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Nordkorea legt Ausländern in Südkorea Ausreise nahe

Ausländische Organisationen sollen "Evakuierungsmaßnahmen ausarbeiten"

Der Übergang zum Industriekomplex Kaesong in Nordkorea ist geschlossen (picture alliance / dpa / Jeon Heon-Kyun)
Der Übergang zum Industriekomplex Kaesong in Nordkorea ist geschlossen (picture alliance / dpa / Jeon Heon-Kyun)

Nordkorea hat die in Südkorea lebenden Ausländer aufgefordert, im Kriegsfall das Land zu verlassen. Auch aus der Sonderwirtschaftszone Kaesong hat sich Nordkorea zurückgezogen. Die Eskalation folgt dem Muster der Atomkrise von 1994.

"Im Falle eines Krieges wollen wir nicht, dass in Südkorea lebende Ausländer verletzt werden", erklärte das nordkoreanische Asiatisch-Pazifische Friedenskomitee laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Die koreanische Halbinsel steuere auf einen "nuklearen Krieg" zu, hieß es in der Erklärung. Sämtliche ausländischen Organisationen, Firmen und Touristen sollten daher "Evakuierungsmaßnahmen ausarbeiten".

Zuvor hatte Pjöngjang die letzte verbliebene Verbindung zum Süden gekappt: Es schloss die gemeinsam mit dem Süden betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong auf nordkoreanischem Gebiet. Dort arbeiteten bis zu 50.000 nordkoreanische Arbeiter für südkoreanische Firmen.

Japan stationiert Abwehrraketen

Angesichts der anhaltenden Drohungen aus Pjöngjang ließ die japanische Regierung in der Hauptstadt Tokio Patriot-Abwehrraketen stationieren.

Seit einem Atomtest Nordkoreas Ende Februar und der Drohung der kommunistischen Führung mit einem Atomschlag gegen die USA eskalieren die Spannungen auf der nordkoreanischen Halbinsel. Erst am Freitag hatte die nordkoreanische Führung die Botschaften in Pjöngjang aufgefordert, eine Evakuierung zu prüfen, weil es im Falle eines Krieges die Sicherheit des Personals nicht garantieren könne. Experten rechnen in Kürze wieder mit einem Atom- oder Raketentest. Die USA haben mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen in die Region reagiert.

Vorbild 1994: Eskalation nach Plan

Aus Sicht des ARD-Korrespondenten Martin Fritz folgt die Eskalation im aktuellen Konflikt dem Drehbuch der ähnlich gelagerten Atomkrise von 1994. Damals schien ein Krieg zum Greifen nah, nachdem Nordkorea die Wiederaufbereitung von Plutonium in einem Atomkraftwerk angekündigt hatte. Die USA erwägten einen Angriff zur Zerstörung des AKW. Ex-US-Präsident Jimmy Carter kam als Vermittler in Spiel, reiste nach Nordkorea und fand mit Kim Il-Sung, dem Vater des heutigen nordkoreanischen Machthabers, einen Kompromiss.

Auch heute werde Pjöngjang bewusst so lange an der Eskalationsspirale drehen, bis es um Frieden oder Krieg gehe. Dabei folge die Dramaturgie der Drohungen einem durchdachten Plan – ohne Rationalität wäre es dem Kim-Clan nicht gelungen, Nordkorea über drei Generationen im Griff zu behalten.

Hintergrund ist die isolierte Situation Nordkoreas: Bislang weigern sich die USA, mit Nordkorea diplomatische Beziehungen aufzunehmen. Direkte Gespräche und eine Sicherheitsgarantie Washingtons würden Kim Jong Un helfen, staatsmännisch und souverän dazustehen und seine Position als Herrscher nach innen zu legitimieren und zu stärken.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:09 Uhr

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