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"Noch nie ist ein TV-Duell so eindeutig entschieden worden"

Der Kampf um die Deutungshoheit nach dem TV-Duell zwischen Merkel und Steinbrück

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück beim TV-Duell (picture alliance / dpa)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück beim TV-Duell (picture alliance / dpa)

Gewinner oder Verlierer? Nach dem Fernsehduell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück geht es um die große Deutung des Ausgangs. Manche sehen Steinbrück nun im Aufwind.

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel bezeichnete den Auftritt Steinbrücks als brilliant. Steinbrück habe die besseren Argumente und den besseren Auftritt geliefert, sagte Gabriel in Berlin: "Noch nie ist ein Duell so eindeutig für einen Herausforderer entschieden worden." Merkel habe bei Kritik patzig reagiert. Einem zweiten TV-Duell gehe sie aus gutem Grund aus dem Weg.

CDU-Generalsekretär Herrmann Gröhe jubelte indes, Merkel habe im TV-Duell mit einem "Dreiklang aus Kompetenz, sympathischen auftreten und Glaubwürdigkeit" gepunktet. "Im Radsport würde man von einem Etappensieg sprechen." Er räumte allerdings ein, das TV-Duell sei eine anspruchsvolle Etappe gewesen. Gröhe verwies darauf, dass drei von vier Umfrageinstituten die Amtsinhaberin nach dem Ende der Live-Sendung vorne gesehen hätten.

Linkspartei knöpft sich Kanzlerin vor

Auch Merkels Koalitionspartner FDP zeigte sich zufrieden. Ihr Spitzenkandidat Rainer Brüderle sagte, die Kanzlerin habe sich auch dank der FDP besser geschlagen als in ihren ersten beiden TV-Duellen in den Jahren 2005 und 2009: "Die FDP hat die Regierung noch stärker und erfolgreicher gemacht."

Die Partei Die Linke knöpfte sich vor allem die Kanzlerin vor: Sie habe nach acht Jahren im Amt eine verheerende Bilanz vorzuweisen. Merkel betreibe Umverteilung von unten nach oben, sagte die Vorsitzende Katja Kipping in Berlin. Merkel habe mit ihrer schwarz-gelben Koalition die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns verhindert. Als Konsequenz müssten inzwischen 1,3 Millionen Menschen ihr Einkommen aufstocken lassen. Der Co-Vorsitzende Bernd Riexinger hielt Merkel vor, sie kümmere sich zu wenig um den Osten Deutschlands. Außerdem habe in ihrer Amtszeit die Arbeitslosigkeit in der Eurozone drastisch zugenommen, vor allem junge Leute seien betroffen: "Diese Politik muss abgelöst werden."

"Steinbrück neigt dazu, eher mehr Geld in die Hand zu nehmen"

Merkel Vs. Steinbrück - daws TV-Duell bei ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Phoenix und im Deutschlandfunk (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Mit Spannung erwartet, aber für manche enttäuschend (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin sagte im ZDF-Morgenmagazin, bei dem TV-Duell seien die politischen Alternativen deutlich geworden. Während Grüne und SPD mehr investieren und Arbeitslosigkeit bekämpfen wollten, wolle die Kanzlerin Europa weiter, wie er es nannte, "in die Krise sparen."

Der Parteienforscher Oskar Niedermeyer sieht keinen klaren Sieger in dem Fernsehstreitgespräch: "Die Erwartungen waren ja so, dass Frau Merkel hätte gewinnen müssen", sagte er ebenfalls im Deutschlandfunk: "Deswegen konnte Steinbrück zwar punkten, aber um den Wahlkampf noch zu seinen Gunsten zu drehen, hätte er wie der strahlende Sieger aussehen müssen."

"Man hat nicht viel Neues erfahren"

Nach Einschätzung der Chefredakteurin des Deutschlandfunks, Birgit Wentzien, indes konnte Steinbrück Boden gutmachen. Er "war hochkonzentriert, mächtig in den Themen zuhaus und ist für mich der eindeutige Gewinner der Redeschlacht". Vergleichsweise nüchtern wiederum fiel die Einschätzung des Politikberaters Michael Spreng im Deutschlandradio Kultur aus: Das Gespräch sei erwartungsgemäß verlaufen: "Man hat nicht viel Neues erfahren".

