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Nordkorea ruft Kriegszustand aus

Südkorea und USA reagieren gelassen

Kim Jong-Un hat den Kriegszustand ausgerufen - reine Kriegsrhetorik oder ernstgemeinte Drohung? (picture alliance / dpa / EPA / KCNA)
Kim Jong-Un hat den Kriegszustand ausgerufen - reine Kriegsrhetorik oder ernstgemeinte Drohung? (picture alliance / dpa / EPA / KCNA)

Das Regime in Pjöngjang heizt die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel weiter an: Nordkorea hat den Kriegszustand mit Südkorea ausgerufen. Die beiden Länder befinden sich formal betrachtet ohnehin noch immer im Kriegszustand. Die USA sprachen von einem "bekannten Muster".

"Wir nehmen diese Drohungen ernst und bleiben in engem Kontakt mit unseren südkoreanischen Verbündeten", sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, in Washington. Sie verwies darauf, dass Nordkorea eine "lange Geschichte der Kriegsrhetorik und Drohungen" habe. Die neue und unkonstruktive Erklärung aus Nordkorea folge diesem bekannten Muster.

Nordkorea hatte zuvor erklärt, das Land sei in den Kriegszustand mit Südkorea eingetreten. Die jahrelange Situation "Weder Frieden noch Krieg" sei nun vorbei, hieß es in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung. Jede Angelegenheit zwischen beiden Staaten würde ab sofort entsprechend behandelt. Jede militärische Provokation nahe der Land- oder Seegrenze zwischen Nordkorea und Südkorea werde einen "umfassenden Konflikt und einen Atomkrieg" nach sich ziehen, hieß es weiter. Erneut wurden auch die direkten Drohungen gegen die USA bekräftigt. Als mögliche Ziele wurden das Festland der USA, Hawaii und Guam sowie die in Südkorea stationierten US-Truppen genannt.

Nordkorea drohte außerdem damit, die gemeinsame Sonderwirtschaftszone Kaesong zu schließen. Kaesong liegt nahe der Grenze zu Südkorea. Dort arbeiten zehntausende Beschäftigte aus dem Norden, aber auch mehrere hundert aus dem Süden.

Formal befinden sich Nord- und Südkorea ohnehin im Kriegszustand. Der Koreakrieg wurde 1953 nur mit einem Waffenstillstand und nicht mit einem Friedensvertrag beendet.

Südkorea: Das ist keine neue Drohung

Nordkorea droht Südkorea und den USA seit Anfang März fast täglich mit Angriffen. Das südkoreanische Vereinigungsministerium reagierte gelassen auf die neueste Erklärung aus Pjöngjang: "Das ist keine wirklich neue Drohung." Die Ankündigung sei vielmehr Teil einer "Reihe provokativer Drohungen". Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärte, bislang sei entlang der gemeinsamen Grenze keine entscheidende Truppenbewegung beobachtet worden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle warnte Nordkorea vor einer Eskalation. Das Verhalten des Landes sei eine ernste Gefahr für den Frieden in der gesamten Region, schrieb der FDP-Politiker in einem Gastkommentar für die "Bild"-Zeitung. Was auf der koreanischen Halbinsel geschehe, betreffe die Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt. "Das unverantwortliche Spiel Nordkoreas mit dem Feuer muss aufhören", mahnte Westerwelle.

Russland hatte gestern davor gewarnt, dass die Lage in der Region "außer Kontrolle" geraten könne und eine Rückkehr zum Dialog angemahnt. Niemand dürfe versuchen, geopolitische Aufgaben militärisch zu lösen, sagte Außenminister Sergej Lawrow.

Politologe Maull: Rhetorik kann zu ungewollter Eskalation führen

Hanns Maull, Politologe der Universität Trier, hält die Drohungen nur für Rhetorik. "Aber das heißt ja nicht, dass diese Rhetorik einem nicht auch aus der Hand gleiten kann und dass es zu einer ungewollten Eskalation kommt", so Maull im Deutschlandfunk. Aber es sei nicht das erste Mal, dass drohende Töne zu hören waren. Und bemerkenswert sei zudem, dass bislang die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Nord- und Südkorea in keiner Weise betroffen seien. "Das gab es in der Vergangenheit schon anders."

Er glaube zudem, dass Pjöngjangs Drohungen auf China abzielen: "Weil man sich nicht ganz sicher ist, wie sich die neue Führung orientieren wird und wie sich China in Zukunft verhalten wird." Es gebe in China selbst Diskussionen um die Frage, wie man zukünftig mit dem schwierigen Verbündeten Nordkorea umgehen sollte, so Maul weiter. Die neue Führung habe genug zu tun. "Korea ist da eher ein irritierender Faktor, kommt weit unten auf der Liste." Daher spreche alles dafür, dass die chinesische Führung zunächst einmal die Politik der alten Regierung fortführen werde: "Nämlich die Unterstützung des Überlebens des Regimes in Nordkorea."

Die Spannungen auf der Halbinsel hatten sich seit dem dritten nordkoreanischen Atomtest im Februar deutlich verschärft. Seitdem wird darüber spekuliert, wann das verarmte Land in der Lage ist, einen verkleinerten nuklearen Sprengsatz auf der Spitze einer Langstreckenrakete - die das Festland der USA erreichen könnte - platzieren zu können, berichtet Peter Kujath im Deutschlandfunk. Der UNO-Sicherheitsrat hatte die Sanktionen gegen Pjöngjang nach dem Test ausgeweitet.

Alt-TextReichweiten nordkoreanischer Raketen


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:08 Uhr

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