aus Ländern außerhalb der EU. Jeder zweite erhielt die vollständige Anerkennung. Die andere Hälfte kann erst nach einer Nachqualifizierung uneingeschränkt als Arzt arbeiten.

Bei den Pflegekräften sind die Anerkennungsquoten deutlich niedriger als bei den Ärzten. Nur 15,5 Prozent von 3.123 Antragstellern und Antragstellerinnen erhielten die vollständige Anerkennung ihres Abschlusses. Fast 79 Prozent müssen sich nachqualifizieren lassen, bevor sie in Kliniken und Altenheimen arbeiten können.

Anerkennungsverfahren in Handwerksberufen bisher kaum genutzt

Anders als in der Gesundheitsbranche wird das neue Anerkennungsverfahren in Handwerksberufen bisher noch kaum genutzt. IHK-Fosa-Geschäftsführerin Heike Klembt-Kriegel zeigte sich mit den Zahlen zufrieden, sieht aber noch Verbesserungsbedarf. "Wir stellen fest, dass die Möglichkeiten und Vorteile eines Anerkennungsverfahrens noch nicht alle Adressatenkreise erreicht haben. Dies nicht zuletzt aufgrund der Komplexität des Themas und der großen Diversität der Zielgruppen", sagte sie. Die IHK Fosa stellt als erste bundesweite Zentralstelle die Gleichwertigkeit von Abschlüssen nach dem am 1. April 2012 in Kraft getretenen Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz für Industrie- und Handelskammern fest.

Regierung mit Bilanz zufrieden, aber nicht mit 11 Bundesländern

Noch niedersächsische Wisseschaftsministerin: Johanna Wanka (picture alliance / dpa / Anja Mia Neumann)Übt Kritik an den Bundesländern: Bundesbildungsministerin Johanna Wanka C(CDU) (picture alliance / dpa / Anja Mia Neumann)Die Bundesregierung ist mit der bisherigen Bilanz des Gesetzes zufrieden. Ein Jahr nach Inkrafttreten hätten immerhin 30.000 der 300.000 theoretisch Anspruchsberechtigten entsprechende Anträge gestellt, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka in Berlin. Das Gesetz müsse aber noch weiter bekannt gemacht werden.

Die CDU-Politikerin kritisierte in diesem Zusammenhang, dass erst fünf von 16 Bundesländern entsprechende Regelungen verabschiedet haben. Sie sind für die Anerkennung vieler Abschlüsse zuständig, beispielsweise in den Lehrer- und Ingenieurberufen.

Opposition fordert bessere Finanzierung

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz (SPD) fordert eine bessere Finanzierung (picture alliance / dpa / Uli Deck)Der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz (SPD) fordert eine bessere Finanzierung (picture alliance / dpa / Uli Deck)Nach Aussage von Grünen- und SPD-Politikern gibt es keinen Grund zum Feiern. Die Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen funktioniere nur unzureichend, sagte der Grünen-Bildungspolitiker Arfst Wagner. Im Bereich der Nachqualifizierung zeigten Bund und Länder bisher keinen großen Ehrgeiz: "Weder gibt es ein flächendeckendes Angebot passgenauer Weiterbildungsmaßnahmen, noch ist die Finanzierung und Förderung der bestehenden Qualifizierungsangebote gesichert", sagte Wagner.

"Die Leute werden in dem Verfahren nicht ausreichend gestützt", kritisierte auch Swen Schulz, SPD-Bildungspolitiker und Bundestagsmitglied. Das liege auch an der mangelnden finanziellen Ausstattung der Bundesländer durch den Bund, um das Gesetz umzusetzen. Im Deutschlandradio Kultur forderte Schulz ein größeres Engagement, denn Deutschland stehe im Wettbewerb mit anderen Ländern um Fachkräfte. "Da müssen wir schon in die Puschen kommen, um die Leute anzuziehen, die hier etwas bewegen können".

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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

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