Aus Sicht der Zuschauer gab es keinen klaren Sieger. Die Forschungsgruppe Wahlen sah Merkel vorne, beim Forsa-Institut lagen beide nahezu gleichauf und für Infratest dimap war Steinbrück der Gewinner. Die für die ARD von Infratest dimap befragten Zuschauer fanden Steinbrück mehrheitlich überzeugender. 49 Prozent sahen den SPD-Kandidaten vorn, für Merkel als Siegerin sprachen sich 44 Prozent aus.

Hohe Zuschauerquoten

Bei einer Direktwahl des Regierungschefs hätte Steinbrück bei den Zuschauern der Sendung gute Chancen. Vor dem Duell hatten lediglich 28 Prozent angegeben, ihn als Direktkandidaten wählen zu wollen. Danach waren es immerhin 45 Prozent, wie die Umfrage ergab. Ausschlaggebend für den Sinneswandel war demnach Steinbrücks offensives Auftreten.

Insgesamt 17,5 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten das TV-Duell auf ARD, ZDF, RTL und ProSieben. Die höchste Quote erzielte das Erste mit 10,1 Millionen (Marktanteil: 29,1 Prozent). Schlusslicht war ProSieben mit 1,5 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 4,3 Prozent). Neben den nationalen Zeitungen haben sich auch zahlreiche internationale Zeitungen mit Einschätzungen des TV-Duells befasst.

Kritik von Migranten an Themensetzung

Thematisch wurden vorwiegend innenpolitische Aspekte debattiert. Von Bürgern mit Migrationshintergrund wurde kritisiert, dass keine Fragen zur NSU, zum Rassismus oder zur Integrationspolitik vorkamen. Solche Themen seien nicht nur für die 5,8 Millionen betroffenen Wähler wichtig, schrieb der Herausgeber der Online-Portals "Migazin", Ekrem Senol.

Merkel und Steinbrück werden noch einmal aufeinandertreffen. CDU und SPD bestätigten, dass beide Dienstagmorgen in der wohl letzten Plenarsitzung des Bundestags vor der Wahl am 22. September reden werden. Einziger Tagesordnungspunkt ist eine Debatte über die Lage in Deutschland. Bereits heute Abend reden die "Kleinen". Ab 20.15 Uhr treffen die Spitzenvertreter der drei kleineren im Bundestag vertretenen Fraktionen zu einer Fernsehdebatte aufeinander. Für die Grünen nimmt Trittin an der einstündigen Diskussion teil, für die Linke Gregor Gysi und für die FDP Rainer Brüderle. Auch dieses Gespräch können Sie live im Deutschlandfunk verfolgen.

Alt-Text (Bild: xy)

Grüne würden eigenes Ministerium für Energiewende schaffen

Vor der Debatte stellte Trittin ein 100-Tage-Programm vor, das die Grünen nach einem möglichen Regierungswechsel mit ihrer Beteiligung umsetzen würden. Ein zentraler Punkt ist die Schaffung eines eigenen Ministeriums für die Energiewende unter ihrer Leitung. "Wir setzen mit unserem Programm ein Signal, was wir ändern wollen gegen eine Bundeslobbykanzlerin, die den Interessen der Wirtschaftsmächtigen zum Durchbruch verholfen hat", betonte Trittin.

Brüderle stellte sich unterdessen in der Frage einer Pkw-Maut hinter die ablehnende Haltung der Kanzlerin. "Der deutsche Autofahrer ist schon die Melkkuh der Nation. Da noch draufzusatteln, das ist nicht realistisch", sagte er im ZDF. Linksfraktionschef Gysi kritisierte wiederum im Deutschlandfunk die Rentenpolitik: "Selbstverständlich können wir uns auch in Zukunft eine Rente ab 65 leisten und brauchen auch kein gesenktes Rentenniveau."


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Klartext gegen Teflon- Das Kanzlerduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:16 Uhr

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